Reuters logo
Wahlkampf im Endspurt - Rennen um Unentschlossene
22. September 2017 / 14:00 / vor einem Monat

Wahlkampf im Endspurt - Rennen um Unentschlossene

Berlin (Reuters) - Zwei Tage vor der Bundestagswahl kämpfen die Parteien im Endspurt um die noch unentschlossenen Wähler.

A combination photo shows a defaced election campaign poster of the Christian Democratic Union (CDU) party, with a headshot of German Chancellor Angela Merkel and Social Democratic Party (SPD) top candidate Martin Schulz in Frankfurt, Germany, September 20, 2017. REUTERS/Kai Pfaffenbach

“Diese Wahl ist nicht entschieden”, mahnte Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Heppenheim. 37 Prozent der Wahlberechtigten seien nach wie vor unentschlossen, betonte auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei einem “Bild”-Gespräch. “Da ist alles möglich”, fügte er hinzu. Auch die kleineren Parteien intensivierten ihren Wahlkampf.

Union und SPD hatten am Mittwoch und Donnerstag die heiße Phase des Wahlkampfes eingeleitet. Laut einer am Freitag veröffentlichten Forsa-Umfrage für “stern” und RTL liegen CDU/CSU bei 36 Prozent, die SPD verliert auf 22 Prozent. Drittstärkste Kraft wird danach die AfD mit elf Prozent, vor der Linkspartei (9,5), FDP (9,5) und Grünen (sieben). Eine rechnerische Mehrheit hätten damit auch weiterhin nur eine große Koalition oder ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen.

MERKEL WIRBT MIT STABILITÄT UND FAMILIENLEISTUNGEN

In der letzten Wahlkampfphase betonten die Kanzlerkandidaten Merkel und Schulz noch einmal die zentralen Themen ihrer Programme. Die CDU-Chefin versprach, dass es mit einer unionsgeführten Regierung keine Steuererhöhungen und neuen Schulden geben werde. CDU und CSU wollten massiv in Familien investieren, den Kommunen helfen und seien der Garant für innere Sicherheit. Sie betonte zudem, dass sich die Flüchtlingskrise 2015 nicht wiederholen werde und die Voraussetzung der Integration die Akzeptanz der in Deutschland geltenden Gesetze und Werte sei. Ein Schwerpunkt werde sein, für ähnliche Lebensverhältnisse in Städten und ländlichen Regionen zu sorgen. Sowohl Merkel als auch Schulz betonten zudem die wichtige Rolle, die die EU als Friedensprojekt auch für Deutschland spiele.

Schulz kritisierte, dass Merkel dem Land nicht gut tue und abgelöst werden müsse. Die CDU-Vorsitzende sei “Weltmeisterin des Ungefähren”, sagte er auf einer Wahlveranstaltung in Nürnberg. Er sprach sich unter anderem für eine “Mietpreisbremse II” aus. “Ich wäre bereit, auch staatlich zu intervenieren, um Obergrenzen bei den Mietsteigerungen gesetzlich durchzusetzen”, kündigte der SPD-Chef bei “Bild” an. Man müsse Mieten notfalls auch “deckeln”.

Schulz widersprach der Einschätzung Merkels, dass für die Wahlversprechen der SPD kein Geld im Bundeshaushalt sei. Er werde Geld lieber für Bildung und Pflege ausgeben, statt zum Erreichen des Zwei-Prozent-Ziels der Nato für Verteidigungsausgaben. Die SPD wolle einen neuen Generationenvertrag bei der Rente, gleiche Löhne für Frauen und Männer sowie ein Rückkehrrecht von Teilzeit zu Vollzeit.

Scharf wandte sich Schulz gegen die AfD, die “für alles einen Sündenbock hat, aber für nichts eine Lösung”. Der SPD-Chef bezeichnete AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland als “schamlose Person”. “Die Totengräber der Weimarer Republik, die haben so gesprochen”, sagte er in Nürnberg.

AUFRUFE ZUR WAHLBETEILIGUNG

Bundestagspräsident Norbert Lammert rief wie Schulz und Merkel die Bürger dazu auf, zur Wahl zu gehen. “Wahlen sind das Königsrecht der Demokratie, ein Hochfest. Wer davon nicht Gebraucht macht, hat mindestens moralisch den Anspruch verwirkt, sich nachher zu beschweren”, sagte Lammert den “Westfälischen Nachrichten”.

Zwei Tage vor der Bundestagswahl vermeldet die Bundeszentrale für politische Bildung bei der Nutzung des “Wahl-O-Mat” eine Rekordbeteiligung. Der Online-Test, mit dem die Bürger ihre Differenzen oder Übereinstimmungen mit politischen Parteien überprüfen können, sei bereits 13,3 Millionen Mal verwendet werden, teilte die Bundeszentrale mit. Damit übertrifft die Zahl bereits jetzt die Nutzung des “Wahl-O-Mat”, der zur Bundestagswahl 2013 angeboten worden war.

Unsere Werte:Die Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below