January 14, 2018 / 11:15 AM / 9 days ago

Thyssenkrupp-Chef Hiesinger vor Hauptversammlung unter Druck

Düsseldorf (Reuters) - Wenige Tage vor der Hauptversammlung von Thyssenkrupp hat der schwedische Großaktionär Cevian den Druck auf Vorstandschef Heinrich Hiesinger erhöht.

“Thyssen entwickelt sich noch nicht so, wie wir uns das vorstellen”, sagte Lars Förberg, Gründer und Chef von Cevian, der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Die Gewinnmargen der Sparten seien eindeutig zu gering. “Die gesamte Struktur des Unternehmens ist viel zu komplex.” Auch Aktionärsschützer sind unzufrieden. Selbst wenn es zur Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel komme, reiche dies nicht aus, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer, der Nachrichtenagentur Reuters. “Uns fehlt der Fortschritt. Uns fehlt der richtige Befreiungsschlag.”

Thyssenkrupp wollte sich am Sonntag dazu nicht äußern. Hiesinger führt seit sieben Jahren den Mischkonzern, der neben Stahl auch Aufzüge, Anlagen, Autoteile und U-Boote herstellt. Der Konzern hat unter Hiesinger das verlustreiche Stahlgeschäft in Amerika abgestoßen, Schulden in Milliardenhöhe abgebaut, in neue Geschäfte und Standorte investiert und den Umbau weg vom Werkstoffgeschäft hin zu einem Technologiekonzern vorangetrieben. Neben dem schwankenden Stahlgeschäft kämpft der ehemalige Siemens-Manager derzeit mit Problemen im Anlagenbau. Konkrete Angaben, bis wann die Sparten ihre Renditeziele erreichen sollen, macht er nicht. Die angepeilte Marke eines operativen Gewinns von zwei Milliarden Euro hatte der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr knapp verfehlt. Unter dem Strich stand nach Abschreibungen auf das Brasilien-Werk ein Verlust von 649 Millionen Euro.

CEVIAN FORDERT ÄNDERUNG DER STRATEGIE

“Es muss der Anspruch eines Vorstandes sein, seine selbstgesetzten Ziele zu erreichen”, sagte Cevian-Chef Förberg der Zeitung. Die Schweden halten rund 18 Prozent an Thyssenkrupp und sind damit nach der Krupp-Stiftung mit 21 Prozent der zweitgrößte Einzelaktionär. Cevian macht sich Medienberichten zufolge seit längerem für eine Aufspaltung des Mischkonzerns stark. Vor allem die Aufzugssparte könnte einen hohen Preis erzielen.

Förberg betonte, der Vorstand habe sich vor fünf Jahren ein klares Ziel gesetzt. “Die Stahlsparte ausgenommen, sollte das Unternehmen eine operative Gewinnmarge von sechs bis sieben Prozent erreichen. Auch heute erreicht das Unternehmen aber weiterhin nur die Hälfte seiner Zielmarge. Das ist eindeutig zu wenig.” Auf die Frage, ob er den Rücktritt Hiesingers verlange, sagte Förberg: “Eigentlich ist es doch ganz einfach: Wenn eine Strategie nicht die angestrebten Ergebnisse bringt, muss man sie ändern. Das erwarten wir sowohl vom Thyssenkrupp-Vorstand als auch vom Aufsichtsrat des Unternehmens.”

IG METALL RECHNET MIT ZUSTIMMUNG ZUR STAHLVEREINBARUNG Die Aktionäre kommen am Freitag in Bochum zur Hauptversammlung zusammen. Dabei dürfte auch das geplante Stahl-Joint-Venture mit Tata im Mittelpunkt stehen. Kurz vor Weihnachten hatte die IG Metall mit dem Management eine Vereinbarung getroffen, mit der die Beschäftigten nach einem Zusammenschluss geschützt werden sollen. Diese sieht unter anderem den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für neun Jahre und jährliche Investitionen in die deutschen Standorte von jährlich mindestens 400 Millionen Euro vor. Seit Samstag stimmen die in der IG Metall organisierten Stahlkocher über den Deal ab. Das Ergebnis soll am 5. Februar veröffentlicht werden. “Aus den Betrieben kommt überwiegend Zustimmung. Ich gehe fest davon aus, dass das angenommen wird”, sagte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath Reuters.

“Die Frage ist, ob das nicht zu teuer erkauft wurde”, kritisierte DSW-Geschäftsführer Hechtfischer. “Die bestehenden Verhältnisse werden damit im Extremfall die nächsten neun Jahre zementiert.” Thyssenkrupp habe an allen Fronten Baustellen. Nach dem Stahl müssten auch die anderen Bereiche auf den Prüfstand. “Ich bin immer mehr der Meinung zu sagen, so ganz abwegig ist der Ansatz von Cevian nicht zu sagen, man könne jetzt auch mal einen Börsengang machen.”

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