August 7, 2019 / 6:11 AM / 2 months ago

Wirecard schraubt Prognosen nach oben - Aktie fällt dennoch

FILE PHOTO: A man walks past the Wirecard booth at the computer games fair Gamescom in Cologne, Germany, August 22, 2018. REUTERS/Wolfgang Rattay/File Photo

Frankfurt (Reuters) - Der weltweit boomende Online-Handel stimmt den Zahlungsdienstanbieter Wirecard zuversichtlicher.

Der Konzern aus Aschheim bei München schraubte am Mittwoch zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen seine Prognosen nach oben. “Im ersten Halbjahr hat sich unser Wachstum beschleunigt, sodass wir äußerst optimistisch in das zweite Halbjahr blicken”, sagte Firmenchef Markus Braun.

Anleger gingen dennoch auf Abstand. Die im Dax notierten Aktien rutschten um 1,5 Prozent ab und waren größter Verlierer. Die Erhöhung der Geschäftsziele sei erwartet worden, nachdem Wirecard in den vergangenen Wochen zwei wichtige Partnerschaften mit Aldi und dem japanischen Technologieinvestor Softbank vereinbart hat, sagte ein Händler. In den vergangenen drei Monaten legten die Wirecard-Aktien 19 Prozent zu, der Dax ging im selben Zeitraum um sechs Prozent zurück.

Für 2019 erwartet der 20 Jahre alte Finanzkonzern, der an der Börse mehr wert ist als die Deutsche Bank, einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 765 Millionen bis 815 Millionen Euro. Die zuletzt im Mai angehobenen Ziele für dieses Jahr sahen einen Anstieg auf 760 bis 810 Millionen Euro vor. Im kommenden Jahr solle der Umsatz bei einem erwarteten Transaktionsvolumen von mehr als 230 Milliarden Euro dann auf gut 3,2 Milliarden Euro anziehen. Bislang hatte der Konzern drei Milliarden in Aussicht gestellt. In den ersten sechs Monaten 2019 lag der Umsatz bei gut 1,2 Milliarden Euro, ein Anstieg um mehr als ein Drittel. “Wirecard ist nicht zu bremsen und präsentierte zum ersten Halbjahr abermals ein exzellentes Wachstum, das zur Gewohnheit wird und bei einigen Marktteilnehmern die Erwartungen ins Unermessliche treibt”, sagte NordLB-Analyst Wolfgang Donie.

Wachstum verspricht sich Wirecard vor allem von der Partnerschaft mit Aldi Nord und Aldi Süd. Wenn Kunden dort mit Kreditkarten oder Debitkarten wie “Visa Pay” bezahlen, sorgt Wirecard dafür, dass das Geld vom Kundenkonto bei Aldi landet - das Transaktionsvolumen geht in die Milliarden.

IN DER BRANCHE HERRSCHT GOLDGRÄBER-STIMMUNG

Wirecard wickelt für Einzelhändler, Flug- und Bahnkonzerne sowie Telekommunikationsfirmen auf der ganzen Welt Zahlungen ab und kassiert dafür Gebühren. Der Konzern setzt vor allem auf die Auswertung von Online-Bezahldaten, um Kunden Zusatzangebote wie Kredite oder Versicherungen anbieten zu können. Das über die Wirecard-Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen legte von Januar bis Juni um 38 Prozent auf 77,3 Milliarden Euro zu. Das führte zu einem um 36 Prozent höheren Betriebsgewinn von 342 Millionen Euro.

Weltweit boomt der Markt für Zahlungsdienstleistungen wie nie zuvor. Beteiligungsgesellschaften und strategische Investoren geben Milliarden aus, um Firmen aus der Branche zu kaufen. So wurde vor wenigen Tagen die Mehrheit des Heidelberger Anbieters Heidelpay für 600 Millionen Euro an den US-Investor KKR verkauft. Der Kreditkartenkonzern Mastercard legte für Teile des dänischen Zahlungsabwicklers Nets 2,9 Milliarden Euro auf den Tisch. Und eine neue Finanzierungsrunde katapultierte die Bewertung des schwedischen Zahlungsanbieter-Fintechs Klarna auf rund fünf Milliarden Euro nach oben.

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