September 26, 2012 / 3:18 PM / 8 years ago

Spaniens Bond-Rendite steigt wieder über sechs Prozent

Frankfurt (Reuters) - Zweifel am spanischen Krisenmanagement haben die europäischen Finanzmärkten am Mittwoch verunsichert.

Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Anleihe übersprang wieder die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent. Gleichzeitig verteuerten sich die Kosten für die Versicherung spanischer Verbindlichkeiten gegen Zahlungsausfall.

Der Euro fiel unterdessen auf ein Zwei-Wochen-Tief von 1,2845 Dollar. Auf ihrer Suche nach einem sicheren Hafen nahmen viele Investoren Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future stieg trotz einer als enttäuschend gewerteten Emission zehnjähriger Titel in der Spitze um einen vollen Punkt auf 141,06 Zähler. Dies ist der höchste Stand seit Anfang September.

Die Lage in Spanien scheine sich zu verschlechtern, sagte HSBC-Devisenstratege Daragh Maher. Am Vortag waren bei Protesten gegen den Sparkurs der Regierung des Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zahlreiche Menschen verletzt worden. Darüber hinaus soll im November in der autonomen Region Katalonien neu gewählt werden. Beobachter rechnen mit einer absoluten Mehrheit für die konservative Partei CiU, wodurch die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens, das ein Fünftel zur spanischen Wirtschaftsleistung beiträgt, neuen Auftrieb erhalten könnten.

Die Verunsicherung der Investoren spiegelte sich auch in den Kursen für Credit Default Swaps (CDS) wider. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets spanischer Staatsanleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 18.000 auf 387.000 Euro.

FREIWILLIG ODER UNFREIWILLIG?

Rajoy betonte, sein Land werde nur dann unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen, wenn die Zinsen zu lange zu hoch seien. Anleger werteten dies als Zeichen dafür, dass Spanien erst dann nachgeben werde, wenn es dazu gezwungen sei. Bislang hat das Land lediglich Geldspritzen für seinen maroden Bankensektor beantragt.

An den Finanzmärkten steige die Ungeduld, schrieben die Analysten der National-Bank in einem Kommentar. “Da hilft es wenig, dass der deutsche Finanzminister die Auffassung vertritt, Spanien müsse gar nicht unter den Rettungsschirm. Der Markt sieht das wohl anders.”

Die Rendite der zehnjährigen spanischen Bonds stieg am Mittwoch auf 6,042 Prozent, nachdem sie in Reaktion auf die Ankündigung unbegrenzter Käufe von Anleihen kriselnder Euro-Staaten durch die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang des Monats auf bis zu 5,580 Prozent gefallen waren.

DEUTSCHLAND UND ITALIEN BEGEBEN NEUE ANLEIHEN

Bei der Emission zehnjähriger Bundesanleihen platzierte die Finanzagentur statt des angepeilten Volumens von fünf Milliarden lediglich Papiere im Wert von 3,2 Milliarden Euro. “Das zeigt deutlich, dass die Anleger bei diesem Renditeniveau Käufe scheuen”, sagte Zinsstratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. Mit 1,52 Prozent liegt die Rendite unter der Inflationsrate.

Für Annalisa Piazza, Volkswirtin des Brokerhauses Newedge, war auch der überdurchschnittliche “Tail” enttäuschend. Darunter verstehen Börsianer die Spanne zwischen dem durchschnittlichen und dem niedrigsten akzeptierten Gebotspreis. Dies deutet darauf hin, dass einige Investoren versucht haben, den Preis zu drücken. Die Rendite der bereits gehandelten zehnjährigen Bundesanleihen ging bis Mittwochmittag dennoch auf 1,514 Prozent zurück.

Italien platzierte am Vormittag kürzer laufende Titel im Volumen von neun Milliarden Euro. Dabei fielen die Renditen der emittierten sechsmonatigen Titel auf 1,503 Prozent. Dies ist den Angaben zufolge der niedrigste Stand seit März.

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