April 9, 2015 / 10:31 AM / 4 years ago

IfW - Bund spart durch Niedrigzinsen rund 160 Milliarden Euro

Berlin (Reuters) - Dank der niedrigen Zinsen spart Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach Berechnungen des Kieler IfW-Instituts Milliarden-Summen.

“Die Einsparungen bis ins Jahr 2030 liegen bei insgesamt 160 Milliarden Euro”, sagte IfW-Finanzexperte Jens Boysen-Hogrefe am Donnerstag. Im laufenden Jahr dürften die Minderausgaben für Kreditzinsen mit knapp 20 Milliarden Euro am höchsten sein. In ihrem Modell vergleichen die Forscher die aktuelle Zinslast mit den Kosten, die bei Fortdauer des deutlich höhere Durchschnittsniveaus der Jahre 1999 bis 2008 entstanden wären. Ein Sprecher der Deutschen Finanzagentur, die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständig ist, bezeichnete die Zahlen als hypothetisch.

“Die Finanzagentur des Bundes ist in jüngster Zeit offenbar bemüht, die Laufzeiten der öffentlichen Schuldtitel zu erhöhen und somit einen Teil des Niedrigzinsumfelds zu konservieren”, sagte Boysen-Hogrefe, der auch Mitglied im Gremium der Steuerschätzer ist. Der Anteil der 30-jährigen Anleihen steige, zugleich sänken die Anteile der zweijährigen Bundesschatzanweisungen und der Staatspapiere mit Laufzeiten von bis zu 12 Monaten. Der Sprecher der Finanzagentur sagte, dies sei nur in geringem Ausmaß der Fall. Denn der Bund verfolge die Strategie, im Portfolio Papiere mit weitgehend allen Laufzeiten zu halten, “damit man möglichst flexibel auf die Situation am Kapitalmarkt reagieren kann”. Zudem gebe es für 30-jährige Bonds auch weltweit nur einen begrenzten Markt.

Das Staatsanleihen-Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank und die niedrigen Inflationserwartungen haben die Renditen vieler Bundesanleihen seit Jahresbeginn weiter nach unten getrieben. Zehnjährige Bundesanleihen werfen nur noch eine Rendite von rund 0,16 Prozent ab, während Papiere mit fünf- sowie mit siebenjähriger Laufzeit negative Renditen aufweisen. Auch die Rendite für langlaufende 30-jährige Bundesanleihen liegt derzeit lediglich bei 0,623 Prozent.

Das IfW rechnet ab etwa 2017 mit steigenden Zinsen und erst in fünf bis acht Jahren mit einer “Rückkehr zu Normalzinsen”. “Dabei ist es wahrscheinlich, dass gerade dann die Zinslast deutlich steigen wird, wenn zeitgleich die Demografie die öffentlichen Haushalte stark belasten dürfte”, sagte Boysen-Hogrefe. Die derzeit sehr gute Lage der öffentlichen Haushalte dürfe daher nicht darüber hinwegtäuschen, dass mittel- bis langfristig spürbare Haushaltsrisiken bestünden.

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