for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Inlandsnachrichten

Bundeswehr erwägt nach G36-Mängeln Kauf anderer Gewehre

A German Bundeswehr army soldier with the Charlie company of the Quick Recation Unit (QRU) fires his G36 assault rifle during a drill to prepare for their mission at the combat outpost OP North, near Baghlan, northern Afghanistan, December 5, 2012. REUTERS/Fabrizio Bensch (AFGHANISTAN - Tags: MILITARY CONFLICT) - RTR3B8II

Berlin (Reuters) - Die Zukunft des G36 als Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr steht wegen technischer Mängel infrage.

“Das G36 hat offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen, aber auch im heißgeschossenen Zustand”, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Montag unter Berufung auf erste Bewertungen von Experten, die das von Heckler & Koch gebaute Gewehr nach Mängelberichten geprüft hatten. In den kommenden Tagen werde Generalinspekteur Volker Wieker eine Weisung erlassen, wie die Truppe die Waffe weiternutzen könne und auf welchen Ausrüstungsmix die Soldaten im Einsatz achten sollten. Sobald der Abschlussbericht der Experten vorliege, werde das Ministerium weitere Konsequenzen ziehen. “Das schließt auch die Frage ein, ob und inwieweit die Truppe auf mittlere Sicht mit einem anderen Sturmgewehr ausgerüstet werden muss.”

Generalinspekteur Wieker unterrichtete die Obleute vom Verteidigungs- und Haushaltsausschuss des Bundestags sowie die Truppe. Den Experten zufolge sei die Treffungenauigkeit beim G36 signifikant größer als bei den untersuchten Vergleichswaffen, teilte er den Soldaten mit. Das G36 sei damit eindeutig Teil des Problems - und nicht nur die Munition oder sonstige Faktoren. Die Mängel seien mit allen untersuchten Munitionsarten und Lieferchargen festgestellt worden.

Die Untersuchungen zeigten damit eindeutig eine “Fähigkeitslücke in einem bestimmten Szenario auf”, erklärte Wieker. Die Probleme träten bei hohen Temperaturen, aber auch bei heißgeschossenen Waffen auf. Für eine Übergangszeit könne das Gewehr nach Einschätzung des Heeres aber weitergenutzt werden. Die Temperatur-Probleme sind für die Truppe besonders gravierend, da sich ein Großteil ihrer Einsätze in heißen Regionen wie Afghanistan, Mali oder am Horn von Afrika abspielt. Bundeswehr-Patrouillen in Afghanistan waren in der Vergangenheit allerdings nicht nur mit dem G36, sondern auch mit anderen Gewehren wie dem älteren G3 oder dem neueren G28 ausgerüstet.

GRÜNEN-POLITIKER LINDNER SPRICHT VON SUPER-GAU

Der Grünen-Verteidigungssexperte Tobias Lindner sprach von einem Super-GAU für die Bundeswehr. “Anders als bei anderen Waffensystemen betreffen die Probleme mit dem G36 nicht nur einzelne Verbände, sondern nahezu alle Soldatinnen und Soldaten”, erklärte Lindner. Die Liste der Desaster im Rüstungsbereich werde damit um einen besonders sensiblen Punkt länger. Von der Leyen müsse nun endlich andere Prioritäten setzen. “Während die Ministerin gerne über europäische Drohnenprogramme oder ein neues Luftabwehrsystem spricht, zeigen die Probleme bei der Bekleidung und nun beim Standardgewehr G36, dass es in der Bundeswehr bei den einfachsten Teilen der Grundausrüstung massive Probleme gibt”, kritisierte der Grünen-Politiker.

Nach teils widersprüchlichen Berichten zu Mängeln beim G36 hatte von der Leyen 2014 eine umfassende Untersuchung des Gewehrs angeordnet. Die Tauglichkeits-Prüfung nimmt eine Expertenkommission vor, an der Fachleute des Fraunhofer-Instituts, des Bundesrechnungshofes und der Bundeswehr beteiligt sind. “Der Abschlussbericht steht noch aus, aber die bisher vorliegenden Bewertungen weisen in eine eindeutige Richtung”, erklärte von der Leyen. Es sei gut, dass nun viele Fakten auf dem Tisch lägen. “Gut ist aus heutiger Sicht auch, dass im engen Einvernehmen mit dem Parlament bereits im Sommer 2014 alle weiteren G36-Beschaffungen gestoppt wurden”, fügte die CDU-Politikerin hinzu.

Das G36 hatte bei der Bundeswehr ab 1997 das ältere G3 als Standard-Waffe abgelöst. Nach Angaben des deutschen Militärs nutzen auch die Streitkräfte Spaniens, Lettlands und Litauens das Gewehr zu diesem Zweck. Der G36-Produzent Heckler & Koch ist hoch verschuldet und steht daher ohnehin unter Druck.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up