November 6, 2019 / 10:38 AM / 9 days ago

Wirtschaftsweise sehen Risiken - Aber keine tiefe Rezession

German flag is seen outside the German lower house of parliament Bundestag before the election of a new chancellor in Berlin, Germany, March 14, 2018. REUTERS/Hannibal Hanschke

Berlin (Reuters) - Trotz Konjunkturflaute sehen die Wirtschaftsweisen Deutschland nicht in einem Abwärtsstrudel.

“Der Aufschwung ist beendet, bislang ist jedoch nicht von einer breiten und tiefgehenden Rezession auszugehen”, erklärten die fünf Ökonomen am Mittwoch in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Sie senkten ihre Wachstumsprognose vor allem wegen der schwächelnden Industrie für 2019 auf 0,5 (bisher: 0,8) Prozent und damit auf das gleiche Niveau wie die Bundesregierung. Für nächstes Jahr erwarten die Forscher einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,9 Prozent und sind damit einen Tick skeptischer als die Koalition.

“Ein zusätzliches Konjunkturpaket ist nicht notwendig”, heißt es in der Expertise des Sachverständigenrats mit dem Titel “Den Strukturwandel meistern”. Denn die Fiskalpolitik von Union und SPD sei bereits ausgabenfreudig. Die Schuldenbremse lasse Spielräume für mehr öffentliche Investitionen. Insgesamt machen die Experten aber “erhebliche” Risiken für die Konjunktur aus. “Insbesondere eine Eskalation der Handelskonflikte würde die exportorientierte deutsche Wirtschaft empfindlich treffen.” Wegen der trüberen Konjunktur drohen laut Wirtschaftsweisen mehr Firmenpleiten und Kreditausfälle. Im Immobiliensektor zeigen sich nach ihrer Einschätzung “bereits jetzt deutlich erhöhte Risiken”. Die Aufsicht sollte hier gegensteuern, etwa durch eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen für Immobilienkredite.

Wegen der verhaltenen Konjunkturaussichten und des Strukturwandels, der Digitalisierung und der Herausforderungen rund um den Klimawandel müsse die Politik das Wachstumspotenzial der Wirtschaft stärken, betonten die Experten. Wichtig seien Investitionen in Bildung, Forschung und Innovationen.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) wurde 1963 eingerichtet, um die Politik zu beraten. Vorsitzender ist der Essener Ökonom Christoph Schmidt, dessen Amtszeit im Februar 2020 ausläuft. Dem Gremium gehören außerdem Achim Truger, Lars Feld, Isabel Schnabel und Volker Wieland an. Auch Schnabel dürfte das Gremium bald verlassen, da die Bundesregierung sie für das Direktorium der Europäischen Zentralbank nominiert hat.

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