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Unternehmensnachrichten

Lkw-Bauer MAN stellt 9500 Jobs in Frage

Flags of Germany's metalworkers' union IG Metall (IGM) are pictured past the IGM headquarters in Frankfurt May 3, 2012. Workers in Germany's engineering and metalworking sector aim to begin work stoppages after unions failed to agree with employers to raise wages by 6.5 percent. REUTERS/Ralph Orlowski(GERMANY - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT POLITICS CIVIL UNREST LOGO)

München (Reuters) - Der krisengeschüttelte Lkw- und Bus-Hersteller MAN will sich mit dem Abbau von bis zu 9500 Arbeitsplätzen von einem Viertel seiner weltweiten Belegschaft trennen.

Damit verschärft die seit langem renditeschwache Tochter der Volkswagen-Nutzfahrzeugholding Traton ihren Sparkurs deutlich. Betriebsrat und IG Metall kritisierten das Vorhaben scharf und kündigten scharfen Widerstand an. Das Vorhaben stelle fast jeden zweiten Arbeitsplatz in Deutschland und Österreich in Frage.

“Die derzeitigen Überlegungen umfassen den Abbau von bis zu 9500 Stellen in Deutschland und Österreich sowie weltweit über alle Unternehmensbereiche hinweg”, teilten MAN und Traton am Freitag nach Vorstandssitzungen mit. Bisher hatte MAN nach Angaben der Arbeitnehmervertretung den Abbau von bis zu 6000 Arbeitsplätzen geplant. MAN Truck & Bus beschäftigt weltweit 36.000 Menschen, davon rund zwei Drittel in Deutschland und Österreich. Dem Standort Steyr in Österreich, wo MAN mit 2200 Beschäftigten Lastwagen produziert, droht nach Angaben des Unternehmens sogar die Schließung. Ebenso stünden die kleineren Standorte Plauen und Wittlich in Deutschland zur Disposition.

Die neuen Chefs von MAN und Traton verschärfen den Sparkurs ihrer Vorgänger, die darüber im Streit mit den Arbeitnehmern gestürzt waren. “Wir stehen vor großen Herausforderungen durch den technologischen Wandel - bei Digitalisierung, Automatisierung und alternativen Antrieben”, erklärte MAN-Chef Andreas Tostmann. Sein Vorgänger Joachim Drees hatte im März angekündigt, MAN nach jahrelang schwachen Geschäften auf Vordermann zu bringen, um Geld für Investitionen frei zu machen. Nach heftigem Widerstand der Arbeitnehmer wurde auch Traton-Chef Andreas Renschler, einer der wichtigsten Manager im Volkswagen-Konzern, im Sommer von Matthias Gründler abgelöst.

MAN gilt nicht erst seit der Corona-Krise als Problemfall des Lkw-Geschäfts von Volkswagen, das der Konzern 2019 unter dem Namen Traton an die Börse gebracht hat. Zur Holding für schwere Nutzfahrzeuge gehören auch die profitablere Schwestermarke Scania, die ebenfalls Stellen abbaut, und eine Beteiligung am US-Lkw-Hersteller Navistar, mit der Traton im Geschäft in Nordamerika konkurrenzfähiger werden will. Erst am Donnerstag hatte Traton sein Angebot für die angestrebte Komplettübernahme von Navistar um 700 Millionen auf fast 3,6 Milliarden Dollar erhöht.

MAN, der den Traton-Konzern in der Corona-Krise tief in die roten Zahlen gerissen hat, will mit dem Sparpaket seine Kosten um 1,8 Milliarden Euro senken. Damit soll für das Jahr 2023 die operative Umsatzrendite, die zuletzt negativ war, auf acht Prozent hochgetrieben werden. Doch zunächst erwartet der Vorstand für den Stellenabbau einen Restrukturierungsaufwand in einem mittleren bis oberen dreistelligen Millionenbereich. Der Gesamtaufwand hänge von den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern ab. Der Vorstand wolle die Gespräche zeitnah aufnehmen.

Gewerkschaft und Betriebsrat kritisierten die Pläne ungewöhnlich scharf. “Die IG Metall wird es nicht hinnehmen, dass die Beschäftigten für Corona und für jahrelanges Miss-Management des Vorstands bestraft werden”, erklärte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der Vizechef des MAN-Aufsichtsrats ist. “Das sind Management-Konzepte von tief unten aus der Mottenkiste”, sagte Betriebsratschef Saki Stimoniaris. Er forderte den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und kündigte an, dem Vorstand eigene Vorstellungen zur Zukunft von MAN vorzulegen. Nach einer bisher geltenden Betriebsvereinbarung sind betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 ausgeschlossen. Ein Sprecher wollte sich am Freitag nicht dazu äußern, ob der Vorstand diese Vereinbarung in Frage stellt.

In der gesamten Fahrzeugbranche grassiert die Angst vor dem Verlust hunderttausender Arbeitsplätze. Mehrere Unternehmen wie Daimler, Audi, Continental oder Schaeffler haben umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt oder bereits umgesetzt.

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