March 27, 2019 / 3:17 PM / 25 days ago

Amazon soll Volkswagen richtig ins Laufen bringen

Hamburg (Reuters) - Volkswagen will mit Hilfe des US-Technologieriesen Amazon seine Reserven mobilisieren und die Produktivität auf dem Weg zu einem Anbieter von Elektroautos steigern.

A Volkswagen logo is seen on a new car model at the 89th Geneva International Motor Show in Geneva, Switzerland March 5, 2019. REUTERS/Denis Balibouse

Die beiden Weltkonzerne gaben am Mittwoch eine mehrjährige Entwicklungskooperation bekannt, um eine “Industrie-Cloud” aufzubauen. In dieser sollen künftig die Daten aller Maschinen, Anlagen und Systeme aus weltweit allen 122 Fabriken des VW-Konzerns zusammengeführt werden. Auch die mehr als 1.500 Lieferanten und Partnerfirmen mit über 30.000 Standorten sollen langfristig in der Cloud integriert werden. Zudem wollen die Wolfsburger die Cloud-Plattform für andere Automobilhersteller zugänglich machen. So entstehe eine stetig wachsende, weltweite industrielle Plattform, teilte VW mit.

“Wir werden die Produktion als Wettbewerbsfaktor für den Volkswagen-Konzern weiter stärken”, sagte Porsche-Chef Oliver Blume, der im Konzernvorstand für Produktion zuständig ist. Hinter allem steht der Druck, binnen weniger Jahre Elektroautos massenhaft zu günstigen Preisen auf den Markt zu bringen, um die schärferen Vorgaben zur Senkung des Klimagifts Kohlendioxid zu erfüllen.

Mit der Cloud erhalte Volkswagen eine Übersicht über die Abläufe und könne so Gründe für Verzögerungen in der Produktion früh aufspüren. Prozessverbesserungen können auf alle Werke übertragen werden. Die Wolfsburger Zentrale bekomme so vollständige Transparenz über die gesamte Lieferkette. Bisher arbeiten die Werke in vielen Ländern mit unterschiedlichen Software-Systemen, die Transparenz kaum erlauben.

RIESIGE POTENZIALE

“Die Potenziale müssen riesig sein”, glaubt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. “Wenn man sich vor Augen hält, was in viel kleineren Organisationen durch zu lange Informationswege und ungenügende Informationsqualität verloren geht.” Volkswagen habe sich lange gegen eine Zusammenarbeit mit den Tech-Giganten aus den USA gewehrt. Diess’ Vorgänger Martin Winterkorn oder gar Ferdinand Piëch könne man sich als Partner von Amazon-Chef Jeff Bezos “wirklich schwer vorstellen”, fügt Pieper hinzu. Diess dagegen veröffentlichte auf dem Internetportal LinkedIn ein Selfie, das ihn zusammen mit Bezos zeigt. Darüber berichtete als erste die “Süddeutsche Zeitung”.

Das Sparpotenzial durch die Kooperation mit der Amazon-Tochter Web Services sei schwer einzuschätzen, sagt Pieper. Die Dimensionen würden aber klarer, wenn man nur von ein bis zwei Prozent der Gesamtkosten ausgehe. Dann sei man schon bei bis zu vier Milliarden Euro.

Sein Kollege Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI schätzt die Vorteile der Allianz ähnlich ein: “Volkswagen besticht von jeher durch mangelhafte Synergien und Working Capital Management. Falls Amazon es schafft, den VW-Ingenieuren auf die Sprünge zu helfen, kann man das nur begrüßen.”

“ZU KOMPLEX”

“Die Komplexität in der Produktion bei Volkswagen ist hoch”, sagt Autoprofessor Stefan Bratzel. “Wenn man die Werke auf den gleichen Stand bringt, was ja die Idee dahinter ist, und daraus Synergien heben kann, dann geht es potenziell um sehr viel Geld.” Mit den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz, die in der Kooperation mit Amazon ebenfalls eingesetzt werden soll, wären die Effekte noch größer. “Und die sind bei dem weltgrößten Autobauer enorm”, schätzt Bratzel.

Der Wissenschaftler, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet, hält aber noch einen anderen Aspekt für wichtig: Wenn Volkswagen seine Produktivität steigere und E-Autos zu niedrigen Kosten produzieren könne, setze das die Konkurrenz unter Druck. “Das ist für mich ein Transmissionsriemen für die Konsolidierung, die wir im Moment in der Branche haben.” Der französische Autobauer Renault etwa nimmt einem Zeitungsbericht zufolge Übernahmen ins Visier. Innerhalb eines Jahres sollten Fusionsgespräche mit dem japanischen Partner Nissan aufgenommen werden, danach wolle Renault Übernahmen eines weiteren Autobauers ins Auge fassen, möglicherweise Fiat Chrysler, berichtete die “Financial Times”. Auch über einen möglichen Zusammenschluss der französischen Opel-Mutter PSA mit Fiat Chrysler wird in der Branche spekuliert.

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