September 3, 2018 / 3:23 PM / 19 days ago

Mehr als 1,3 Mrd. Dollar Hilfe für Tschadsee-Region erwartet

Berlin (Reuters) - Die Vereinten Nationen rechnen bei der Berliner Tschadsee-Konferenz mit Hilfszusagen von deutlich über einer Milliarde Dollar für die unter der Extremistenorganisation Boko Haram und dem Klimawandel leidende Region.

Germany's Foreign Minister Heiko Maas attends the High Conference on the Lake Chad Region in Berlin, Germany, September 3, 2018. REUTERS/Axel Schmidt

“Vergangenes Jahr in Oslo haben wir 672 Millionen Dollar an Zusagen erhalten”, sagte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Montag in Berlin. “Meine Erwartung ist: Wir werden das heute mehr als verdoppeln.” Außenminister Heiko Maas warnte vor einem Rückfall der Region in die Gewalt. “Gerade in letzter Zeit häufen sich die Anschläge auf Sicherheitskräfte, auf Märkte, Moscheen und Kirchen”, sagte er. Die internationale Gemeinschaft müsse zusammenstehen, damit die Region, die eigentlich eine wirtschaftliche Drehscheibe zwischen dem Afrika nördlich und südlich der Sahara sei, nicht zu einem Drehkreuz für Terror, Kriminalität und Menschenschmuggel werde.

Lowcock erklärte, dank der bei der Vorgängerkonferenz in Oslo gesammelten Gelder sei in der Tschadsee-Region eine Hungersnot verhindert worden. Die Krise sei aber längst nicht vorbei. Noch immer seien Millionen Menschen auf Hilfe zum Überleben angewiesen. “Es ist nicht ausreichend, einfach lebensrettende Hilfe zu leisten”, mahnte er. “Wenn wir nicht dauerhaft bezahlen wollen, müssen wir für eine Lösung sorgen.” Es gehe darum, langristig für eine Entwicklung der Region zu sorgen. Positiv sei, dass ein größerer Teil der neuen Zusagen auf langfristige Hilfe zielten.

“KOSTEN DURCH SICHERHEITSKRISE SIND VIEL HÖHER”

Die Krise in der Region sei nicht nur durch die Islamisten von Boko Haram ausgelöst worden, sagte der Chef des UN-Entwicklungsprogrammes UNDP, Achim Steiner. Boko Haram sei vielmehr selbst Ergebnis der Probleme vor Ort, wo die Nationalstaaten oft nicht einmal einfachste Leistungen wie Strom- und Gesundheitsversorgung bereitstellten. Der Frust darüber öffne der Radikalisierung Tür und Tor. “Die Kosten, um eine Sicherheitskrise zu bekämpfen, sind um ein Vielfaches höher als für ein humanitäres Eingreifen”, sagte Steiner.

In der Tschadsee-Region leben schätzungsweise rund 50 Millionen Menschen. Seit 1963 ist der Tschadsee auf ein Zwanzigstel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft, viele Nomaden finden kein Futter mehr für ihre Tiere. Die zweitägige Konferenz in Berlin will die Aufmerksamkeit auf die Krisenregion lenken, Hilfszusagen einwerben und nach Möglichkeiten suchen, wie die Gegend, die Teile Nigerias, Nigers, Kameruns und des Tschad umfasst, langfristig eine Entwicklungsperspektive bekommen kann. Knapp elf Millionen Menschen in dem Gebiet sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Etwa 17 Millionen Menschen wohnen in Gegenden, die stark von den Angriffen und Anschlägen von Boko Haram betroffen sind. Etwa 2,4 Millionen Menschen leben als Binnenflüchtlinge im eigenen Land.

China schnürte unterdessen ein neues Hilfspaket für den ganzen afrikanischen Kontinent aus Zuschüssen, zinslosen Darlehen und Importhilfen. Es bietet Afrika für die kommenden drei Jahre erneut eine Finanzspritze von 60 Milliarden Dollar (51,7 Milliarden Euro) an. “Die Kooperation muss Chinesen und Afrikanern greifbare Vorteile und Erfolge bringen”, sagte Präsident Xi Jinping beim Gipfel mit afrikanischen Staats- und Regierungschefs in Peking.

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