July 15, 2020 / 8:36 AM / 19 days ago

Volksbanken erwarten Gewinneinbruch - 100.000 Kredite gestundet

Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. Picture taken May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic

Frankfurt (Reuters) - Die genossenschaftliche Bankengruppe stellt sich auf einen deutlichen Gewinnrückgang ein.

“Natürlich sind die Aussichten getrübt von Corona”, sagte Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Branchenverbands BVR, am Mittwoch. Ein wesentlicher Faktor sei eine erhöhte Vorsorge für faule Kredite. “Aber wir kommen auch von einem Niveau, wo wir gewisse Ausfälle verkraften können.” Deshalb werde die Gruppe, zu der neben den Volks- und Raiffeisenbanken unter anderem die Fondsgesellschaft Union Investment und die R+V Versicherung gehören, auch 2020 einen Gewinn vor Steuern erzielen. 2019 konnte sie das Vorsteuerergebnis um fast ein Drittel auf 10,2 Milliarden Euro steigern, nach Steuern blieben sieben Milliarden übrig.

Aktuell haben die Genossenschaftsbanken Kredite über 15,7 Milliarden Euro gestundet, die 98.700 Konten betreffen. “Das sind 2,7 Prozent des Kreditvolumens”, sagte BVR-Vorstand Gerhard Hofmann. Da das von der Bundesregierung in der Corona-Krise verhängte Moratorium Ende Juni ausgelaufen sei, gehe der Verband davon aus, dass die Banken sich jeweils bewusst mit den Kunden auf die Kreditstundung geeinigt hätten. Daher dürften diese Stundungen nur in geringem Ausmaß ausfallgefährdet sein. Zudem seien 96 Prozent der betroffenen Darlehen mit Immobilien besichert. Bislang habe die Gruppe auch nur vereinzelte Kreditausfälle und keine größeren Insolvenzen gesehen. Der BVR sieht auch keine Welle an faulen Krediten auf die Genossenschaftsbanken zukommen. “Wir sehen für unsere Bankengruppe nicht die massiven Ausfälle in den nächsten Jahren”, sagte Hofmann.

Wie bei anderen Geldhäuser stieg auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken die Kreditnachfrage in der Corona-Krise kräftig. “In den Monaten März bis Juni 2020 lagen bei den Genossenschaftsbanken die monatlichen Zuwächse der Darlehensbestände an Privat- und Firmenkunden um rund 40 Prozent über den Zuwächsen des Darlehensbestandes in den Monaten vor Corona”, sagte BVR-Präsidentin Marija Kolak. Insgesamt hätten die Institute seit Anfang März rund 17 Milliarden Euro mehr Darlehen vergeben. Auch die Nachfrage nach den staatlichen KfW-Hilfskrediten ist hoch. “Aktuell verzeichnen die Genossenschaftsbanken fast 30.000 KfW-Corona-Förderkreditanträge mit einem Antragsvolumen von 7,7 Milliarden Euro.”

Kolak forderte weitere Hilfen des Staates für die Unternehmen. “Wir sehen mit Blick auf den Mittelstand, dass von der Coronapandemie geschwächte Unternehmen zunehmend staatliche Unterstützung zur Stärkung ihres Eigenkapitals benötigen.”

Trotz der Belastungen durch die Corona-Krise wollen die genossenschaftlichen Institute im Herbst Dividenden für 2019 an ihre Mitglieder ausschütten. Dafür haben sie 403 Millionen Euro zurückgelegt. Die europäischen Bankenaufseher hatten die Geldhäuser wegen der drohenden Belastungen durch die Corona-Pandemie aufgerufen, zumindest bis Oktober keine Gewinne auszuschütten. Die EZB-Bankenaufseher erwägen derzeit eine Verlängerung des Dividenden-Stopps.

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