4. September 2017 / 14:08 / vor 16 Tagen

Schulz erntet in Niederbayern Jubel und lange Gesichter

Martin Schulz, top candidate of the Social Democratic Party (SPD) for the upcoming federal election, gestures during an election rally at one of Bavaria's oldest fairs, the Gillamoos Fair in Abensberg, Germany, September 4, 2017. REUTERS/Michael Dalder

Abensberg (Reuters) - Als Martin Schulz am Montag im niederbayerischen Abensberg das Bierzeltpodium erklimmt, wagt er sich in die Höhle des Löwen.

Das jährliche Volksfest Gillamoos, zu dem traditionell Politiker aller Couleur eingeladen werden, wird in einer tiefschwarzen Region gefeiert. Bei der vergangenen Bundestagswahl holte die CSU im örtlichen Wahlkreis Landshut 54,0 Prozent der Stimmen, die SPD kam lediglich auf 15,9 Prozent. Gelingt es dem SPD-Kanzlerkandidaten hier, seine 1000 Zuhörer für sich einzunehmen, hat er eine besondere Feuerprobe bestanden. In bundesweiten Umfragen zu Wahl liegen die Sozialdemokraten rund 14 Prozentpunkte hinter den Unionsparteien.

Eine Blaskapelle bemüht sich, mit Polka und Märschen die Stimmung des bunt gemischten Publikums anzuheizen. Dann beginnt Schulz seine Rede mit den Worten, mit denen er das Fernsehduell mit Kanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend beendet hat: Während eine Krankenschwester in 60 Sekunden nur 40 Cent verdiene, komme ein Manager auf mehr als 30 Euro. Dieses und andere Themen seien bei dem Fernsehauftritt zu kurz gekommen, kritisiert Schulz. Die erste Hälfte seiner einstündigen Rede widmet er daher dem Kernthema der SPD, der sozialen Gerechtigkeit. Gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, kostenlose Kinderbetreuung, mehr Investitionen in Bildung, zählt er auf und erklärt auch einen stärkeren Breitbandausbau auf dem Land zu seinen Prioritäten.

Während sich Schulz an diesen Forderungen abarbeitet, wenden sich im hinteren Teil des Zeltes immer mehr Zuhörer ab und vertiefen sich in Gespräche mit den Tischnachbarn. Im vorderen Drittel des Zeltes, da wo die Fernsehkameras über die Gäste schwenken, sitzen die SPD-Anhänger. Sie schwenken SPD-Fähnchen, bejubeln ihren Parteichef und unterbrechen seine Rede mit Applaus. In den weiter hinten liegenden Reihen jedoch verfolgt ein Großteil des Publikums die Worte des SPD-Kanzlerkandidaten mit ungerührten Gesichtern. Viele wenden sich bald ab. Erst als Schulz seine Absage an einen EU-Beitritt der Türkei bekräftigt, brandet auch im hinteren Teil des Zeltes Beifall auf. Sein Angriff auf die AfD - “eine Schande für unsere Nation” - kommt ebenfalls gut an.

Prominenz und einfache Mitglieder der bayerischen SPD verabschieden Schulz mit Applaus und lobenden Worten. Andere Zuhörer bleiben mit ratlosen Gesichtern zurück. “Ich finde es traurig, dass er die entscheidenden Inhalte nicht angesprochen hat”, sagt der 53-jährige Markus Zimmermann, nach eigenen Angaben SPD-Mitglied aus der örtlichen Kreisstadt Kelheim. “Die Migration, der Dieselskandal, das ist doch das, was die Leute bewegt.” An einem anderen Tisch äußert sich der 22-jährige Bankkaufmann Thomas Stark ähnlich: “Schulz ist auf die Leute kaum eingegangen.” Er sei weiterhin unentschlossen, wem er am 24. September seine Stimme geben werde.

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