April 2, 2019 / 9:55 AM / 22 days ago

Thyssen und Tata wollen bei EU nicht mehr nachbessern

Germany's ThyssenKrupp CEO Heinrich Hiesinger and Chairman of Tata Steel Natarajan Chandrasekaran pose at a joint news conference after signing a final agreement on Saturday to establish a long-expected steel joint venture, in Brussels, Belgium July 2, 2018. REUTERS/Francois Lenoir TPX IMAGES OF THE DAY

- von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Thyssenkrupp und Tata Steel sehen einem Insider zufolge keine Notwendigkeit, für eine Freigabe ihrer Stahlfusionspläne weitere Zugeständnisse an die EU-Kommission zu machen.

Würden die Wettbewerbshüter die eingereichten Vorschläge als unzureichend bezeichnen, gebe es nur wenig Spielraum für Nachbesserungen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag. Die jetzigen Vorschläge ermöglichten noch die geplanten Synergieeffekte. Zu “wirtschaftlichem Unsinn” seien die Firmen aber nicht bereit. Die Pläne sähen unter anderem den Verkauf von Anlagen in Spanien, Großbritannien und Belgien vor. Deutschland sei nicht betroffen.

Thyssenkrupp wollte zu diesen Aussagen keine Stellung nehmen. Vorstandschef Guido Kerkhoff ließ jedoch einmal mehr durchblicken, dass er das von ihm und seinem Vorgänger Heinrich Hiesinger seit Jahren vorangetriebene Bündnis nicht um jeden Preis haben will. “Unsere Vorschläge decken aus unserer Sicht alle von der Kommission vorgetragenen Bedenken ab”, erklärte er in einer Stellungnahme des Konzerns. Sie seien weitreichend und stellten ein substanzielles Entgegenkommen dar. “Gleichzeitig ist es für die Joint Venture-Partner akzeptabel und kein Risiko für die industrielle Logik des Gemeinschaftsunternehmens.”

VIELE STAHLARBEITER SEHEN JOINT VENTURE WEITER SKEPTISCH

Kerkhoff hatte als langjähriger Finanzchef die Verhandlungen mit Tata geführt. Thyssen und Tata wollen in der von Überkapazitäten geprägten Schwerindustrie ihre Kräfte bündeln und den zweitgrößten europäischen Stahlkonzern nach ArcelorMittal schmieden. Kerkhoff, der 2018 die Nachfolge Hiesingers antrat, hat inzwischen weitergehende Pläne - die Aufspaltung des Konzerns in eine Industrial AG und eine Materials AG. Das Joint Venture sei zwar sinnvoll, sagte er kürzlich, fügte jedoch hinzu: “Bringt es uns um, wenn es nicht stattfindet? Nein.”

Kerkhoff sitzt nicht nur die EU im Nacken, sondern auch die IG Metall. Vize-Aufsichtsratschef Markus Grolms hat Kerkhoff vor zu weitreichenden Zugeständnissen an die EU auf Kosten der Belegschaft gewarnt. Rote Linien dürften nicht überschritten werden. Bei den mächtigen Arbeitnehmervertretern waren die Pläne von Anfang an auf Skepsis gestoßen.

Dem Insider zufolge sind deutsche Standorte von den Zusagen an die EU nicht betroffen. Im Bereich feuerverzinkter Stahl für die Automobilindustrie könnten die Konzerne zwei Anlagen in Spanien und Belgien verkaufen, das Werk in Spanien sei eher klein. Thyssenkrupp ist in Spanien mit der Tochter Galmed vertreten, Tata in Belgien mit der Firma Segal. Beim Verpackungsstahl biete Tata die Abgabe zweier Anlagen in Belgien und Großbritannien an. Der Umsatzanteil all dieser Geschäfte am Joint Venture könne sich niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegen. “Das Thema Elektroband ist vom Tisch.” Die Kommission habe hier ihre Bedenken aufgegeben. Ansonsten sei es das Ziel, die zur Disposition gestellten Geschäfte an einen strategischen Bieter zu veräußern und nicht an Finanzinvestoren.

Die EU hat nun bis Juni Zeit, die Pläne zu prüfen. Nach den neusten Wendungen in der unendlichen Geschichte Thyssen/Tata legte die Aktie zunächst zu, rutschte später aber wieder ab. “Die Chancen für ein Joint Venture dürften steigen, da Thyssenkrupp zufolge die Vorschläge reichten”, sagte ein Händler. “Der Markt scheint sich aber nicht ganz sicher in der Bewertung zu sein, ob das gut oder schlecht ist.”

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