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Wirtschaftsnachrichten

Bundesregierung demonstriert in Finanzkrise Gelassenheit

Berlin/Jerusalem (Reuters) - Die Bundesregierung demonstriert angesichts der Kursrutsche an den Finanzmärkten Gelassenheit.

“Es gibt keinen Anlass zur Panik”, sagte ein Regierungssprecher am Montag in Berlin. Wirtschaftsminister Michael Glos sagte in Jerusalem, es gebe derzeit auch keinen Grund für ein Sondertreffen der Industrieländergruppe G7. Sein Ministerium bekräftigte, die deutsche Wirtschaft werde trotz der Turbulenzen in diesem Jahr um 1,7 Prozent wachsen. Einer Umfrage zufolge teilen viele deutsche Spitzenmanager diese Sicht.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte, die Unterschiede in der Konjunkturentwicklung und bei der Finanzmarktstabilität zwischen den USA und Deutschland sowie der Euro-Zone seien gravierend. Glos’ Sprecherin ergänzte, der Auftragsbestand und die Kapazitätsauslastung der deutschen Wirtschaft seien nach wie vor hoch. Deutschland versendet rund zehn Prozent seiner Exporte in die USA, das Gros der Ausfuhren geht in andere EU-Staaten.

Der Dax beschleunigte am Montag vor Börsenbeginn in den USA seine Talfahrt und verlor bis Mittag 4,4 Prozent. Mit 6167 Punkten lag der Leitindex so niedrig wie zuletzt im Herbst 2006. Der Dax folgte den schwachen Vorgaben aus den USA, wo sich an der Wall Street ein Einbruch abzeichnete.

Glos sagte Reuters am Rande der deutsch-israelischen Regierungskonsultationen, ein G7-Gipfel sei nicht notwendig. Ähnlich äußerte sich auch Steg. Kanzlerin Angela Merkel halte sich aber auf dem laufenden und spreche mit ihren Kollegen über die Entwicklung an den Märkten. Die Abschreibungswelle bei US-Banken in Folge der Krise an den Hypothekenmärkten hatte vergangene Woche mit einer Rettungsaktion für die Investmentbank Bear Stearns einen neuen Höhepunkt markiert. Überall auf der Welt kamen daraufhin die Aktien von Geldhäusern unter Druck.

Glos sagte, er habe den Eindruck, die US-Notenbank Fed habe die Lage “weitgehend unter Kontrolle”. Er hoffe, dass sie die Märkte beruhige. Die Fed hatte am Sonntag den für die Kosten von Krediten zwischen den Banken maßgeblichen Diskontsatz um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt. Am Dienstag wird sie nach Erwartung der Finanzmärkte auch den Schlüsselzins weiter senken.

Wann die Banken alle ihre Risiken auf den Tisch gelegt haben, sei schwierig zu sagen, erklärte ein Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück. Möglicherweise habe man “bei der einen oder anderen Bank noch nicht das Ende des Tunnels gesehen”. Es gebe aber derzeit “überhaupt keine Anzeichen”, dass der deutsche Finanzmarkt zusätzlich belastet werde. Auch bei der mehrfach von Staat und Kreditwirtschaft gestützten Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB gebe es zurzeit keine neue Lage.

Zumindest bis kurz vor der Zuspitzung der Krise hatten auch die Spitzen der Wirtschaft ihre Auswirkungen relativ gelassen beurteilt. Sechs von zehn Managern erklärten in einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die deutsche Wirtschaft sei “weniger stark oder gar nicht betroffen”. 70 Prozent der im Auftrag der Zeitschrift “Capital” Befragten äußerten allerdings, den Banken stehe das Schlimmste noch bevor. Die Konjunktur beurteilten die Spitzenmanager überwiegend zuversichtlich.

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