for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Inlandsnachrichten

Guttenberg spricht von Krieg in Afghanistan

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg während einer Pressekonferenz in Bonn am 4. April 2010. REUTERS/Wolfgang Rattay

Berlin (Reuters) - Nach den jüngsten Gefechten in Afghanistan hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Kritik an der Strategie der Bundesregierung und Forderungen nach einem Rückzug aus Afghanistan zurückgewiesen.

Der Einsatz am Hindukusch sei und bleibe gefährlich, aber auch alternativlos, sagte der Minister am Sonntag in Bonn. “Auch wenn es nicht jedem gefällt, so kann man angesichts dessen, was sich in Teilen Afghanistans abspielt, umgangssprachlich von Krieg reden”, sagte der CSU-Politiker. Zugleich wiesen er und Generalinspekteur Volker Wieker Vorwürfe zurück, die Bundeswehr sei in Afghanistan schlecht ausgerüstet. Neben der Linkspartei forderten Zehntausende Teilnehmer an den Ostermärschen sowie die im Arbeitskreis Darmstädter Signal zusammengeschlossenen Offiziere und Unteroffiziere den sofortigen Abzug der Bundeswehr.

Guttenberg verurteilte den Hinterhalt der Taliban, bei dem am Karfreitag drei Bundeswehrsoldaten getötet und acht weitere zum Teil schwer verletzt worden waren, als perfide Tat. Dass der Anschlag offenbar bewusst an einem der höchsten christlichen Feiertage verübt wurde, sei eine “Verhöhnung fremder Kulturen”.

Wenige Stunden nach dem Anschlag töteten Bundeswehrsoldaten in der Nähe des Gefechtsorts irrtümlich sechs afghanische Soldaten, die in ihren Fahrzeugen nicht auf die Aufforderung der Deutschen reagiert hatten anzuhalten. Dafür entschuldigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Guttenberg. Die Bundeswehr müsse alles unternehmen, damit ein solches Aufeinandertreffen Verbündeter vermieden werde, sagte der Minister. “In Situationen, die man als kriegsähnlich oder umgangssprachlich als Krieg bezeichnen mag, ist es nie ausgeschlossen, dass es eben auch zu solchen alles andere als wünschenswerten Situationen kommt”, sagte er. Bundeswehr, Nato und das afghanische Verteidigungsministerium untersuchen den Vorfall.

Die deutschen Toten, die einer Fallschirmjägereinheit aus dem niedersächsischen Seedorf angehörten, waren am Sonntag nach einer kurzen Trauerfeier im Feldlager Kundus an Bord der Maschine von Entwicklungsminister Dirk Niebel nach Deutschland gebracht worden. Niebel hatte auch an der Zeremonie in Kundus teilgenommen, in der auch der von der Bundeswehr getöteten sechs Afghanen gedacht worden war. Schon am Samstag waren vier schwer verletzte Soldaten nach Deutschland ausgeflogen worden. Sie werden im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz behandelt.

GUTTENBERG: BLEIBEN IN AFGHANISTAN

Der Minister lehnte Forderungen nach einem sofortigen Rückzug der Bundeswehr ab. “Wir bleiben in Afghanistan”, sagte Guttenberg, der nach den Kämpfen seinen Osterurlaub abgebrochen hatte und aus Südafrika nach Deutschland zurückgekehrt war. Ziel bleibe die Schaffung von mehr Sicherheit in der Region. “Ein implodierendes, sich selbst überlassenes Afghanistan” hätte Auswirkungen auf die benachbarte Atommacht Pakistan, auf den Iran und auf ganz Zentralasien. Zwar müsse es eine Abzugsperspektive geben, aber die Afghanistan-Strategie könne nicht darin bestehen, dass man “Hals über Kopf das Land verlässt”.

Zugleich wiesen Guttenberg und Generalinspekteur Wieker Kritik zurück, die Bundeswehr in Afghanistan sei schlecht ausgerüstet. Unter anderem der frühere Generalinspekteur Harald Kujat hatte bemängelt, die Soldaten seien nicht mit den nötigen modernen Systemen ausgestattet, um die Handlungen der Taliban besser erfassen und einschätzen zu können. Auch sei die neue Strategie der Regierung, mehr Ausbildung und weniger Kampftruppen, der falsche Ansatz, sagte Kujat der “Welt am Sonntag”. Guttenberg sagte, die neue Strategie werde gerade erst umgesetzt und könne daher nicht als Begründung für die Anschläge herangezogen werden. Auch sei die Truppe gut und mit modernstem Gerät ausgerüstet. “Man sollte mit pauschalen Urteilen darüber, was fehlt, sehr zurückhaltend sein”, sagte er. Wieker ergänzte, über dem Kampfgebiet seien zwei Luftaufklärer im Einsatz gewesen. Allerdings habe schlechtes Wetter wie Sandstürme deren Arbeit beeinträchtigt.

Hingegen unterstützte der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe die Forderung Kujats. Es sei offensichtlich, dass die Bundeswehr zusätzliche Bewaffnung am Hindukusch brauche, sagte der CDU-Politiker der “Bild”-Zeitung laut Vorabbericht vom Montag. Guttenberg sollte einen “Rat ehemaliger Generalinspekteure” einberufen, um erfahrene Ex-Militärs in die Diskussion um eine bessere Bewaffnung einzubeziehen.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up