24. September 2017 / 15:34 / vor 25 Tagen

HINTERGRUND-Rechtsausleger unter den AfD-Kandidaten

Supporters of the hard-right Alternative for Germany (AfD) party shout slogans durig an election campaign rally of German Chancellor Angela Merkel, a top candidate of the Christian Democratic Union Party (CDU) for the upcoming general elections in Torgau, Germany, September 6, 2017. REUTERS/Reinhard Krause

Berlin (Reuters) - Die AfD steht im Verdacht, ihre Fühler bis in jenen Bereich des rechten Spektrums auszustrecken, an dessen Verfassungstreue gezweifelt wird.

Diese Befürchtungen wurden durch den Kölner Parteitag im April verschärft. Damals scheiterte Parteichefin Frauke Petry mit einem Antrag, der die Partei auf einen vergleichsweise gemäßigten Kurs festlegen sollte. Nicht in Köln anwesend war der Rechtsausleger und Chef des Thüringer Landesverbandes, Björn Höcke. Dieser hat bundesweit mit abwertenden Äußerungen über das Berliner Holocaust-Mahnmal, unscharfen Abgrenzungen zur NPD und dem Hochstilisieren der Zuwanderung zu einer Gefahr für das deutsche Volk Schlagzeilen gemacht. Petrys Niederlage in Köln war ein Sieg der Anhänger Höckes. Höcke bewirbt sich nicht um ein Bundestagsmandat. Im neuen Bundestag werden aller Voraussicht nach seine Unterstützer einen erheblichen Teil der AfD-Fraktion stellen. Einige werden im Folgenden kurz vorgestellt.

ALEXANDER GAULAND

Der AfD-Spitzenkandidat gilt als Favorit im Rennen um den Fraktionsvorsitz. Zuletzt erntete er Kritik wegen seiner Kyffhäuser-Rede, in der er einen Schlussstrich unter die Nazi-Zeit forderte. Die Deutschen hätten das Recht, “stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen”. Er ist ein bekennender Anhänger Höckes.

MARC JONGEN

Der gebürtige Südtiroler, der unter anderem als Assistant für den Philosophen Peter Sloterdijk arbeitete, kandidiert auf Platz drei der Landesliste Baden-Württemberg. Jongen betrachtet die AfD als Ausdruck des politischen Widerstands “gegen den Ausverkauf Deutschlands durch unsere moralisch und geistig korrupten Eliten”, wie er der Zeitung “Junge Freiheit” sagte. Die AfD werde mit der “Nazi-Keule” diffamiert, weil sie mit ihren Argumenten ins Schwarze treffe. Bundeskanzlerin Angela Merkel wirft er Rechtsbrüche im Umgang mit der Flüchtlingskrise vor.

MARKUS FROHNMAIER

Der Jura-Student ist Vorsitzender der “Jungen Alternative für Deutschland” und kandidiert auf Platz vier der Landesliste Baden-Württemberg. Er betrachtet “Hassjournalisten” als Gefahr für die Demokratie, wie er twitterte. Den in der Türkei inhaftierten “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel nennt er einen mutmaßlichen Linksterroristen, der in Deutschland schon längst wegen Beleidigung und Volksverhetzung ins Gefängnis gehört hätte. Merkel titulierte er als “Terrorkanzlerin”. Die AfD betrachtet Frohnmaier als die Rebellen von heute: “Wir sind die Anti-68er, die Sex Pistols unserer Generation”, twitterte er.

BEATRIX VON STORCH

Die Rechtsanwältin und AfD-Chefin von Berlin ist eine der härtesten Kritikerinnen von Merkels Flüchtlingspolitik. Anfang 2016 befürwortete sie auf Facebook den Einsatz von Waffen auch gegen Kinder bei illegalen Grenzübertitten. Erst nach öffentlichen Protesten ruderte sie zurück. Von Storch ist die Nummer eins auf der Landesliste Berlin.

WILHELM VON GOTTBERG

Mit 77 Jahren dürfte der frühere Vize-Präsident des Bundes der Vertriebenen der älteste Abgeordnete sein, der in den Bundestag einzieht. Er hätte damit gute Chancen gehabt, als Alterspräsident den neuen Bundestag zu eröffnen. Der niedersächsische Kandidat ist umstritten, da er den Holocaust “als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen” bezeichnet hat, dies aber später relativierte. Er tritt auf Platz vier der niedersächsischen Landesliste an.

MARTIN REICHARDT

Die Nummer eins der Landesliste Sachsen-Anhalt nennt den SPD-Politiker Heiko Maas auf Facebook eine “Schande für das Amt” des Bundesjustizministers, weil er den Islam als Teil Deutschlands bezeichnet. Die SPD-Politiker Ralf Stegner und Martin Schulz tituliert er als “antidemokratische Hetzer”. Merkel wies er wegen ihrer Flüchtlingspolitik eine Mitverantwortung für die Anschläge in Deutschland zu.

JENS MAIER

Der Richter hat sich selbst als “kleiner Höcke” bezeichnet. Ähnlich wie dieser bezeichnet auch Maier die Erinnerung an die Ermordung von Millionen Juden als “Schuldkult”. Besonders in der Einwanderung von Muslimen sieht er eine Bedrohung für die deutsche Bevölkerung. Er tritt hinter Petry auf Platz zwei der sächsischen Landesliste an.

JÜRGEN POHL

Die Nummer zwei der Thüringer Landesliste hat nach Medienberichten den Vertretern der Bundestagsparteien massiv gedroht. “Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten. Dann richtet das Volk, dann Gnade euch Gott”, wird der Rechtsanwalt zitiert.

PETR BYSTRON

Der AfD-Landeschef in Bayern wird vom Landesverfassungsschutz beobachtet. Grund ist seine Nähe zu der völkischen Identitären Bewegung. Nach Medienberichten erklärte er: “Das ist eine Vorfeld-Organisation der AfD und die müssen wir unterstützen.” Bystron tritt auf Platz vier der bayerischen Landesliste an.

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