March 12, 2020 / 8:28 AM / 23 days ago

Wirtschaft leidet unter Virus-Krise - "Rezession im Zeitraffer"

Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. Picture taken May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic

Berlin (Reuters) - Die schlechten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft wegen der Coronavirus-Pandemie reißen nicht ab.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet 2020 das erste Rezessionsjahr seit der Finanzkrise 2009. Mehr als jedes zweite Unternehmen leidet bereits unter den Folgen der Krise. Maschinenbauer und Chemieverband senkten ihren ohnehin pessimistischen Ausblick.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte in diesem Jahr um 0,1 Prozent schrumpfen, sagte das IfW am Donnerstag voraus. Bislang war das Institut von einem Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen. “Die Verbreitung des Coronavirus wird sich in erheblichem Maße auf die Konjunktur in Deutschland auswirken”, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. “Absehbar ist bereits, dass der Außenhandel in den kommenden Monaten deutlich in Mitleidenschaft gezogen werden wird.” Aber auch die Binnenkonjunktur komme nicht ungeschoren davon. “So werden sich die privaten Haushalte wohl insbesondere bei Freizeitaktivitäten zurückhalten, um eine Ansteckung zu vermeiden”, sagte Kooths. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hält ein Wachstum von 0,6 Prozent für möglich - aber nur dann, wenn “die Epidemie in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften noch zeitnah eingedämmt werden kann”.

Für 2021 rechnet das IfW mit einer kräftigen Belebung. Dann dürfte das BIP auch aufgrund einer Nachholwirkung um 2,3 Prozent zulegen. “Die Prognose unterliegt einer erheblichen Unsicherheit und beruht auf der für uns zum Zeitpunkt der Erstellung wahrscheinlichsten Annahme, dass die Pandemie zur Mitte des Jahres abflaut und es danach zu spürbaren wirtschaftlichen Aufholeffekten kommt”, sagte Kooths. “Das wäre dann eine Rezession im Zeitraffer.”

56,2 Prozent der Unternehmen spüren derzeit negative Auswirkungen, wie eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter knapp 3400 Firmen in Industrie und Handel sowie bei Dienstleistern ergab. Am schlimmsten ist demnach die Lage bei den Reiseveranstaltern und Reisebüros: Hier sind fast 96 Prozent betroffen. Im Gastgewerbe sind es 79 Prozent. Es gibt auch einige wenige Gewinner: Von einer positiven Auswirkung berichten 2,2 Prozent.

“AUSBREITUNG WIRFT UNS SPÜRBAR ZURÜCK”

Für den als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltenden Maschinenbau mit über einer Million Beschäftigten sieht es wegen des grassierenden Coronavirus noch schlechter aus als erwartet. Der Branchenverband VDMA senkte seine Prognose für 2020 und erwartet nun einen Rückgang der Produktion um fünf Prozent statt um zwei Prozent. “Die Ausbreitung des Coronavirus wirft uns spürbar zurück”, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. Selbst wenn sich die Lage im zweiten Halbjahr entspannen sollte, seien die zusätzlichen Rückgänge in diesem Jahr nicht mehr wettzumachen.

Die Krise trifft auch die Chemiebranche mit Wucht. Nachdem bereits Branchenprimus BASF vor den Folgen der Epidemie warnte, senkt nun auch der Verband der chemischen Industrie (VCI) seine Ziele für 2020. “Der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie steht ein weiteres schwieriges Geschäftsjahr bevor”, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup in Frankfurt. “Eine schwache Nachfrage aus China und mögliche Lieferausfälle von Vorprodukten erhöhen die Unsicherheiten.” Das Virus sei ein “gravierendes Risiko für die Weltwirtschaft”. Für 2020 rechnet der VCI nun mit einem Rückgang der chemisch-pharmazeutischen Produktion von 1,5 Prozent. Im Dezember war der Verband noch von einem Anstieg von 0,5 Prozent ausgegangen.

Größte Bremsspuren am Arbeitsmarkt erwarten die IfW-Forscher ungeachtet der trüben Konjunktur aber nicht. Die Arbeitslosenquote dürfte mit rund fünf Prozent nahezu unverändert bleiben. Dagegen dürfte der Staatshaushalt stärker in Mitleidenschaft gezogen werden. “Die Folgen des konjunkturellen Abschwungs der Vorjahre, die durch die Corona-Krise bedingte Beeinträchtigung der Konjunktur und verschiedene finanzpolitische Maßnahmen belasten das Budget im laufenden Jahr deutlich”, hieß es dazu. Der Überschuss dürfte 2020 nur noch bei 11,3 Milliarden Euro liegen nach fast 50 Milliarden im vergangenen Jahr. 2021 soll dann ein Defizit von fast fünf Milliarden Euro zu Buche schlagen.

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