August 1, 2018 / 6:40 AM / in 16 days

Absatzplus treibt Gewinn von Volkswagen auf Rekordhöhe

Wolfsburg (Reuters) - Volkswagen hat den Betriebsgewinn dank eines deutlich höheren Absatzes kräftig gesteigert.

Mechanic staff work on the production line of Volkswagen e-Golf in the Glaeserne Manufaktur plant in Dresden, Germany May 8, 2018. REUTERS/Matthias Rietschel

Der operative Gewinn vor Sondereffekten kletterte im zweiten Quartal um 22,7 Prozent auf knapp 5,6 Milliarden Euro, wie der Wolfsburger Konzern am Mittwoch mitteilte. Damit übetraf der Gewinn selbst besonders optimistische Erwartungen. Im Schnitt hatten von Reuters befragte Experten mit einem Betriebsergebnis von knapp fünf Milliarden Euro gerechnet. Der Konzernumsatz stieg deutlich langsamer um 3,4 Prozent auf gut 61 (Vorjahreszeitraum 59,2) Milliarden Euro.

“Die Umsatz- und Ergebniszuwächse sind sehr solide”, sagte Vorstandschef Herbert Diess. Der Konzern habe mehr Fahrzeuge ausgeliefert als jemals zuvor. “Aber darauf können wir uns nicht ausruhen, denn in den kommenden Quartalen liegen große Anstrengungen vor uns.” Dabei verwies Diess vor allem auf die Verzögerungen bei der Umstellung auf den neuen WLTP-Testzyklus. Er bekräftigte aber die Prognose für das laufende Jahr, wonach die operative Umsatzrendite vor Sondereinflüssen zwischen 6,5 und 7,5 Prozent liegen soll. Nach Sondereffekten werde die Ebit-Marge des Konzerns mit seinen zwölf Marken moderat unterhalb dieses Korridors liegen.

Dank des Rekordgewinns und eines üppigen Liquiditätspolsters im Kerngeschäft von mehr als 26 Milliarden Euro kann der Konzern das von der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Dieselskandals verhängte Bußgeld von einer Milliarde Euro verkraften. Zudem legte Volkswagen weitere 600 Millionen für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Abgasmanipulation zur Seite. Insgesamt türmen sich die Kosten der Dieselaffäre damit auf mehr als 27 Milliarden Euro. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit noch nicht erreicht sein. Denn Volkswagen ist mit Klagen von Investoren konfrontiert, die einen Ausgleich für ihre in der Dieselkrise erlittenen Kursverluste fordern. Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig beginnt im September ein Musterverfahren, bei dem es um Ansprüche von fast vier Milliarden Euro gegen Volkswagen und den Haupteigner Porsche SE geht.

WLTP-UMSTELLUNG BELASTET WACHSTUM

Im zweiten Halbjahr dürfte das Wachstum nach Meinung von Analysten nachlassen. Das liegt vor allem an der neuen WLTP-Abgasnorm, die für Lieferverzögerungen aufgrund fehlender Zertifizierungen sorgt. VW hat bereits angekündigt, dass die Bänder nach den Werksferien zeitweise stillstehen werden und die Arbeit im Stammwerk an ein bis zwei Tagen in der Woche ruht. Dazu ist VW gezwungen, weil man wegen der Vielzahl von mehr als 260 Motor- und Getriebevarianten sowie Ausstattungen der Modelle mit den vorgeschriebenen Tests nicht hinterherkommt. Tausende bereits produzierte Neuwagen, die noch nicht zertifiziert sind, sollen auf Parkplätzen zwischengelagert werden, unter anderem auf dem geplanten Berliner Flughafen BER. Volkswagen hatte bereits im Juni angekündigt, bis zu 250.000 Autos könnten später als geplant gebaut werden. Nach den EU-Regeln dürfen Neuwagen ab Anfang September nur noch verkauft werden, wenn sie WLTP durchlaufen haben. Der Konkurrent Daimler hat die Umstellung auf das Abgasmessverfahren bereits als Grund genannt, warum der Absatz in diesem Jahr voraussichtlich stagnieren wird.

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