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Wirtschaftsnachrichten

Wirtschaftsweiser warnt vor Planwirtschaft im Corona-Kampf

A patient does a test check at a coronavirus disease (COVID-19) test center set up outside a doctor's office of a general practitioner in a tent at Berlin's Reinickendorf district, Germany, March 23, 2020. REUTERS/Fabrizio Bensch TPX IMAGES OF THE DAY

Berlin (Reuters) - Der Wirtschaftsweise Volker Wieland kritisiert die von der Politik beschlossene teilweise Lockerung der Corona-Beschränkungen.

“Es ist wichtig, nicht in eine Art Planwirtschaft zu verfallen”, sagte Wieland am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. “Es darf nicht reguliert werden, welches Unternehmen und welches Geschäft ab welchem Quadratmeter Größe jetzt wieder aufmachen darf. Statt in ein Klein-Klein zu verfallen, sind klare Regeln notwendig.” Besser sei es, eindeutige Sicherheitsvorschriften zu erlassen. “Wer die einhält, darf öffnen.” Das wäre auch ein klares Signal an diejenigen Unternehmen, die aus Sorge um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter geschlossen haben – gerade in der Industrie. “Hier muss es wieder möglich sein, den Betrieb aufzunehmen, sonst bekommen wir einen massiven Einbruch der Volkswirtschaft”, sagte der Professor.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch darauf verständigt, dass etwa Einzelhandelsgeschäfte bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche unter strengen Hygieneauflagen ab kommender Woche wieder öffnen können. Es gehe nicht zuletzt um die Einhaltung von Sicherheitsabständen, sagte Wieland. “In welchem Geschäft oder Betrieb diese besser eingehalten werden können, ist doch besser den Unternehmen zu überlassen. Der Staat kann das kontrollieren.”

“PREISSIGNAL HAT POSITIVEN EFFEKT”

Das Mitglied des Sachverständigenrates warnte zugleich davor, die Preise für dringend benötigte medizinische Ausrüstungen staatlich zu reglementieren. “Wichtige medizinische Güter wie Masken kosten derzeit ein Vielfaches von dem, was vor der Pandemie für sie verlangt wurde”, sagte er. “Diese höheren Preise bieten zugleich für die Unternehmen einen Anreiz, massiv die Produktion hochzufahren. Insofern hat das Preissignal einen positiven Effekt.” Es wäre falsch, wenn die Politik hier eingriffe. “Das wäre Planwirtschaft”, warnte Wieland. “Dann treibt man einen Teil in den Schwarzmarkt. Hohe Preise wird man am besten dadurch wieder los, indem man es zulässt, dass Unternehmen produzieren und anbieten können. Wir sollten das Preissignal nicht verteufeln.”

Wieland warnte vor schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen bei länger anhaltenden Beschränkungen. “Wir laufen Gefahr, eine Riesen-Rezession auszulösen, die alles in den Schatten stellen würde, was wir seit der Weltwirtschaftskrise gesehen haben”, betonte er. “Bei fünf Wochen Lockdown könnten wir zwar noch einigermaßen glimpflich davonkommen. Aber je länger er dauert, desto schlimmer wird es.” Irgendwann komme der Punkt, an dem viele Unternehmen pleitegehen. Das könne der Staat dann nicht mehr aufhalten. “Wir benötigen massenhaft Tests und gute Sicherheitsprodukte”, sagte Wieland. “Dafür brauchen wir eine funktionierende Wirtschaft. Die Kosten dafür sind kein Vergleich zu dem, was wir jetzt aufwenden, um die Wirtschaft am Leben zu erhalten.”

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