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Unternehmensnachrichten

Bund und NRW sprechen mit Krisenkonzern Thyssenkrupp über Hilfen

FILE PHOTO: A crane lifts up a steel coil at the storage and distribution facility of the steel plant of German steel maker ThyssenKrupp in Duisburg, Germany, January 30, 2020. REUTERS/Wolfgang Rattay/File Photo

Düsseldorf/Berlin/Frankfurt (Reuters) - Die Bundesregierung prüft nach den Worten von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart Hilfen für den angeschlagenen Stahlkonzern Thyssenkrupp.

Das Unternehmen befinde sich in einer schwierigen Situation, sagte der Minister am Freitag im Landtag. “Es wird geprüft, ob der Wirtschaftsstabilisierungsfonds eine Option sein kann.” Es gebe unterschiedliche Strategien, etwa ob es um das ganze Unternehmen oder einen Teilbereich geht. “Im Moment sehen wir es so, dass das Unternehmen, aber auch die Sozialpartner eher daran denken, den Stahl alleine abzuspalten und dann unter den WSF zu stellen.” Dies werde vom Bundesfinanzminister und Bundeswirtschaftsminister geprüft. Das Ergebnis sei offen. Thyssenkrupp wollte sich dazu nicht äußern.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte Gespräche mit dem Konzern und dem Land Nordrhein-Westfalen. Zu Details wollte sie sich nicht äußern. Früheren Angaben des Wirtschaftsausschusses im Bundestag zufolge haben bislang 81 Unternehmen Interesse an Hilfen aus dem in der Corona-Krise geschaffenen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bekundet. Fünf Anträge seien bisher bewilligt worden - im Volumen von 6,58 Milliarden Euro. Ein Insider sagte Reuters, die Gespräche mit Thyssen seien bislang noch nicht sehr konkret.

Der Konzern hat für seine schwächelnde Stahlsparte ein Übernahmeangebot des britischen Konkurrenten Liberty Steel vorliegen. Die IG Metall lehnt dies ab. Sie fordert einen Einstieg des Staates beim größten deutschen Stahlkocher Thyssenkrupp Steel Europe. Auch Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hat dies als Option bezeichnet. Merz hat Insidern zufolge auch Gespräche mit dem schwedischen Stahlkonzern SSAB und Tata Steel geführt.

Der “FAZ” (Samstagausgabe) zufolge hält sie dabei auch für denkbar, dass sich Thyssenkrupp nicht vollständig vom Stahl trennen muss: “Eine Weiterentwicklung innerhalb der Gruppe steht natürlich noch im Raum”, sagte sie der Zeitung zufolge. “Aber dafür braucht es viel Kapital in kurzer Zeit”. Deshalb spreche man auch mit dem Staat über Corona-Hilfen, habe aber noch keine Antrag gestellt. Mit einer Entscheidung über einen Verkauf der Stahlsparte oder ein Joint-Venture rechne sie nicht vor dem Frühjahr 2021, so die Zeitung. Für den geplanten Umbau des Unternehmens seien daneben auch weitere Kostensenkungen notwendig: “Das wird auch einen weiteren Stellenabbau bedeuten”.

SSAB/TATA WÜRDE DRUCK ERHÖHEN - THYSSEN ALLEINE ZU HAUS?

Die beiden Konkurrenten haben aber offenbar andere Pläne.

SSAB bestätigte am Freitag, mit Tata über eine Übernahme des Werkes im niederländischen IJmuiden zu verhandeln. Der Spielraum für Merz würde bei einem solchen Deal deutlich kleiner. Zudem könnte SSAB nun das bekommen, was Thyssenkrupp selbst am liebsten gewesen wäre: Das moderne niederländische Tata-Werk IJmuiden - ohne Verpflichtung, auch das als marode geltende Tata-Werk im britischen Port Talbot auch übernehmen zu müssen. Drei Jahre hatte der frühere Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger mit Tata verhandelt. Die geplante Fusion war im vergangenen Jahr am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert.

Für Thyssenkrupp ist die Lage seitdem noch schwieriger geworden. Die Stahlsparte schreibt hohe Verluste. In der kommenden Woche legt der Konzern seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Die Zahlen dürften tiefrot sein. Die IG Metall drängt darauf, dass der Staat vor Weihnachten erklärt, ob er zur Hilfe bereit sei. Die Forderung der Gewerkschaft nach einer direkten Beteiligung des Staates an Thyssenkrupp Steel Europe stieß bislang sowohl in NRW als im Bund auf keine Gegenliebe. Thyssenkrupp ist längst zum Politikum geworden. Im Düsseldorfer Landtag scheiterte am Freitag ein Antrag der oppositionellen SPD-Fraktion, mit dem die Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)aufgefordert werden sollte, dass sich das Land mit mindestens 25 Prozent an Thyssenkrupp Steel Europe beteiligt.

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