October 12, 2017 / 9:26 AM / in 2 months

Musterverfahren um VW-Übernahmeschlacht gestartet

Hannover (Reuters) - Im Streit über Milliardenforderungen von Anlegern wegen der geplatzten Übernahme von Volkswagen durch Porsche vor neun Jahren hat das Musterverfahren begonnen.

Ferdinand Piech, chairman of the supervisory board of Volkswagen, is pictured during a welcoming ceremony at the plant of German carmaker Volkswagen in Wolfsburg April 23, 2012. Piech unexpectedly resigned on April 25, 2015 in the wake of a leadership crisis he kicked off earlier this month by saying he had "distanced" himself from Chief Executive Martin Winterkorn. Picture taken April 23, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer TPX IMAGES OF THE DAY

Zu Prozessbeginn vor dem Kartellsenat des Oberlandesgerichts Celle am Donnerstag in Hannover führte Richter Matthias Wiese zunächst in den Streitfall ein. Geklagt haben mehrere Hedgefonds und Privatanleger. Sie sehen sich durch die Porsche Automobil Holding SE getäuscht, als diese 2008 versuchte, den viel größeren Wolfsburger Autobauer unter ihre Kontrolle zu bringen. Der auf Musterklagen spezialisierte Rechtsanwalt Andreas Tilp sagte vor Beginn des Prozesses: “Wir sind angetreten, um zu gewinnen.” Seine Kanzlei habe neue Argumente und Dokumente und werde Zeugen benennen, um die Vorwürfe gegen die PSE und Volkswagen zu belegen. Anleger seien durch die falsche Kommunikation von Porsche “rasiert” worden, betonte Tilp. Die beklagte VW-Mutter Porsche SE hat mehrfach erklärt, dass sie die Klagen für unbegründet hält. Porsche hatte sich von 2005 an in Tippelschritten bei VW eingekauft, im März 2008 aber bestritten, dass sie den Wolfsburger Konzern beherrschen wollte. Als die Stuttgarter wenige Monate später bekanntgaben, dass sie sich den Zugriff auf fast drei Viertel der VW-Stammaktien gesichert hatten, sprang die Aktie des Wolfsburger Autobauers auf mehr als 1000 Euro. Investoren, die auf einen fallenden Kurs der VW-Aktie gewettet hatten, wurden von dem rapiden Kursanstieg überrascht und erlitten deswegen hohe Verluste. Die Anleger warfen Porsche eine Täuschung vor. Als Musterklägerin hat das Oberlandesgericht die Inkassogesellschaft ARFB bestimmt. Die anderen Kläger sind so genannte Beigeladene. Ziel des Prozesses nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMug) ist ein Richterspruch, der für alle Kläger bindend ist. Insgesamt geht es in dem Rechtsstreit um Forderungen von über fünf Milliarden Euro. Porsche hält die Klagen für unbegründet. Bislang waren Anleger mit Klagen gegen Porsche nicht erfolgreich. Die Ex-Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter wurden in einem Strafprozess im vergangenen Jahr vom Vorwurf der Marktmanipulation freigesprochen.

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