May 2, 2011 / 1:25 PM / in 8 years

Erster Windpark in Ostsee läuft - Bund will mehr fördern

EnBW-Chef Hans-Peter Villis, Bundeskanzlerin Angela Merkel uind der mecklenburg-vorpommernsche Ministerpräsident Erwin Sellering (v. l. n. r.) neben einem Modell des in Betrieb genommenen Windparks in Zingst am 2. Mai 2011. REUTERS/Tobias Schwarz

Zingst (Reuters) - Inmitten der Debatte über die Energiewende ist vor der Ostseeküste der erste Offshore-Windpark in Betrieb gegangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte am Montag im Seebad Zingst mit einem symbolischen Knopfdruck die 21 ersten kommerziell betriebenen Windräder in Betrieb. Jedes ist so hoch wie der Kölner Dom. Energie aus Windparks vor der Ostsee- und Nordseeküste soll den Löwenanteil des Stroms bilden, der auch die Atomkraft ersetzen kann. Wegen erheblicher Verzögerungen dieser Projekte für den Ökostrom-Ausbau will der Bund Strom von hoher See nun aber deutlich stärker fördern. Dies zeigen Reuters vorliegende Planungen des Umweltministeriums.

MERKEL: NEUES KAPITEL FÜR ENERGIEGEWINNUNG

“Damit wird in der Tat ein neues Kapitel der Energiegewinnung in Deutschland aufgeschlagen”, sagte Merkel mit Blick auf den Windpark “Baltic 1”, der nun 50.000 Haushalte mit Strom versorgen kann. Er steht 16 Kilometer vor der Ostseeküste. Folgen soll ab 2013 “Baltic 2”, wo sich dann 80 Räder drehen werden. Bislang gab es in Deutschland nur den Probewindpark “Alpha Ventus” in der Nordsee.

Wegen technischer Hürden und Problemen bei der Netzanbindung ist der Bau der Windparks weit langsamer vorangeschritten als geplant. Der Bund musste seine Erwartungen an den Ökostrom-Beitrag der Windmühlen immer wieder reduzieren. In den kommenden zehn Jahren sollen es nun rund zehn Gigawatt werden, die rechnerische Leistung von etwa zehn Atomkraftwerken. Die wahre Zukunft der Technik liege aber erst im Jahrzehnt darauf, sagte Merkel, die ihren Bundestagswahlkreis in der Küstenregion hat. Deutschland brauche für die Energiewende auch die dazugehörige Mentalität, mit der etwa auch der Bau von Stromtrassen von der Küste nach Süddeutschland akzeptiert werde.

BUND WILL MIT GESETZESNOVELLE WINDPARKS BESCHLEUNIGEN

Allerdings will der Bund im Zuge der Energiewende den Investoren, vor allem Großkonzernen und Finanzinvestoren, entgegenkommen: So sollen der staatlich garantierte Abnahmepreis für Offshore-Strom auf 15 Cent pro Kilowattstunde ab kommendes Jahr steigen. Gekürzt werden soll dieser Satz erst für Windräder, die nach 2017 ans Netz gehen. Damit soll mehr Anreiz geschaffen werden, schnell zu bauen und zu investieren. Aus den Reuters vorliegenden Pläne zur Reform des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) geht zudem hervor, dass der garantierte Abnahmepreis wahlweise sogar 18,5 bis 19 Cent betragen kann. Dann soll der Preis aber nur noch für acht Jahre statt zwölf Jahre garantiert werden. Gezahlt wird die Ökostrom-Förderung durch eine Umlage auf alle Verbraucher über den Strompreis.

Dieses sogenannte “Stauchungsmodell” zum beschleunigten Ausbau forderte in Zingst auch EnBW-Chef Hans-Peter Villis, dessen Konzern den Windpark “Baltic 1” betreibt. Nur so komme der Ausbau schnell voran. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) war bisher vor allem von der Atomkraft abhängig. Villis wertete den Windpark als Beweis, dass man die Wende zum Ökostrom ernst nehme.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) nannte “Baltic 1” einen ersten wichtigen Schritt. Allerdings bleibe die Windenergie an Land das Zugpferd, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Hier könnten Länder und Kommunen den Bau auch größerer Windräder erleichtern. Wind an Land sei der kostengünstigste Ökostrom.

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