June 22, 2020 / 5:15 AM / 20 days ago

"R"-Faktor in Deutschland steigt deutlich über kritische Marke

Members of the medical staff in protective suits are reflected in a mirror during treatment of a patient suffering from the coronavirus disease (COVID-19) in an intensive care unit at Havelhoehe community hospital in Berlin, Germany, April 20, 2020. Picture taken April 20, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Der Virus-Reproduktionsfaktor “R” in Deutschland ist über das Wochenende auch wegen des Corona-Ausbruchs auf einem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen deutlich über den kritischen Wert von “1” angestiegen.

Das eher auf kurzfristige Änderungen reagierende “4-Tage-R”” werde nun auf 2,88 geschätzt, das ausgeglichenere “7-Tage-R” auf 2,03, hieß es am Sonntagabend im täglichen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts, 100 Infizierte stecken damit rechnerisch im Schnitt 288 beziehungsweise 203 neue Personen an und die Zahl der Erkrankten insgesamt nimmt zu. Bereits am Samstag hatte es einen deutlichen Anstieg gegeben: Das “4-Tage-R” wurde auf 1,79 und das “7-Tage-R” auf 1,55 geschätzt. Am Mittwoch lag die 7-Tages-Rate noch bei 0,89. Das RKI führte die Entwicklung vor allem auf lokal begrenzte Ausbrüche zurück.

Ziel ist ein Wert von unter 1, weil dann die Zahl der Infizierten rechnerisch sinkt. Das ist auch mit Blick darauf wichtig, ob Lockerungen ausgeweitet oder wieder zurückgenommen werden müssten.

Da die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, beeinflussen die lokalen Ausbrüche den Wert der Reproduktionszahl relativ stark, erklärte das RKI. “Die weitere Entwicklung muss in den nächsten Tagen beobachtet werden, insbesondere in Bezug auf die Frage, ob es auch außerhalb der beschriebenen Ausbrüche zu einem Anstieg der Fallzahlen kommt.”

Die Zahl der neu Infizierten stieg nach Angaben des Instituts am Sonntag um 687 nach 601 am Samstag. Sie beträgt insgesamt nun 189.822. Die Zahl der Verstorbenen ging am Sonntag um eine Person zurück auf 8882. Wieso es hier zu einem Rückgang gegenüber dem Samstag kam, blieb zunächst offen.

Aktuell berichtete das RKI von einer hohen Zahl an Neu-Infektionen in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf sowie in Magdeburg und dem Berliner Stadtteil Neukölln. Der Anstieg in Gütersloh sei auf einen Ausbruch in einem fleischverarbeitenden Betrieb zurückzuführen, wo mehr als 1000 Mitarbeiter positiv getestet worden seien. Damit stünden auch die Zahlen in Warendorf im Zusammenhang, da Mitarbeiter der Firma ihren Wohnsitz in dem benachbarten Landkreis hätten. In Magdeburg gebe es einen Ausbruch, von dem mehrere jetzt geschlossene Schulen betroffen seien. In Neukölln gehe es um Fälle im Umfeld einer Glaubensgemeinschaft. Am Samstag hatte das RKI erklärt, ein bundesweiter Anstieg der Fallzahlen sei daraus bisher nicht abzuleiten.

Das Institut schaut sich bei der Beurteilung der Lage aber nicht nur den R-Wert an. Wichtig sind demnach auch die Zahl der Neuinfektionen im Tagesvergleich, die Zahl positiv ausgefallener Tests sowie die Be- und Auslastung des Gesundheitswesens. Am Sonntag hieß es, das RKI schätze die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland derzeit weiter insgesamt als “hoch” und für Risikogruppen als “sehr hoch” ein.

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