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Inlandsnachrichten

Forderung nach politischen Konsequenzen aus Amoklauf

A student mourns at the Albertville-Realschule school where a shooting incident took place in Winnenden March 12, 2009. A 17-year-old in black combat gear killed 15 people in southwest Germany on Wednesday in a shooting spree that started at his former school. The gunman, identified by police as Tim Kretschmer, entered the school in the town of Winnenden at about 9.30 a.m. and began firing with a 9-mm Beretta pistol at students in a classroom. REUTERS/Fabrizio Bensch

Berlin (Reuters) - Nach dem Amoklauf in Winnenden mit 16 Toten mehren sich die Rufe nach politischen Konsequenzen, um ähnliche Taten zu verhindern.

Im Mittelpunkt der Debatte standen Zugangskontrollen an Schulen und ein Verbot von Killerspielen. Überwiegend skeptisch reagierten Innenpolitiker auf Forderungen nach weiterer Verschärfung des Waffenrechts.

Als Zeichen der Trauer waren in Deutschland die Fahnen am Donnerstag auf Halbmast geflaggt. Am Wochenende werden die Fußballer der ersten und zweiten Bundesliga mit Trauerflor auflaufen. Kriminologen warnten vor Nachahmungstätern. In Freiburg wurde eine Schule nach einer Bombendrohung geräumt. Gefunden wurde allerdings nichts.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy, forderte den Einsatz von Metalldetektoren an Schulen, in denen sich bekanntermaßen Waffen im Umlauf befänden. Allerdings wandte sich der SPD-Politiker in der Zeitung “Die Welt” gegen einen flächendeckenden Einsatz solcher Detektoren. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sprach sich dafür aus, Gewalt-Computerspiele vom Markt zu nehmen. Es kursierten Killerspiele, die völlig unerträglich seien und bei jungen Menschen offenkundig die Hemmschwelle herabsetzten, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, warnte ebenso wie Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach davor, die Schulen zu Sicherheitsburgen zu machen. Beide sprachen sich für Zugangskontrollen aus. Als Vorbild dafür nannte Freiberg im NDR große Betriebe, in die zum Einlass eine Chipkarte oder ein Ausweis erforderlich sei. Bosbach sagte Reuters TV: “Die Stichworte sind da Personenkontrollen, also Zugangskontrollen, auch Taschenkontrollen.”

LEHRERVERBÄNDE: MEHR PSYCHOLOGEN STATT DETEKTOREN

Der Deutsche Philologenverband warnte hingegen, weder Videoanlagen und Sicherheitsschleusen noch Eingangskontrollen und Detektoren könnten für mehr Sicherheit an Schulen sorgen. Es gebe keine Patentrezepte, sagte der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Die Lehrergewerkschaften forderten den verstärkten Einsatz von Schulpsychologen. Im internationalen Vergleich sei die Ausstattung der deutschen Schulen mit Psychologen katastrophal, sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thörne der “Thüringer Allgemeinen”.

Überwiegend skeptisch äußerten sich Politiker und Experten zu Änderungen am Waffenrecht, das bereits nach dem Amoklauf von Erfurt vor sieben Jahren verschärft worden war. Herrmann sagte, das Waffenrecht müsse im engsten Familienkreis konsequent umgesetzt werden. Im Fall Winnenden hätte der Sohn keinen Zugang zu den Waffen des Vaters haben dürfen. Auch Bosbach warnte davor, aus der Hüfte Entscheidungen zu treffen. “Im Nachttischschränkchen hat keine Schusswaffe etwas zu suchen”, sagte der CDU-Politiker.

Der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung, Hans-Dieter Schwind, verwies hingegen darauf, Schätzungen zufolge seien in Deutschland zehn Millionen legale und rund 20 Millionen illegale Waffen im Umlauf. Daher sei ein schärferes Waffenrecht angebracht. Computer-Gewaltspiele müssten komplett verboten werden. Dass der 17-jährige Tim Kretschmer auf der Flucht weiter um sich geschossen habe, sei ein Verhalten, das Jugendliche in Spielen wie “CounterStrike” lernen könnten, sagte er der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Nach Angaben des Waiblinger Polizeichefs Ralf Michelfelder waren auf dem Computer des Täters “CounterStrike” und andere Spiele installiert, “die in das Raster eines Amokläufers passen”.

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