June 19, 2020 / 12:11 PM / 18 days ago

VW hält Software-Allianz mit anderen Autobauern für denkbar

FILE PHOTO: The logo of Volkswagen is pictured at the LA Auto Show in Los Angeles, California, U.S., November 20, 2019. REUTERS/Lucy Nicholson/File Photo

Hamburg (Reuters) - Volkswagen will seine Software-Aktivitäten stark ausbauen und setzt dabei auch auf Partnerschaften.

“Wir führen Gespräche mit vielen Unternehmen”, sagte VW-Markenvorstand Christian Senger am Freitag am Rande einer Veranstaltung in Wolfsburg. Dabei schloss er langfristig eine Zusammenarbeit auch mit anderen Autobauern nicht aus. Auf die Frage der Moderatorin einer Online-Präsentation nach einer deutschen Software-Allianz antwortete Senger: “Wir treiben unsere Software-Plattform selbst voran. Wenn sich auf dem Weg aber neue Möglichkeiten ergeben, sind wir durchaus interessiert und offen.” Der Konzern hat seine Aktivitäten auf dem Gebiet in einer Geschäftseinheit namens “Car.Software-Organisation” zusammengefasst, die am 1. Juli an den Start geht.

Mit ihr wollen die Wolfsburger bei steigendem Softwareanteil im Auto dem US-Elektroautobauer Tesla und Tech-Giganten wie Google und Amazon die Stirn bieten. Dafür arbeitet VW an einem eigenen Betriebssystem (“vw.os”), über das Fahrzeuge in einer Cloud eingebunden werden sollen. “Das Betriebssystem wird am Ende nichts sein, was wir alleine im Konzern halten”, erläuterte Senger, der die digitalen Aktivitäten des gesamten Konzerns steuert.

Der Aufwand ist enorm: Insgesamt steckt Volkswagen bis 2025 mehr als sieben Milliarden Euro in die neue Software-Einheit. Dann sollen alle neuen Fahrzeugmodelle auf einem einheitlichen Betriebssystem laufen. Tausende Digitalexperten werden eingestellt. Bislang läuft der Wandel aber noch alles andere als reibungslos: VW hat mit massiven Softwareproblemen beim Golf 8 und beim neuen Elektroauto ID.3 zu kämpfen. Vor allem der Erfolg des ersten massentauglichen Elektrowagens aus Wolfsburg ist entscheidend für die Zukunft des Konzerns. Branchenexperten vermuten, dass VW den Kraftakt angesichts der Softwareprobleme nicht ohne Hilfe von außen schaffen kann.

“OPEN SOURCE IST DER CLOU”

Senger machte klar, dass VW die Architektur des Systems selbst definieren wolle. “Und dann werden wir sehr schnell auch Anteile open-source einbringen, um Standards zu schaffen.” Daraus ergäben sich dann neue Möglichkeiten für Partnerschaften. “Wer bei uns mitmacht, wird Element des Ganzen und bekommt die Parameter gesetzt”, betonte der Manager. Die Zusammenarbeit könne unterschiedlich gestaltet werden, etwa als Gemeinschaftsunternehmen, Entwicklungspartnerschaft “oder auch in Form einer Akquise”. Mit dem US-Technologieriesen Microsoft arbeitet VW bereits beim Aufbau einer Industrie-Cloud zusammen.

Der für das Betriebssystem geplante Open-Source-Ansatz sei in der klassischen Automobilindustrie heute noch fast unvorstellbar, sagte Senger. “Aber genau das ist der Clou.” Es gebe ein Wettrennen um die Betriebssysteme für Autos. Wer als erstes Standards setze, dessen System habe die Chance, auch von anderen eingesetzt zu werden. Das Vorgehen ähnelt dem beim von VW entwickelten Modularen Elektro-Baukasten (MEB) für E-Autos. Den verkaufen die Wolfsburger auch an den US-Autobauer Ford, wodurch bei steigenden Stückzahlen die Kosten sinken.

Die VW-Software soll einmal im Auto alle Dienste steuern, von Fahrer-Assistenzsystemen über hochautomatisiertes Fahren und Parken, die Ladetechnologie bis hin zu Systemen für Mobilitätsdienste und digitale Geschäftsmodelle der einzelnen Marken des Riesenkonzerns. Die Größenordnung wird deutlich, wenn man sich den jährlichen Absatz von Volkswagen von zuletzt mehr als zehn Millionen Fahrzeugen vor Augen führt. Dann wären bereits nach fünf Jahren mehr als 50 Millionen Fahrzeuge auf der Software-Plattform unterwegs.

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