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Unternehmensnachrichten

VW geht bei der E-Mobilität in die Vollen

Hamburg (Reuters) - Ausgestattet mit einem Riesen-Budget von 73 Milliarden Euro will Volkswagen-Chef Herbert Diess das Rennen mit Tesla um die Krone in der Elektromobilität aufnehmen.

FILE PHOTO: A car stands at the production line for the electric Volkswagen cars, model ID.3 and model ID. 4, in Zwickau, Germany, September 18, 2020. Picture taken September 18. REUTERS/Matthias Rietschel/File Photo

In den kommenden fünf Jahren (2021-2025) steckt der weltgrößte Autobauer allein 35 Milliarden Euro in neue E-Autos und die Umrüstung der Werke, zwei Milliarden mehr als in der bisherigen Planung bis 2024 vorgesehen war. Die Mittel dafür gab der Aufsichtsrat am Freitag frei. Ein weiterer großer Brocken ist die Digitalisierung, hier verdoppelt Volkswagen die Ausgaben auf rund 27 Milliarden Euro. “In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, auch bei der Software im Fahrzeug eine Spitzenposition einzunehmen”, sagte Diess. Er will Volkswagen zu einem Mobilitätskonzern umbauen, der neben Elektrofahrzeugen, selbstfahrenden Autos auch digitale Dienste anbietet.

Die Niedersachsen setzen seit dem Dieselskandal vor fünf Jahren voll auf E-Mobilität und haben mit dem ID.3 vor Kurzem ihr erstes rein elektrisches Auto auf den Markt gebracht. In den nächsten Jahren will Volkswagen zum größten Anbieter auf diesem Gebiet aufsteigen und an dem US-Elektroautopionier Tesla vorbeiziehen. Analysten halten es für möglich, dass VW schon im kommenden Jahr auf Augenhöhe mit dem US-Konzern liegen wird.

Das Geld für diese enormen Investitionen will VW weiter sowohl durch den Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft - zunächst also vor allem durch den Verkauf von Verbrennern - als auch durch Einsparungen selbst erarbeiten. Außerdem werden wenig gefragte Fahrzeugvarianten, Motor-Getriebekombinationen und Ausstattungen aus dem Angebot gestrichen. Bereits vor einiger Zeit wurde beschlossen, die Produktivität bis 2025 im Vergleich zu 2016 um 30 Prozent zu steigern. Trotz Corona-Krise und eines Nachfrageeinbruchs um 17 Prozent in den ersten zehn Monaten wegen der konjunkturellen Unsicherheit sieht sich der Konzern in der Lage, die Milliarden-Investionen zu stemmen: “Die finanzielle Ausgangsbasis ist vor dem Hintergrund der großen Herausforderungen in den nächsten Jahren grundsolide”, erklärte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

“WIR SPIELEN DIE NÄCHSTEN JAHRE VOLL AUF ANGRIFF”

Der Betriebsrat und das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Anteilseigner begrüßten das Investitionspaket. “Der VW-Konzern zeigt, dass er bereit und in der Lage ist, die ohnehin schon rasch fortschreitende Transformation noch einmal zu beschleunigen”, sagte Ministerpräsident Stephan Weil. Bis 2025 flössen mehr als 16 Milliarden Euro in die sechs niedersächsischen VW-Standorte Wolfsburg, Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Osnabrück und Emden. Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte, die Investitionsplanung zeige eindrucksvoll, dass es der Konzern ernst meine mit der Transformation, der E-Mobilität und der Digitalisierung. “Wir spielen die nächsten Jahre voll auf Angriff.” Mindestens genauso wichtig wie das Milliardenbudget sei aber ein gemeinsames Verständnis für den Wandel und ausreichend Planungssicherheit. Dazu sei bei der Ladeinfrastruktur und dem schnellen Internet Unterstützung durch die Politik nötig. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verwies darauf, dass Deutschland die heimische Batteriezellfertigung mittlerweile mit fünf Milliarden Euro fördert. Davon profitiert auch Volkswagen.

SCHÄRFERE CO2-VORGABEN TREIBEN VOLKSWAGEN AN

Der Wolfsburger Konzern nimmt so viel Geld in die Hand, weil wegen des “Green Deal” der EU erneut schärfere Klimavorgaben und damit auch strengere CO2-Grenzwerte für die Autobranche erwartet werden. Für Volkswagen bedeutet das, dass in zehn Jahren die Hälfte der neu zugelassenen Autos elektrisch angetrieben sein muss. Bisher hatte man in Wolfsburg für 2025 einen Elektroanteil von 20 bis 25 Prozent prognostiziert.

Die Niedersachsen wollen bis 2030 rund 26 Millionen elektrisch betriebene Fahrzeuge auf die Straßen bringen, 19 Millionen davon auf Basis des von Volkswagen entwickelten Elektrobaukastens MEB, weitere sieben Millionen auf der Premiumplattform PPE von Porsche und Audi.

Die dafür benötigte Menge an Batteriezellen hat sich Volkswagen durch langfristige Lieferverträge vorwiegend mit asiatischen Herstellern gesichert. Parallel bereitet der Autobauer den Einstieg in eine eigene Fertigung vor und hat sich dafür mit dem schwedischen Spezialisten Northvolt zusammengetan. In China, dem derzeit größten Wachstumsmarkt für die Autobranche, steckt Volkswagen ebenfalls viele Milliarden in E-Autos und hat sich dazu an dem chinesischen Akku-Hersteller Gotion beteiligt.

Die Produktion von E-Autos wird weltweit ausgerollt. In China gibt es zwei Werke, in den USA eines. In Deutschland sind es drei - Zwickau, dort laufen bereits der ID.3 und der ID.4 vom Band. In Emden soll neben dem ID.4 ab 2023 auch der Elektro-Passat Aero produziert werden. Hannover bekommt neben dem elektrischen Bulli-Nachfolger ID.BUZZ auch drei größere batteriebetriebene SUV-Modelle. Im Stammwerk in Wolfsburg soll ab 2024 ein weiterer SUV mit konventionellem Antrieb für den europäischen Markt hergestellt werden. Um in Emden Platz für den Bau der E-Autos zu schaffen, wird der Mittelklassewagen Passat in das slowakische Bratislava verlagert und dort künftig zusammen mit dem Schwestermodell Skoda Superb gebaut.

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