April 12, 2008 / 12:49 PM / in 12 years

Gabriel: Biosprit-Ziel trotz hoher Nahrungsmittelpreise machbar

Brdo (Reuters) - Trotz der weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise steht das Ziel der EU, mehr Kraftstoff aus Pflanzen zu gewinnen, nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nicht in Frage.

Doch müssten Standards gesetzt werden, um einen Konflikt zwischen Biospritproduktion einerseits und Nahrungsmittelversorgung sowie Umweltschutz andererseits zu vermeiden. “Wir können die zehn Prozent in der Europäischen Union mit Rohstoffen abdecken, die nicht zu Nahrungsmittelkonkurrenzen führen und die nicht aus Regenwäldern kommen”, sagte Gabriel am Samstag bei einem Treffen der EU-Umweltminister im slowenischen Brdo.

Die EU will bis 2020 den Anteil von Biokraftstoff auf zehn Prozent steigern. Die dazu geplante Regelung gehört zu dem Gesetzespaket, mit dem Europa eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen will. Oberstes Ziel ist eine Reduktion des Ausstoßes von klimaschädlichem Treibhausgas um 20 Prozent bis zum Jahr 2020.

Die zunehmende Verarbeitung von Weizen, Mais, Zucker oder Palmöl zu Biosprit wird aber als eine Ursache der weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise gesehen. Denn damit steigt die Nachfrage nach den Nahrungsmitteln noch mehr, die ohnehin schon vom zunehmenden Wohlstand in aufstrebenden Ländern die China oder Indien angetrieben wird. In Brasilien und Asien werden außerdem Wälder gerodet, um Agrarflächen zu gewinnen. Nach einem Bericht der Welternährungsorganisation ist inzwischen in fast 40 Ländern Afrikas und Asiens die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ernsthaft bedroht. In Haiti kam es wegen der Preisexplosion bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen vergangene Woche vier Menschen ums Leben kamen. Der britische Premierminister Gordon Brown forderte ein gemeinsames Vorgehen der internationalen Gemeinschaft gegen die Krise und rief dazu auf, den Einfluss der Biospritproduktion zu untersuchen.

Nach Ansicht Gabriels können die Agrarkraftstoffe aber nicht für die Verteuerung von Getreide verantwortlich gemacht werden. “Die große Konkurrenz findet nicht statt zwischen Biomasse zur Energiegewinnung und Nahrungsmitteln, sondern zwischen Futtermitteln und Nahrungsmitteln”, sagte er. Der wachsende Wohlstand weltweit führe dazu, dass mehr Anbauflächen für Tierfutter genutzt würden. Doch bisher seien die Europäer “zu faul und zu feige”, sich dem Konflikt von Futtermittel- und Nahrungsmittelanbau zu stellen. “Wir brauchen Anbaustandards auch für den Futteranbau, weltweit oder zumindest in Europa.”

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