October 22, 2008 / 1:37 PM / 12 years ago

Finanzkrise erreicht Devisenmarkt - Euro stürzt ab

Frankfurt (Reuters) - Die Finanzkrise wirbelt den Währungsmarkt immer stärker durcheinander.

Der Euro stürzte am Mittwoch um drei Cent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 1,2743 Dollar ab. Bis zum Mittag stabilisierte sich der Kurs zwar bei 1,2850 Dollar. Doch notierte die Gemeinschaftswährung damit immer noch mehr als 30 US-Cent unter dem erst Mitte Juli erreichten Rekordhoch von 1,60 Dollar. Solche Kursbewegungen in so kurzer Zeit sind am Devisenmarkt unüblich. Analysten vermuten dahinter vor allem den extrem hohen Liquiditätshunger vieler US-Anleger. Daneben gebe es aber auch hausgemachte europäische Probleme.

“Generell sehen wir nicht unbedingt eine Stärke des Dollar”, erklärt Dresdner-Bank-Volkswirt Rolf Schneider. “Vielmehr sind die jüngsten Kursentwicklungen eher darauf zurückzuführen, dass amerikanische Investoren Gelder repatriieren, weil sie Liquidität brauchen.” Börsianer sehen das ähnlich: “Die Amerikaner ziehen seit Lehman Brothers überall Geld ab.” Als die ehemals renommierte US-Investmentbank Mitte September zusammenbrach, notierte der Euro noch über 1,40 Dollar. “Viele vermögende Amerikaner ziehen Gelder ab. Das ist reiner Patriotismus: Die sagen sich, wenn schon Geld verlieren, dann wenigstens vor der eigenen Haustür”, erklärte ein anderer Aktienhändler.

Der Chefstratege der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, spricht von der “aggressiven Auflösung” der auf Zinsdifferenzen beruhenden Carry Trades. So hatten sich viele Anleger im niedrig verzinsten Yen verschuldet, um die Gelder dann in höher verzinsten Währungen anzulegen. “Wir haben ungefähr 8000 Hedgefonds weltweit, die haben mit Verlusten bei ihren Vermögenswerten zu kämpfen - bei einem oft sehr hohen Hebelgrad”, schlägt Stefan Schilbe, Chefanalyst bei HSBC-Trinkaus in die gleich Kerbe: “Die müssen einfach Vermögenswerte verkaufen, um ihre Verluste auszubügeln.” Letztlich würden Dollar-Schulden getilgt.

Händler vermuten, dass der Kurseinbruch durch die geringe Liquidität an den Märkten noch verstärkt wird. Von der Auflösung der Carry Trades profitiert derzeit der Yen. Der Euro fiel beim Referenzkursverfahren der Banken (EuroFX) auf 126,93 Yen von 133,64 Yen am Vortag. Damit notierte er so niedrig wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.

BAYERNLB UND SARKOZY BELASTEN EURO

Die Nachricht, dass der Bayern LB im Zuge der Island-Probleme weitere Verluste drohen, spreche zudem nicht gerade für den Euro. Dies zeige, dass die Krise immer weitere Kreise ziehe, erklärte ein Börsianer. Zum anderen seien Vorschläge zur Verstaatlichung französischer Schlüsselindustrien durch Frankreichs Präsidenten und derzeitigen EU-Ratspräsidenten Nicolas Sarkozy nicht gut aufgenommen worden.

Die Wahrnehmung, dass die Euro-Zone erst am Beginn eines kräftigen Abschwungs steht, “haben den Euro butterweich geklopft”, führt Unicredit-Analyst Armin Mekelburg aus. “Die ganze Misere nahm in den USA ihren Anfang und letztlich profitiert wenige Monate später die Landeswährung auf breiter Front, weil man davon ausgeht, dass die USA das Rezessionstal als erste wieder verlassen.” Ähnlich sieht das Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: “Im Euroraum werden die Wachstumsprognosen nach unten revidiert, in den USA sind sie dagegen schon am Boden.”

Die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise setzt seit Tagen auch die Währungen in Mittel- und Osteuropa unter Druck. Ungarns Notenbank stemmte sich am Mittwoch mit einer drastischen Zinserhöhung um 300 Basispunkte auf 11,5 Prozent gegen die Abwertung der Landeswährung Forint. Diese hat seit Monatsbeginn 15 Prozent verloren.

Neben dem Euro steht vor allem auch das britische Pfund massiv unter Druck. Nach Einschätzung von Notenbank-Chef Mervyn King steht Großbritannien am Rande der ersten Rezession seit 16 Jahren. So stürzte auch das Pfund zur US-Währung auf ein Fünf-Jahres-Tief von fast 1,62 (Vortag 1,67) Dollar ab. Die EZB-Referenzkurs für den Euro brach zur Wochenmitte auf 1,2843 Dollar von 1,3184 Dollar am Vortag ein.

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