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Wahlkampf steuert mit TV-Duell auf Höhepunkt zu
1. September 2017 / 12:36 / in 3 Monaten

Wahlkampf steuert mit TV-Duell auf Höhepunkt zu

Berlin (Reuters) - Mit dem einzigen direkten Schlagabtausch zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz steuert der Wahlkampf auf seinen ersten Höhepunkt zu.

The logo and the desk for Angela Merkel are pictured at the Adlershof TV studio, before a debate between incumbent German Chancellor Angela Merkel and SPD candidate Martin Schulz collectively hosted by all German TV networks, in Berlin, Germany, September 1, 2017. REUTERS/Hannibal Hanschke

Der SPD-Chef zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass er bei dem von vier TV-Sendern übertragenen Duell am Sonntagabend punkten könne. Drei Wochen vor der Bundestagswahl liegen Schulz und die SPD bis zu 17 Prozentpunkte hinter der Union. Meinungsforscher wie Forsa-Chef Manfred Güllner sehen für Schulz “eine Chance, die Werte für die SPD ein bisschen nach oben zu treiben”. Der einstige Wahlkampfmanager Michael Spreng sagte: “Schulz muss die bessere Figur machen, um zusätzliche Wähler zu holen.”

Die SPD setzt große Hoffnungen in das Duell. Sie hat bundesweit etwa 200 Public Viewings organisiert. Schulz hat immer wieder darauf verwiesen, dass er bei diesem Aufeinandertreffen die Amtsinhaberin bei politischen Themen zur Rede stellen will. Laut einer Forsa-Umfrage will fast jeder Zweite der 61,5 Millionen Wahlberechtigten beim TV-Duell einschalten. Das Publikum setzt nach einer ARD-Umfrage aber darauf, dass Merkel bei dem 90-Minuten-Auftritt mit vier Moderatoren besser abschneidet als ihr Herausforderer: 64 Prozent der Befragten waren dieser Meinung, 17 Prozent setzten auf Schulz.

SCHULZ: MAN KANN DIE WAHL NOCH DREHEN

“Ich bin nicht nervös, auf keinen Fall”, sagte Schulz am Freitag in einem “Bild”-Interview. Er verwies auf eine Allensbach-Umfrage aus der vorigen Woche, wonach 46 Prozent der Wahlberechtigten noch unentschlossen sind: “Deshalb glaube ich, dass man sehr wohl die Wahl noch drehen kann.”

Güllner zeigte sich skeptisch. Es sei “eigentlich völlig ausgeschlossen”, dass die SPD am Ende noch vor der Union liege, sagte der Meinungsforscher im Deutschlandfunk. Schulz könne allenfalls aus dem Lager der Unentschlossenen noch ein paar frühere SPD-Wähler dazu bewegen, zur Wahl zu gehen. “Dann sind noch mal, ich denke, auch drei Punkte für die SPD drin.”

Auch der Wahlkampfmanager des CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber 2002, Spreng, sagte, es gehe vor allem um die Mobilisierung der eigenen Anhänger. “Dann sind vielleicht ein bis zwei Prozent mehr drin, wenn Schulz gut abschneidet”, sagte Spreng dem RBB. Schulz müsse Merkel sachlich angreifen und zu Konkretisierungen zwingen: “Das ist die Schwäche von Frau Merkel, die häufig im Ungefähren bleibt.”

MERKEL VERTEIDIGT FORMAT DES TV-DUELLS

Merkel verteidigte das Format des Duells mit vier Moderatoren der TV-Sender ARD, ZDF, RTL und Sat1. “Es gibt eine seit 2009 und 2013 bewährte Form der Sendung, die auch dieses Mal wieder angewendet wird”, sagte die CDU-Vorsitzende dem “Spiegel”. Laut Spiegel Online zufolge wies sie dabei Vorwürfe zurück, das Kanzleramt habe die Bedingungen für das Duell diktiert. Sie achte die Pressefreiheit, “zugleich aber hat auch ein Politiker immer die Freiheit zu entscheiden, ob er oder sie eine Einladung in eine Sendung annimmt oder nicht”.

Schulz warf Merkel vor, einer direkten Auseinandersetzung mit ihm über das TV-Duell hinaus aus dem Weg zu gehen. Am Sonntag werde es “zum ersten Mal und leider auch zum einzigen Mal so sein, dass die derzeitige Bundeskanzlerin und ich aufeinander treffen”, sagte der SPD-Chef. “Angela Merkel weicht dem ja aus.” Als größten Unterschied in der Innenpolitik bezeichnete Schulz die Rentenpolitik. “Frau Merkel sagt, bei der Rente brauchen wir nicht einzugreifen. Da bin ich entschieden anderer Meinung.”

Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht versprach sich wenig Spannung. Sie wünsche sich, dass die sozialen Themen im Mittelpunkt stünden, sagte sie dem SWR. Merkel und Schulz müssten sagen, “was sie endlich auch gesetzlich tun wollen, damit diese Gesellschaft nicht immer weiter auseinanderklafft”.

In den Umfragen liegen CDU und CSU weit vorne. Sie kommen auf 37 bis 40 Prozent, während die SPD zwischen 22 und 24 Prozent rangiert. Linke, Grüne, FDP und AfD ringen mit Werten zwischen 6,5 Prozent und elf Prozent um Platz Drei.

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