April 28, 2020 / 6:24 AM / a month ago

Sonderprüfung bei Wirecard lässt Fragen offen - Aktie stürzt ab

A logo of Wirecard is seen on a booth at the computer games fair Gamescom in Cologne, Germany, August 22, 2018. REUTERS/Wolfgang Rattay

Frankfurt (Reuters) - Der Zahlungsdienstleister Wirecard sieht nach einer Sonderprüfung durch KPMG keinen Anlass zur Korrektur seiner Bilanzen.

“Die in Medien gemachten Vorwürfe haben sich in allen Punkten nicht bestätigt”, sagte Firmenchef Markus Braun am Dienstag. Die Wirtschaftsprüfer schafften jedoch nicht alle Vorwürfe aus der Welt. Die Veröffentlichung der Bilanz 2019 verschob Wirecard. Analysten kritisierten, dass nach wie vor viele Fragen offen seien. Wirecard sorge nicht für Vertrauen sondern schüre noch mehr Ungewissheit. Die im Dax notierten Titel brachen um mehr als 20 Prozent ein.

Nicht vollständig geklärt werden konnte unter anderem die Zusammenarbeit von Wirecard mit umstrittenen Drittpartnern im Ausland. Über sie wickelt der Konzern aus Aschheim bei München den Zahlungsverkehr in Ländern ab, in denen er über keine eigene Lizenz verfügt. Der Vorwurf in Medienberichten lautete, Wirecard habe rund die Hälfte der weltweiten Einnahmen mit drei Partnern getätigt. In dem Untersuchungsbericht erklärte KPMG nun, man könne keine Aussage darüber treffen, dass bestimmte Umsatzerlöse existierten und der Höhe nach korrekt seien. Aber auch das Gegenteil sei nicht möglich. Grund dafür sei unter anderem, dass sich notwendige Unterlagen im Besitz der Dritt-Partner befänden und deren Bereitschaft gefehlt habe, an der seit Monaten laufenden Prüfung mitzuarbeiten. Mehr als 200 Millionen Datensätze müssten in dem Zusammenhang noch analysiert werden.

Auch Wirecard selbst wird in dem 58-seitigen Bericht, der auf der Firmen-Internetseite veröffentlicht wurde, kein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Konzern habe Dokumente teilweise nicht oder erst viel später nach Anforderung geliefert. Interviews mit wichtigen Ansprechpartnern seien verschoben worden. Zudem hätten sich Schwächen bei der Dokumentation und Organisation gezeigt.

Braun hielt dagegen, dass die Prüfung wegen der schieren Menge an Daten länger gedauert habe als geplant. Eine finale Version des Abschlussberichts werde in wenigen Wochen vorliegen. Fakt sei, dass die Wirtschaftsprüfer keine belastenden Belege für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden hätten und sich keine “substanziellen Feststellungen” ergeben hätten, die zu einem Korrekturbedarf der Jahresabschlüsse von 2016 bis 2018 führten. Braun versprach, interne Prozesse und Kontrollen zu verbessern. “Wir stellen uns der Diskussion und wollen die Transparenz erhöhen”, sagte er. “In Summe haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht.”

“WIRECARD SCHEINT NOCH AUF STARTUP-NIVEAU ZU SEIN”

Analyst Mirko Maier von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zeigte sich dennoch skeptisch. “Wirecad hat nicht das geliefert, was man erwartet hat. Der Konzern scheint mit Blick auf Transparenz und Kommunikation doch noch mehr auf Startup-Niveau zu sein und ist offenbar noch nicht ganz im Dax angekommen.” Wirecard ist im September 2018 in die oberste deutsche Börsenliga aufgestiegen. NordLB-Analyst Wolfgang Donie sagte, der Zeitraum 2016 bis 2018 bleibe ein schwarzes Loch. “Ein Freispruch sieht anders aus.” Neuen Vorwürfen blieben damit Tür und Tor geöffnet.

Auch bei Tätigkeiten in Indien, insbesondere der Übernahme des Payment-Geschäfts einer dort ansässigen Unternehmensgruppe, blieben Fragen offen. Der Vorwurf lautete, Wirecard habe damals zu viel bezahlt und hinter dem Deal stehe ein Mittelsmann. KPMG erklärte in seinem Bericht, der Verkäufer habe nicht eindeutig identifiziert werden können. Eine weitere Prüfung ergebe keinen Sinne, solange dies nicht abschließend geklärt sei.

Der Aufsichtsrat von Wirecard hatte KPMG im Herbst engagiert, um die Bilanzen zu prüfen, nachdem in Berichten der “Financial Times” Vorwürfe aufgekommen waren, der Konzern habe Jahresabschlüsse bei Auslandstöchtern manipuliert. Das Ergebnis der KPMG-Prüfung wurde mehrfach verschoben und eigentlich schon für Montag erwartet. KPMG habe das Dokument aber erst am Dienstagmorgen an Wirecard übergeben, hieß es zur Begründung. Die Veröffentlichung der Bilanz 2019 finde nicht wie geplant am Donnerstag statt, sondern werde auf Mai verschoben. Braun führte das vor allem darauf zurück, dass wegen der Corona-Pandemie noch nicht alle Daten aus dem Ausland vorlägen.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below