March 24, 2020 / 7:29 AM / 12 days ago

Ratingagentur - Deutschland droht keine Herabstufung wegen Krise

The window lights of a hotel are illuminated in the shape of a heart after German Chancellor Angela Merkel addressed the nation on the consequences of the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Frankfurt, Germany, March 22, 2020. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Berlin (Reuters) - Die Ratingagentur Scope hält ungeachtet des drohenden Konjunktureinbruchs und der Milliardenoffensive des Bundes gegen dessen Folgen an der höchsten Bonitätsnote für Deutschland fest.

“Deutschland droht trotz der Virus-Krise keine Herabstufung”, sagte Analyst Bernhard Bartels am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Scope bewertet die Bonität ebenso wie die anderen Ratingagenturen mit der Bestnote “AAA”. Im Falle einer Herabstufung könnten Investoren einen höheren Risikoaufschlag verlangen, wenn sie dem deutschen Staat Geld leihen, was wiederum für den Bund mehr Zinskosten verursachen würde.

Die Spitzennote wanke selbst dann nicht, wenn die Wirtschaftsleistung um 20 Prozent einbrechen sollte. “Die Bundesrepublik hat im europäischen Vergleich einen großen Spielraum, auch wegen der soliden Finanzpolitik der vergangenen Jahre”, führte Bartels aus. “Die ergriffenen Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft sind entsprechend richtig und wichtig. Es braucht jetzt einen sehr starken Impulsgeber, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise zu begrenzen.”

Im günstigsten Fall steige der deutsche Schuldenstand in diesem Jahr um etwa sechs Punkte auf 65 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. “Diese Prognose gilt für das Szenario, dass der Lockdown Mitte April wieder aufgehoben wird”, sagte Bartels. Je länger der aber andauere, desto stärker schrumpfe die Wirtschaft und desto höher steige der Schuldenstand. Scope geht dann eher von 75 Prozent am Jahresende aus. “Aber selbst bei einer solchen Verschuldung sehe ich im Moment keine Folgen für das Kreditrating”, sagte Barthels. “Ich rechne mit einer kräftigen konjunkturellen Erholung mit steigenden Steuer- und Beitragseinnahmen im zweiten Halbjahr, wenn der Lockdown nicht monatelang anhält.”

“WEITER SICHERER HAFEN”

Für den Erhalt des “AAA”-Ratings spreche auch, dass sich Deutschland auch in Krisenzeiten sehr günstig am Kapitalmarkt refinanzieren könne. Für die zehnjährige Bundesanleihe liegt der Zins derzeit bei rund minus 0,2 Prozent, für die vergleichbare italienische Staatsanleihe hingegen bei plus 1,6 Prozent. “Bundesanleihen können von Investoren weiter als sicherer Hafen angelaufen werden, die Nachfrage wird hoch bleiben”, sagte Barthels. Deutschland verfüge zudem über geschätzt 200 Milliarden Euro an Barreserven. “So kann etwa das erweiterte Kurzarbeitergeld zunächst fast ausschließlich aus den gut gefüllten Kassen der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden”, sagte der Experte. “Diese Transfers steigern die Verschuldung erst einmal nicht.”

Auf dem Spiel könnte das Spitzenrating “AAA” nach Prognose von Scope in einigen Jahren aus einem anderen Grund stehen. “Eine Herausforderung für das Rating kann auf mittlere Sicht die Entwicklung der Demografie werden”, sagte Barthels. “Mit dem Renteneintritt der Baby-Boomer Generation drohen deutlich steigende Belastungen, die sich langfristig negativ auf das Rating auswirken können.”

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