July 15, 2020 / 4:37 PM / in a month

Lehren aus Wirecard - Wirtschaftsprüfer wollen tiefer bohren dürfen

FILE PHOTO: The logo of Wirecard AG, an independent provider of outsourcing and white label solutions for electronic payment transactions, is pictured at its headquarters in Aschheim, near Munich, Germany, July 1, 2020. REUTERS/Andreas Gebert/File Photo

München (Reuters) - Die deutschen Wirtschaftsprüfer wollen bei börsennotierten Unternehmen künftig tiefer bohren, um mutmaßlichen Bilanzbetrug wie bei Wirecard eher aufdecken zu können.

In der Abschlussprüfung könnten vermehrt forensische Methoden angewandt werden, erklärte das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW), das die Interessen der Bilanzexperten und Prüfungsgesellschaften in Deutschland vertritt, am Mittwoch. “Dabei gilt es allerdings, nicht über das Ziel hinauszuschießen”, sagte IDW-Vorstandssprecher Klaus-Peter Naumann. Finanzmanipulationen und Vermögensschädigungen aufzudecken sei schwierig und aufwendig, so dass schon konkrete Hinweise auf Betrug vorliegen müssten, um eine Prüfung mit kriminalistischen Methoden zu rechtfertigen.

Ein solches Vorgehen ist bisher nur bei Sonderprüfungen üblich. Bei normalen Abschlussprüfungen sind Wirtschaftsprüfer auf die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen angewiesen. Das IDW sieht nun Handlungsbedarf: Der Fall des mittlerweile insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard habe das Ansehen des Finanzplatzes Deutschland beschädigt, in der Öffentlichkeit werde die Rolle der Wirtschaftsprüfer hinterfragt, erklärte der Verband, der auch die Standards für die knapp 15.000 Wirtschaftsprüfer in Deutschland vorgibt.

Die Prüfungsgesellschaft EY war in die Kritik geraten, als Wirecard einräumen musste, dass rund 1,9 Milliarden Euro in der Bilanz fehlten. In den Vorjahren hatten die Prüfer die Bilanz aber jeweils testiert, obwohl vor allem das Asien-Geschäft von Wirecard in Medienberichten schon länger angezweifelt worden war. EY sieht sich als Opfer eines großangelegten Betrugs.

“Erste Ansatzpunkte für Verbesserungen sind schon jetzt gegeben - ohne damit Vorverurteilungen zu treffen”, so Naumann. Das IDW schlägt unter anderem vor, Vorstände zur Einrichtung eines wirksamen Compliance-Management-Systems zu verpflichten, das sicherstellt, dass sich das Unternehmen an alle Regeln hält. Der Aufsichtsrat müsse zudem einen Prüfungsausschuss einrichten - bei Wirecard war das erst im vergangenen Jahr geschehen.

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