for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Inlandsnachrichten

Secusmart-Chef warnt vor IT-Illusionen in Deutschland

Berlin (Reuters) - Die Aufregung war programmiert: Der Chef des Düsseldorfer Technologie-Unternehmens Secusmart hat früh geahnt, dass der Verkauf seiner Firma an den kanadischen Smartphone-Hersteller Blackberry die deutsche Politik aufschrecken würde.

Denn in der aufgeheizten Debatte über Abhöraktionen des US-Geheimdienstes NSA hatte ausgerechnet Secusmart auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem abhörsicheren Smartphone mit Verschlüsselungstechnologie ausgestattet - und dann kräftig mit dem “Merkel-Handy” geworben.

Deshalb bemüht sich Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle im Reuters-Interview vor allem um eins: die Versicherung, dass Merkel auch nach einem Verkauf an die Kanadier unbesorgt telefonieren kann. “An der Sicherheit des ‘Merkel-Phones’ und der an den Bund gelieferten Telefonen ändert sich gar nichts”, betont Quelle im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bedenken einiger deutscher Politiker führt er eher auf mangelnde technische Kenntnisse und Illusionen der Politik zurück.

“In Deutschland wird der Mythos einer völligen digitalen Souveränität gepflegt”, sagt Quelle. Doch ein kleines Unternehmen wie Secusmart müsse über die Grenzen schauen und brauche den Weltmarkt. Unter den fünfzig Mitarbeitern seien fast 40 Entwickler, aber nur drei Vertriebsexperten. “Unser Produkt muss weltweit verkauft werden, damit der nötige hohe Entwicklungsaufwand irgendwie zurückgewonnen werden kann”, sagt der Secusmart-Chef. “Das geht auf einem Markt wie Deutschland nicht, weil er einfach zu klein ist. Wir haben in diesem Jahr hierzulande weniger als 1000 sichere Handys verkauft.”

Die Idee, nach der Aufregung über das massenhafte Ausspionieren nun eine IT-Sicherheitskette nur mit deutschen Firmen zu schaffen, sei schlicht unrealistisch. “Es wäre ja vielleicht schön, wenn alles in Deutschland bliebe. Aber die Zeiten sind vorbei. Es geht nun mal nicht”, sagt Quelle und verweist darauf, dass es nur noch internationale Smartphone-Hersteller als mögliche Partner gebe. In Deutschland gebe es trotz aller politischen Appelle immer noch nicht das richtige Umfeld für die Expansion wichtiger IT-Firmen, es fehlten Geldgeber.

Schon der CDU-Netzexperte Thomas Jarzombek hat in dieser Woche darauf verwiesen, dass in Deutschland gerne Sonntagsreden über IT-Sicherheit geschwungen würden, aber keiner mehr Geld dafür in die Hand nehmen wolle. Quelle bestätigt das: “Wir sind in den vergangenen Monaten von verschiedenen Seiten angesprochen worden, ob wir verkaufen wollten”, sagt der Secusmart-Chef, “Aber es war kein einziger deutscher Interessent darunter. Es waren nur Firmen und Finanzinvestoren aus dem Ausland.” Das vor sechseinhalb Jahren gegründete Unternehmen schreibt nach eigenen Angaben seit 2009 schwarze Zahlen und setzte im vergangenen Jahr rund sieben Millionen Euro um. Über den Verkaufspreis schweigen sich Secusmart und Blackberry aus.

Entscheidender Punkt für die von dem Firmenchef erwartete Genehmigung der Übernahme sei, dass deutsche Sicherheitsinteressen nicht berührt würden. “Die ganzen Geheimnisse stecken nur in der Micro-SD, dem smart-card-chip, den das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entwickelt hat und uns liefert”, betont Quelle. Darauf hätten weder Secusmart noch Blackberry Zugang. Weil der Krypto-Schlüssel für eine sichere Kommunikation nur bei den Endkunden, nicht aber bei Secusmart liegen, sei es auch kein Sicherheitsrisiko, wenn der Käufer aus Kanada komme. Kanada gehört zu den sogenannten “five eyes”-Ländern, deren Geheimdienste mit den USA intensiv Daten austauschen.

Blackberry kaufe Secusmart deshalb, weil das Unternehmen selbst den Kunden mehr Sicherheit verkaufen wolle. Man ziele dabei auf das Geschäft mit Regierungen weltweit und auf eine Verschlüsselung der Telefonate für Unternehmen. Im Spätherbst wolle Secusmart zusammen mit Vodafone auch einen sogenannten ‘secure voice’- Dienst in Deutschland starten, der plattformunabhängig sichere Sprachkommunikation anbieten soll.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up