March 28, 2019 / 12:48 PM / in 25 days

VW und Ford kommen bei Allianz für Robo-Taxis voran

Thomas Sedran, Volkswagen's Head of Group Strategy, address a news conference at Volkswagen's headquarters in Wolfsburg, Germany June 16, 2016. REUTERS/Fabian Bimmer

Hannover (Reuters) - Bei ihren zuletzt ins Stocken geratenen Verhandlungen über eine Allianz bei Roboterautos sind Volkswagen und Ford einer Einigung wieder näher gekommen.

“Die Gespräche laufen aus meiner Sicht im Moment sehr gut”, sagte Thomas Sedran, Chef der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge, am Donnerstag in Hannover. Er fügte hinzu: “An der Stelle sollten wir in nächsten Monaten auch zu einer formalen Einigung kommen.” Vor einigen Wochen waren die Verhandlungen Insidern zufolge ins Stocken geraten, weil über den Preis einer Beteiligung von Volkswagen an der Ford-Tochter Argo gepokert wurde.

Nun sagte Sedran, man befinde sich “in guten Gesprächen” über einen Einstieg bei Argo, die Technologien für selbstfahrende Autos entwickelt. Denkbar sei eine gemeinsame Gesellschaft, die Mobilitätsdienste in den USA, Europa und weiteren Regionen anbiete. In dem Zusammenhang verwies Sedran auf die VW-Mobilitätstochter Moia, die Mitte April in Hamburg einen Sammeltaxi-Dienst mit Elektro-Kleinbussen an den Start bringt. In Hannover bietet Moia bereits einen ähnlichen Dienst an, dort allerdings noch mit benzingetriebenen Transportern. Auch dort soll in diesem Jahr damit begonnen werden, auf elektrische Fahrzeuge umzustellen. Zusammen mit Ford könnte der Robo-Taxi-Dienst weltweit ausgerollt werden.

Die Automobilindustrie durchläuft derzeit einen rasanten Wandel. Vor allem in großen Ballungsräumen nimmt der Trend weg vom reinen Besitzen hin zum Teilen vom Mobilität zu. Digitale und vernetzte Mobilitätsdienstleistungen nehmen einen immer größeren Stellenwert ein und versprechen ein Milliardengeschäft, um das sich Autokonzerne mit Firmen aus der IT- und Internetbranche wie Uber, Lyft und Didi Chuxing streiten. Bisher ist dieses Geschäft zumeist jedoch kaum profitabel. BMW und Daimler haben ihre Mobilitätsdienste vor kurzem zusammengelegt, um auf diesem Gebiet schneller zu wachsen. Die beiden Oberklasse-Konkurrenten haben sich auch verbündet, um die nächste Technologiegeneration des autonomen Fahrens Anfang des kommenden Jahrzehnts auf die Straße zu bringen.

Ford und VW hatten sich im Januar nach monatelangen Verhandlungen auf die gemeinsame Entwicklung von Transportern und Pick-ups verständigt. Dabei wurde auch eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Allianz auf selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste und Elektroautos auszuweiten. Die Gespräche hingen Insidern aus den USA zufolge zeitweise am seidenen Faden, weil VW offenbar nicht bereit war, den von Ford verlangten Preis für einen Anteil an deren Tochter Argo zu bezahlen.

GRÖSSENVORTEILE

Für Volkswagen ist das Bündnis auch aus einem anderen Grund wichtig: Die Wolfsburger wollen erreichen, dass der zweitgrößte US-Autobauer den von ihnen entwickelten Elektrobaukasten MEB gegen Lizenzgebühren mitnutzt. Das würde VW Größenvorteile verschaffen und dabei helfen, die Kosten für Elektroautos zu senken. Der weltgrößte Autokonzern will in einigen Jahren einen batteriegetriebenen Wagen für unter 20.000 Euro auf den Markt bringen, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Kurzfristiges Ziel ist, so viele Stromer zu verkaufen, dass der Konzern die schärferen Klimavorgaben erfüllen kann. Sonst drohen empfindliche Strafen. Konzernchef Herbert Diess hat die Politik und die Konkurrenten deshalb aufgerufen, alle Kräfte für den Durchbruch der batteriegetriebenen Mobilität zu bündeln.

Sedran machte klar, die E-Mobilität vor allem bei Pkw eine zentrale Rolle spielen werde. Bei größeren und schweren Fahrzeuge, wie den von der VW-Nutzfahrzeugsparte gebauten Transportern und Freizeitfahrzeugen, die längere Strecken zurücklegen, seien synthetische Diesel-Kraftstoffe aus regenerativen Energiequellen sowie Hybrid-Antriebe als Übergangslösung sinnvoll. Auf lange Sicht verfolge VW auch den Brennstoffzellen-Antrieb weiter, weil der vor allem für große Fahrzeuge effizient und wirtschaftlich sei.

Die VW-Nutzfahrzeugsparte, die den Transporter T6, den Geländewagen Amarok und die Lieferwagen Crafter und Caddy baut, investiert in diesem Jahr mehr als 1,8 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit Schwerpunkt auf Elektroantriebe, den Umbau der Werke und den Aufbau neuer Geschäftsfelder.

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