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Unternehmensnachrichten

Google zahlt Verlagen weltweit 1 Mrd Dollar für journalistische Inhalte

FILE PHOTO: After the company announced it would extend its coronavirus work-from-home order until summer 2021, a Google sign is shown at one of the company's office complexes in Irvine, California, U.S., July 27, 2020. REUTERS/Mike Blake/File Photo

Brüssel/Berlin (Reuters) - Der US-Technologieriese Google will Verlagen weltweit in den nächsten drei Jahren mehr als eine Milliarde Dollar für journalistische Inhalte zahlen.

Das Projekt Google News Showcase starte zunächst in Deutschland und Brasilien und solle künftig auf andere Länder wie Argentinien, Australien, Großbritannien, Kanada, Belgien, die Niederlande und Indien ausgeweitet werden, teilte Google-Zentraleuropachef Philipp Justus am Donnerstag in einem Blogeintrag mit. Beteiligt sind 20 deutsche Medien, darunter die Magazine “Spiegel” und “Stern” und die Zeitungen “WAZ”, “Faz”, “Zeit” und “Tagesspiegel”.

Googles Schritt gilt für viele in der Branche als Kehrtwende. Denn der größte Suchmaschinenbetreiber liegt seit längerem im Clinch mit einigen Verlagen. Medienhäuser wie der “Bild”-Herausgeber Axel Springer hatten sich in den vergangenen Jahren vor Gericht um einen finanziellen Gegenwert für die Veröffentlichung von Pressetexten im Internet durch Google gestritten. Google hat Zahlungen bisher abgelehnt und argumentiert, dass die Verlage letztlich dank Google durch höhere Nutzerzahlen auf ihren Seiten mehr Werbeerlöse erzielen. Diese Verlage hatten zudem vor Gericht einen Rückschlag erlitten, weil das deutsche Leistungsschutzrecht gekippt wurde. Allerdings muss das neue europäische Urheber- und Leistungsschutzrecht in Deutschland bis Mitte 2021 in nationales Recht umgesetzt werden.

Der Bundesverband der Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) sprach von einer “Geldausschüttung an Verlagshäuser nach Gutsherrenart”. “Es drängt sich der Verdacht auf, dass Google offenbar lieber ein eigenes Angebot lanciert, bei dem es die Teilnahmebedingungen diktieren kann, anstatt Recht und Gesetz in der EU anzuerkennen.” Kritik kam auch vom Europäischen Verlegerrat EPC. “Indem sie ein Produkt auf den Markt bringen, können sie (Google) Bedingungen vorgeben, Gesetze untergraben, die die Bedingungen für faire Verhandlungen schaffen sollen, und gleichzeitig behaupten, dass sie zur Finanzierung der Nachrichtenproduktion beitragen”, sagte EPC-Expertin Angela Mills Wade. Die VG Media, die sich mit Google bereits vor Gericht gestritten hat, monierte, Google versuche “eine transparente und für alle marktteilnehmenden Presseverleger nachvollziehbare Preisbildung für Presseinhalte und die Rechte an diesen zu verhindern”.

Am Projekt teilnehmende Verlage reagierten durchweg positiv. “Mit News Showcase und der neuen Einbindung redaktioneller Inhalte wie vom Spiegel zeigt Google, dass es ihnen ernst ist mit der Unterstützung von Qualitätsjournalismus in Deutschland”, sagte Stefan Ottlitz, Geschäftsführer des “Spiegel-Verlags”. “Tagesspiegel”-Geschäftsführer Farhad Khalil sieht viele Vorteile für die Verlage und betonte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters: “Google ist einer wichtigsten Kanäle, um neue Leser zu gewinnen.” Ein anderer Manager macht deutlich, dass die Medienhäuser von der Marktmacht des Suchmaschinenbetreibers profitieren könnten. “Wir erreichen viel mehr Menschen, die wir sonst nie erreicht hätten.”

Bei Google News Showcase werden ausgewählte Artikel der Verlage in sogenannten Story-Panels aufgelistet. Zunächst sind sie in den Google News auf Android-Geräten sichtbar, später folgen Google Discover, Google News auf iOS sowie die normale Google Suche. Der US-Konzern kündigte auch an, Artikel aus kostenpflichtigen Angeboten einzelner Verlage zu kaufen, um sie den Lesern kostenlos anbieten zu können. Es gehe insgesamt nicht nur um eine finanzielle Förderung für Verlage, sondern auch um eine neue Form, journalistische Inhalte zugänglich zu machen, erklärte Google. “Es ist Googles bislang weitreichendster Schritt, um die Zukunft des Journalismus zu unterstützen.”

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