March 16, 2020 / 9:59 AM / 13 days ago

Wegen Virus erstmals seit 2009 wieder mehr Pleiten erwartet

A general view of Pariser Platz and Brandenburg Gate in Berlin, Germany, March 13, 2020. REUTERS/Annegret Hilse

Berlin (Reuters) - Die Zahl der Firmenpleiten wird nach Prognose des Verbandes der Insolvenzverwalter (VID) in diesem Jahr wegen der Folgen der Coronavirus-Epidemie zum ersten Mal seit der Finanzkrise zunehmen.

“Es wird erstmals seit 2009 einen Anstieg geben, und der wird deutlich sein”, sagte der VID-Vorsitzende Christoph Niering am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. “Nach jahrelangem Rückgang der Zahlen rechne ich mit einer Zunahme im zweistelligen Prozentbereich.” 2019 gab es nach Daten des Statistischen Bundesamtes trotz Konjunkturflaute einen Rückgang der Firmenpleiten um 2,9 Prozent auf 18.749 - den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Im Krisenjahr 2009 hatte es einen Anstieg um 11,6 Prozent gegeben.

“Es gibt nicht nur die unmittelbar betroffenen Branchen, etwa im Tourismus-, Hotel- und Messebereich”, sagte der Experte. Auch indirekt betroffene Firmen kämen unter die Räder - etwa die Taxiunternehmen, die keine Aufträge mehr bekommen. “Die Krise wird sich durchfressen”, sagte Niering. “Treffen wird es vor allem Unternehmen, die ohnehin schwach aufgestellt sind mit Umsatzrenditen von zwei bis drei Prozent.” Ihnen dürften auch die in Aussicht gestellten staatlichen Stützen am Ende nicht helfen. “Die besten staatlichen Programme werden nicht alle Unternehmen retten”, sagte der VID-Chef.

“HAT SCHON IN DER FINANZKRISE GEHOLFEN”

Die Bundesregierung hat bislang unter anderem die Hürden für Kurzarbeit gesenkt. Unternehmen zusätzlich dadurch entlastet, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) auch ihre Sozialausgaben für Kurzarbeiter vollständig übernimmt. “Die Politik hat genau das Richtige gemacht - vor allem mit der Ausweitung des Kurzarbeitergeldes”, sagte Niering, der seit mehr als 25 Jahren als Insolvenzverwalter, Sachwalter und Sanierungsberater tätig und mehr als 2000 Insolvenzverfahren betreut hat. “Das hat schon in der Finanzkrise geholfen.”

Auch Liquiditätshilfen für Unternehmen wird es geben. “Billige Kredite können nicht immer helfen”, sagte der VID-Vorsitzende. “Viele Unternehmen werden ihre Umsatzausfälle über Jahre nicht kompensieren können und auch die günstigsten Kredite nicht einfach zurückzahlen können.” Nachgedacht werden sollte über Beihilfen. Wie bei Flutopfern könnten Pauschalbeträge gezahlt werden, um das Notwendigste abzudecken.

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