18. September 2017 / 05:49 / vor einem Monat

FEATURE-Wahltag im Wüstensand - Feldpost-Flug für Stimmen aus Mali

Berlin (Reuters) - Für die deutschen Soldaten in Mali ist die Bundestagswahl eine Woche früher zu Ende als für die Bürger in der Heimat: Damit die Feldpost ihre Stimmzettel per Sonderflug noch rechtzeitig ins 5000 Kilometer entfernte Deutschland transportieren kann, mussten die Soldaten in Gao spätestens heute (Sonntag) ihren Wahlbrief abgeben.

Staff corporal Robin Lothar Sterzel is on his way to the post office to drop his postal vote documents in the German armed forces Bundeswehr Camp Castor in Gao, Mali, September 16, 2017. Andreas Doehring/Bundeswehr/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY.

Für diejenigen, die viel auf Patrouillen außerhalb des Camps unterwegs sind, war der Urnengang auch eine logistische Herausforderung.

Weil die Post schon mal zwei Wochen oder länger brauchen kann, beantragte etwa der Oberstabsgefreite Robin die Briefwahlunterlagen sicherheitshalber schon vor fünf Wochen in seiner deutschen Heimatgemeinde. Eng wurde es trotzdem: “Am Ende ging es dann doch auf die letzten paar Tage zu”, sagt der 25-Jährige, der seinen Stimmzettel schließlich am Samstag einwarf - bei für Mali recht angenehmen Temperaturen von um die 40 Grad. “Relativ kühl”, nennt es der Soldat. Am Vortag sei das Thermometer noch auf 52 Grad geklettert.

Robin ist in Gao als Personenschützer eingesetzt: Er passt auf die Verbindungsoffiziere auf, wenn sie Blauhelm-Soldaten aus anderen Nationen besuchen und den Kontakt zu den malischen Sicherheitskräften halten. Mit seinen Kameraden fährt er dafür Hunderte Kilometer durch das Land, das nach dem Islamisten-Aufstand 2012 im Norden noch immer mühsam um Frieden und Stabilität ringt. Dass er sich auf jeden Fall auch von Mali aus an der Bundestagswahl beteiligen wird, stand für Robin schon vor dem Abflug in den Einsatz fest. Schließlich sei das seine Chance, die Wahlziele einer Partei zu unterstützen und Deutschlands Zukunft mitzubestimmen, sagt der Soldat. Er habe daher im Vorfeld die Parteiprogramme gelesen und später auch in Gao Wahlsendungen im Fernsehen verfolgt.

Für die Weiterreise von Robins Stimmzettel ist die Feldpost in Person von Hauptfeldwebel Andreas verantwortlich. Bis zu zwei Tonnen Post verteilt der Reservist, der im Zivilleben wie alle anderen Feldpost-Mitarbeiter auch bei der Deutschen Post beschäftigt ist, ein bis zwei Mal pro Woche an seine Kameraden im Camp. Zurück nach Deutschland geht normalerweise deutlich weniger - viele Gelegenheiten zum Shoppen bieten sich den 850 deutschen Soldaten im Norden Malis nicht.

Normalerweise reisen Briefe und Pakete mit Air France über Bamako und Paris nach Deutschland, und je nach Auslastung der Maschinen bleiben die Sendungen dabei auch schon mal in Paris hängen. Damit bei der Stimmabgabe für die Bundestagswahl zeitlich nichts schiefgeht, hat die Feldpost extra zwei Direktflüge bestellt, mit denen die Wahlzettel von Gao aus ohne Zwischenstopp nach Leipzig fliegen. Einer ging vor ein paar Tagen raus, der zweite und letzte soll am Montag in Gao abheben. Mit an Bord: eine kleine, gelbe Postkiste, die verplombt ist und die Wahlbriefe enthält.

Von Leipzig wird die Box per Spedition in die Feldpostzentrale nach Darmstadt gefahren. Dort werden die Mitarbeiter die Plombe mit dem Posthorn darauf brechen und die Wahlbriefe in ein Briefzentrum bringen, wo sie sich für die letzten Kilometer in die Heimatgemeinden in den üblichen Postkreislauf einfädeln. “Dann noch einmal einen oder zwei Tage, dann sind sie am Bestimmungsort”, sagt der Hauptfeldwebel.

Der Oberstabsgefreite Robin will den Wahlabend auch von Gao aus mitverfolgen und deshalb zumindest sporadisch in der Fernsehecke vorbeischauen. “Um auf dem Laufenden zu bleiben”, sagt er. “Man möchte ja wissen, wie es ausgegangen ist.” Immerhin sei er in drei Wochen schon wieder in Deutschland, da drehten sich die Gedanken nicht mehr nur um Gao.

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