June 15, 2020 / 9:39 AM / a month ago

Europäer wagen wieder Reisen unter Corona-Auflagen

Travelers are seen at the Tegel airport in Berlin, Germany, May 20, 2020, as the spread of the coronavirus disease (COVID-19) continues. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Die ersten Flugzeuge zur Urlaubsinsel Mallorca oder nach Griechenland heben wieder ab.

In Richtung Dänemark bildeten sich in Deutschland am Montag kilometerlange Staus. Nach drei Monaten Corona-Reisebann sind fast überall in Europa die Grenzen wieder offen. Die von der Pandemie hart getroffene Tourismusbranche schöpft Hoffnung, Milliardeneinbußen eindämmen zu können. “Nachdem das Geschäft von Reisebüros und Reiseveranstalter Mitte März mit der weltweiten Reisewarnung aufgrund von Corona komplett zum Erliegen gekommen ist, sehen wir jetzt, dass die Buchungen langsam wieder anziehen”, erklärte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig. Zuwächse gebe es vor allem bei Inlandsreisen, aber auch Ziele am Mittelmeer seien wieder gefragt.

Am Morgen startete in Düsseldorf der erste Flieger des Reisekonzerns TUI mit 165 Urlaubern an Bord nach Palma de Mallorca. Im Rahmen eines Pilotprojekts der Balearischen Inseln mit knapp 11.000 Gästen, ausschließlich aus Deutschland, soll getestet werden, wie Tourismus in Zeiten von Corona funktionieren kann. Hotels, Restaurants und Strände wurden nach Hygiene und Abstandsregeln darauf vorbereitet. “Wir haben uns in den vergangenen Wochen gut auf den Sommerurlaub vorbereitet, jetzt kann es losgehen”, sagte Vorstand Sebastian Ebel vom weltgrößten Tourismuskonzern TUI. Es werde wohl im Hotel ruhiger sein als sonst, sagte Urlauber Dieter Otto zu Reuters TV. “Am Strand wird es auch ruhiger sein. Aber es ist ein gutes Gefühl, dass es wieder losgeht und wir wieder reisen dürfen.”

Griechenland will Fluggäste, die aus Hochrisikogebieten kommen, testen und bei einer Infektion bis zu 14 Tage in Quarantäne schicken. Dazu zählen Großbritannien oder die Türkei. Touristen aus Schweden oder Großbritannien können wegen noch höherer Ansteckungsraten nicht überall hinreisen oder müssten zumindest nach Ankunft sofort in Quarantäne, so wie es umgekehrt im Vereinigten Königreich für Einreisende gilt.

MIT DEM AUTO ZUM FERIENHAUS

Wie eine Analyse des Hotel-Vergleichsportals Trivago und der Unternehmensberatung McKinsey ergab, stiegen die Buchungsanfragen in Deutschland in der ersten Juni-Woche um zwei Drittel gegenüber Mai an. Dabei zeige sich, dass längere Reisen von ein bis zwei Wochen bevorzugt werden. Suchanfragen danach lagen sogar 40 Prozent über Vorjahr. Kurztrips wie Städtereisen seien dagegen weniger gefragt als im Vorjahr. Viele Urlauber wollen wohl aus Sorge vor Ansteckungsgefahr im Flugzeug oder im Zug mit dem Auto reisen. Die deutschen Küstenregionen und das Nachbarland Österreich werden gegenüber den Mittelmeerzielen bevorzugt. Auffällig sei außerdem, dass die Nachfrage nach Ferienwohnungen stark gestiegen sei, da sich die Menschen dort weniger eingeschränkt fühlten als im Hotel.

Tourismus und Freizeit stehen für fast zehn Prozent der Wirtschaftsleistung in der EU. In den Mittelmeerländern ist der Anteil noch höher. Die Reisewirtschaft fürchtet weiter steigende Verluste, wenn die Regierung die bis Ende August geltende Reisewarnungen für Nicht-EU-Länder wie die Türkei oder Ägypten nicht auch bald aufhebt. Alleine von Mitte März bis Ende Juni gingen der Branche nach Berechnungen des DRV 10,8 Milliarden Euro Umsatz verloren. “Die Verlängerung der Reisewarnung für außereuropäische Länder bedeutet für Juli und August weitere neun Milliarden Euro Verlust”, sagte Fiebig.

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