May 4, 2020 / 11:49 AM / a month ago

Länder lockern schon vor Gipfel mit Bund Corona-Auflagen

Typical German Currywurst (curried sausage) is pictured in Berlin, Germany, September 3, 2019. Picture taken September 3, 2019. REUTERS/Hannibal Hanschke

Berlin (Reuters) - Kurz vor dem neuen Gipfel mit der Bundesregierung zur Lockerung von Corona-Auflagen preschen einige Länder vor.

Angesichts geringer Neuinfektionsfälle entschieden Sachsen-Anhalt und am Montag auch Niedersachsen, Einschränkungen fallenzulassen. Ab nächste Wochen sollen so Cafes und Restaurants in dem Küstenland mit Auflagen wieder öffnen können. Sachsen-Anhalt erlaubt sogar Treffen von bis zu fünf Menschen wieder. “In Bayern sind die Infektionszahlen pro 100.000 Einwohner fünf mal höher als bei uns”, begründete Ministerpräsident Reiner Haseloff dies. Die Regelung, Läden nur unter 800 Quadratmeter zu öffnen, ist bereits von mehreren Ländern gekippt worden. Regierungssprecher Steffen Seibert reagierte gelassen: Wichtig sei die gemeinsame Strategie. Regional könne es besondere Akzente geben. Im Mittelpunkt beim Bund-Länder-Gespräch am Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel werde der Umgang mit Schulen, Kitas und Sport stehen.

Über das Feiertagswochenende lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen erstmals seit zwei Monaten unter 1000. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte erklärt, unter der Schwelle könnten die Gesundheitsämter Infektionsketten wohl nachverfolgen und Betroffene isolieren. Das gebe Raum für Lockerungen der Auflagen. Das Institut wies aber daraufhin, dass die Zahlen wegen des Wochenendes unvollständig seien.

REGIONALE INFEKTIONSZAHLEN TEILS EINSTELLIG

Die vergleichsweise niedrigen Zahlen der vorigen Woche trotz erster Lockerungen führen dazu, dass in bestimmten Regionen kaum noch Neuinfektionen auftreten. So gebe es etwa im Altmarkkreis in Sachsen-Anhalt, der so groß wie das Saarland sei, noch drei Infizierte, sagte Ministerpräsident Haseloff im Deutschlandfunk: “Da kann ich nicht vermitteln, dass sich Menschen, die sich dort am Gartenzaun treffen, nicht miteinander reden dürfen.” Unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte das Vorpreschen Sachsen-Anhalts kritisiert, da es nicht abgestimmt und angekündigt worden sei.

In Niedersachsen sollen Restaurants und Cafes ab dem 11. Mai schrittweise wieder öffnen können. Vorerst sei nur eine Auslastung von höchstens 50 Prozent erlaubt, schränkte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann(CDU) ein. Die Landesregierung stellte einen Fünf-Stufen-Plan vor, der auch für Hotels und die Vermietung von Ferienwohnungen eine schrittweise Öffnung vorsieht.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet sagte, die Länder würden voraussichtlich Freiheiten nach den Gesprächen mit dem Bund bekommen. Er gehe davon aus, dass die Länder “selbst bestimmen können, zu welchem Zeitpunkt was startet.” Er hoffe, dass es bis zu dem Gespräch mit Merkel keine Alleingänge geben werde. “Ab Mittwoch wird dann jedes Land für sich definieren müssen, wie Kitas und Schulen wieder starten können”, fügte er hinzu. Dann würden Stufenpläne für die Rückkehr in eine verantwortungsvolle Normalität benötigt.

Nordrhein-Westfalen war neben Bayern als erstes Bundesland von größeren Infektionszahlen betroffen. Im Landkreis Heinsberg kam es nach einer Karnevalssitzung zu einer frühen und massenhaften Ausbreitung des Erregers. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn kamen nach einer Studie dort zu dem Schluss, in Deutschland könne es eine Dunkelziffer von womöglich rund 1,8 Millionen Infizierten geben. Sie wäre damit mehr als zehn mal größer als die Gesamtzahl der offiziell gemeldeten Fälle, die am Montag bei 163.175 lag.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck untersuchte, wie sich das Virus in der Gemeinde Gangelt ausgebreitet hat, die als Infektionsherd gilt. Die endgültigen Ergebnisse der Studie bestätigten ihm zufolge, dass die Sterblichkeit in Gangelt bei 0,37 Prozent lag. Mit ihr könne auch für andere Orte abgeschätzt werden, wie viele Menschen dort insgesamt infiziert seien. Der Abgleich dieser Zahl mit der der offiziell gemeldeten Infizierten führe zur Dunkelziffer. Diese sei in Gangelt rund fünffach höher als die offiziell gemeldete Zahl der positiv Getesteten. Auf Basis von fast 6700 Corona-Todesfällen in Deutschland ergäbe sich so eine geschätzte Dunkelziffer von rund 1,8 Millionen Infizierten, rechneten die Forscher vor. In Gangelt hatten sich der Studie zufolge rund 15 Prozent der Einwohner bei dem Virus-Ausbruch infiziert.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below