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Inlandsnachrichten

Spahn und Bayern setzen auf Schnelltests gegen Corona-Ausbreitung

German Health Minister Jens Spahn attends a news conference about a program to support the development of a coronavirus disease (COVID-19) vaccine in Berlin, Germany, September 15, 2020. Markus Schreiber/Pool via REUTERS

Berlin (Reuters) - Bund und Länder setzen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus massiv auf Schnelltests als Ergänzung zu den bisherigen Corona-Tests.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte am Dienstag den Ankauf von zehn Millionen Schnelltests an. Gesundheitsminister Jens Spahn will ab Oktober verstärkt Schnelltests vor allem für Reisende und in Pflegeeinrichtungen nutzen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet kündigte an, die Abstimmung der Teststrategien zwischen Bund und Ländern werde in der kommenden Woche Thema bei Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel. Die Luftfahrtbranche hofft darauf, dass der Einsatz von Tests das Vertrauen der Reisenden wieder bringen könnte. Die Lufthansa verhandelt mit dem Schweizer Pharmakonzern Roche über den Ankauf sogenannter Antigen-Tests, um das Kabinenpersonal testen zu können.

Söder wies in München nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts auf die stark steigende Corona-Infektionen in fast allen deutschen Nachbarstaaten hin. Er appellierte an die Fans von Bayern München, nicht zum Supercup-Spiel am Wochenende nach Budapest zu reisen. Ungarns Hauptstadt wurde als Risikogebiet eingestuft. Die Fans müssten auf jeden Fall nach der Rückkehr in Quarantäne.

Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag 1821 Neuinfektionen. Die Zahl der Todesfälle legte um zehn auf 9396 zu. Weil die Stadt München sehr stark betroffen ist, beschloss das bayerische Kabinett, die Corona-Maßnahmen für das Bundesland etwa für private Treffen zu verschärfen. Erlaubt sind bei privaten Treffen jetzt in Innenräumen nur noch 25 Personen, im Freien 50, sagte Söder. Er verwies darauf, dass auch bei Nicht-Einhaltung der ausgeweiteten Maskenpflicht Bußgelder verhängt würden. Laschet sagte, 95 Prozent der Bürger verhielten sich bei privaten Feiern verantwortlich. Für die übrigen müsse das Null-Toleranz-Prinzip gelten.

HOFFNUNG AUF SCHNELLTESTS

Schnelltests waren bisher nicht auf breiter Front eingesetzt worden, weil ihre Zuverlässigkeit als gering galt. Nun spricht man in Regierungskreisen von einer Trefferquote von rund 80 Prozent. Die Qualität der Schnelltests sei zwar noch nicht so gut wie die von normalen PCR-Tests, räumte Spahn ein. “Aber sie ist gut genug.” Deshalb sollten die Schnelltests ab Oktober eine sinnvolle Ergänzung in der nationalen Teststrategie werden. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwagner (Freie Wähler) sagte, man verfüge nun über genug bayerische Firmen, die diese Tests selbst herstellen könnten. Rund 100 Millionen Euro stünden für den Ankauf von zehn Millionen Tests bereit. Tests können Ergebnisse in rund 15 bis 20 Minuten liefern. Internationale Anbieter sind etwa Abbott Laboratories, Becton Dickinson & Co, Quidel Corp oder Roche. Auch die deutsche Qiagen hat einen solchen Test entwickelt.

Im Bund und den Landesregierungen wird vor allem daran gedacht, etwa Personal in Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen vor Arbeitsbeginn zu testen. Denkbar ist aber auch, dass sich Flugpassagiere vor Abflug testen lassen. Die Luftfahrtbranche befürwortet dies, weil sie hofft, dass diese Maßnahme den eingebrochenen Flugverkehr wieder etwas beleben und die Quarantäneregeln ersetzen könnte. “Für uns gibt es keine Alternative, die weniger herausfordernd oder effektiver ist”, sagte der Chef des Internationalen Luftfahrtverbandes IATA, Alexandre de Juniac. Reiseeinschränkungen und Quarantäneauflagen halten viele davon ab, zu fliegen.

Es sei bisher unklar, wie viel Schnelltests gebraucht werden und wie hoch die Kosten dafür ausfielen, hieß es in Regierungskreisen. Bund und Länder wollten bis zum 15. Oktober eine neue Teststrategie festlegen. Denkbar sei auch, dass Privatpersonen Schnelltests selbst zahlen müssten, wenn sie etwa zu Fußballspielen, ins Theater oder zu einem Besuch in ein Pflegeheim gingen, hieß es in Regierungskreisen. Teilweise könnten die Kosten auch auf Tickets aufgeschlagen werden.

Spahn und sein französische Kollege Olivier Véran sagten, Frankreich und Deutschland würden derzeit ähnlich viele Corona-Tests vornehmen. Véran sprach von 1,2 Millionen Tests pro Woche. Das Gesundheitsministerium in Berlin hatte von einer ähnlichen Zahl für Deutschland gesprochen, das allerdings erheblich mehr Einwohner hat.

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