July 30, 2019 / 2:24 PM / a month ago

Mutmaßlicher Mörder von Frankfurt war in Schweiz zur Festnahme ausgeschrieben

Messages of mourning, candles and flowers are placed by people for an eight-year-old boy who was pushed by a man in front of an oncoming train and died at the main train station in Frankfurt, Germany, July 30, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski

Berlin/Zürich (Reuters) - Der mutmaßliche Mörder vom Frankfurter Hauptbahnhof war in der Schweiz zur Festnahme ausgeschrieben.

Der 40 Jahre alte Mann aus Eritrea habe vergangene Woche eine Nachbarin bedroht und seine Frau und seine drei Kinder eingesperrt, erläuterte die Zürcher Kantonalpolizei am Dienstag. Der Mann sei zuvor nicht auffällig gewesen, habe sich aber in psychiatrischer Betreuung befunden. Dem Eritreer wird vorgeworfen am Montag einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE gestoßen zu haben. Der Junge kam dabei ums Leben. Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte Konsequenzen für die Sicherheit an Bahnhöfen an.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft beantragte am Dienstag einen Haftbefehl. Der Mann werde wegen Mordes und zweifachen Mordversuches noch im Tagesverlauf dem Haftrichter vorgeführt, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen. Der Mann schweige bislang zu der Tat. Täter und Opfer hätten sich nicht gekannt. Ein Test habe zudem ergeben, dass der Mann keinen Alkohol getrunken habe. Es gebe auch keine Hinweise auf Drogen. Neben dem Achtjährigen soll er auch dessen Mutter auf das Gleisbett gestoßen haben, die Frau konnte sich aber retten. Auf der Flucht habe er zudem eine 78 Jahre alte Frau gestoßen, die dabei leicht verletzt wurde. Vor dem Bahnhof wurde er schließlich festgenommen.

In Berlin teilte der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, mit, der Mann sei 2006 unerlaubt in die Schweiz eingereist und habe 2008 Asyl gewährt bekommen. Mittlerweile habe er eine “Niederlassungsbewilligung”, sei lange einer festen Arbeit nachgegangen und gut integriert gewesen, “aus Sicht der Behörden vorbildlich”. Nach Angaben der Zürcher Polizei war der Mann wegen psychischer Probleme krankgeschrieben und habe unter anderem deswegen seit Anfang 2019 nicht mehr gearbeitet.

Eine Verbindung zu der Tat im hessischen Wächtersbach, wo ein Deutscher offenbar aus rassistischen Motiven einen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt und sich anschließend selbst getötet hatte, sieht die Frankfurter Staatsanwaltschaft derzeit nicht. Das Motiv ist bislang unklar. Die Schweizer Behörden erklärten, bei einer Hausdurchsuchung seien keine Hinweise auf eine Radikalisierung oder Ideologisierung gefunden worden.

Bundesinnenminister Seehofer kündigte nach dem Vorfall Konsequenzen an. Es sei “unmöglich, nach einem solchen Mord einfach zur Tagesordnung überzugehen”, sagte Seehofer in Berlin. Erforderlich seien vor allem eine größere Polizeipräsens und mehr Videoüberwachung an Bahnhöfen. Es gebe 5600 Bahnhöfe in Deutschland mit völlig unterschiedlicher Struktur, was zeige, um welch komplexe Aufgabe es sich dabei handele. Er werde daher ein Spitzengespräch seines Ministeriums mit dem Verkehrsministerium anberaumen, um erforderliche Schritte zu erarbeiten. Dies erfolge aber nicht in dem Irrglauben, totale Sicherheit zu erreichen. Gefragt nach den Folgen für die Flüchtlingspolitik sagte Seehofer, die Bundesregierung sei auch weiterhin bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Daran ändere der Vorfall vom Montag nichts.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below