June 11, 2020 / 11:03 AM / a month ago

VW gelobt nach Skandal-Video Besserung - "Kein Bauernopfer"

FILE PHOTO: The logo of German carmaker Volkswagen is seen on a new Golf car at Brussels Motor Show, Belgium, January 9, 2020. REUTERS/Francois Lenoir/File Photo

Hamburg (Reuters) - Volkswagen überarbeitet nach dem Skandal um ein als rassistisch empfundenes Werbevideo für den Golf 8 seine internen Abläufe und will die Mitarbeiter stärker sensibilisieren.

Rechtschefin Hiltrud Werner sagte am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten, die Untersuchung durch die interne Revision habe ergeben, dass rassistische Motive bei der Erstellung des Films keine Rolle gespielt hätten. Mangelnde Sensibilität und Unzulänglichkeiten in den Prozessen hätten jedoch dazu geführt, dass der Clip veröffentlich werden konnte. Personelle Konsequenzen würde VW nur dann ziehen, wenn vorsätzlich und wissentlich gegen Verhaltensregeln verstoßen wurde. “Ein Bauernopfer wird es daher nicht geben.” Mit der Berliner Werbeagentur Voltage, die das Video erstellt hat, will Volkswagen weiter zusammenarbeiten.

“Auch im Namen des Vorstands möchte ich in aller Form dafür um Entschuldigung bitten, dass wir durch mangelnde interkulturelle Sensibilität Menschen verletzt haben”, erklärte Werner. “Hier wurde gegen Werte verstoßen, für die Volkswagen steht.” Als Konsequenz will Volkswagen unter anderem einen unabhängigen “Ethik Board” aus Experten einrichten, der die Werbebotschaften auf sensible Themen durchleuchten soll. Mit einer eigenen Social-Media-Organisation will VW zudem künftig schneller reagieren können, wenn Werbebotschaften im Internet kritische Reaktionen auslösen.

In dem Clip wird ein Mann mit dunkler Hautfarbe vor einem Golf gezeigt, wie er von einer überdimensionierten Hand unsanft durch die Gegend geschubst wird. Die Hand schnippst ihn schließlich in ein Cafe, über dessen Eingang der Schriftzug “Petit Colon” (kleiner Kolumbus) steht. Das war als Anspielung auf die europäische Kolonialgeschichte verstanden worden. Das betreffende Cafe, vor dem gefilmt wurde, liegt direkt neben dem Teatro Colón (spanisch für Kolumbus-Theater), dem bekanntesten Theater in Buenos Aires (Argentien).

“Niemandem aus dem Team ist aufgefallen, dass das Schnipsen einer Person allein schon unpassend ist - und in dem so dargestellten Kontext rassistisch”, sagte Marketingchef Jochen Sengpiehl. “Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen. Nicht auf Agenturseite, nicht bei uns.” Die im Abspann des Videos für Sekundenbruchteile auftauchenden Buchstaben N-E-G-E-R, bevor der Schriftzug “Der neue Golf” auftaucht, seien durch ein Grafikprogramm zufällig gewählt worden. “Wir haben untersucht, ob dieses Programm manipuliert werden kann, haben dafür aber keine Anhaltspunkte gefunden”, sagte Sengpiehl.

Voltage teilte mit, sie habe keine Hinweise, dass dem Instagram-Video mit Absicht rassistische Elemente hinzugefügt worden seien. “Gleichwohl sind solche Elemente bei den vielfältigen Qualitätskontrollen und Freigabeprozessen keinem aufgefallen.” Hier müsse man in Zukunft besser werden.

Der Deutsche Werberat erklärte, VW habe die Werbung zurückgezogen und sich damit deutlich vom gezeigten Inhalt distanziert. Daher sei das Verfahren vor dem Werberat eingestellt und zu den Akten gelegt worden. “Sicherlich sind sowohl das werbende Unternehmen als auch die Agenturseite soweit sensibilisiert, dass Ähnliches nicht mehr vorkommen wird”, fügte die Leiterin des Werberats, Katja Heintschel von Heinegg, hinzu.

Der Werbefilm hatte scharfe Kritik in den Medien aus und sorgte international für Schlagzeilen. VW sah sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Das durch den Dieselskandal ohnehin angeschlagene Ansehen wurde dadurch weiter beschädigt. VW entschuldigte sich.

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