April 9, 2010 / 3:26 PM / in 10 years

Euro-Länder einig über Zins für Griechenland-Hilfen

EU-Flagge vor der Akropolis in Athen am 5. März 2009. REUTERS/John Kolesidis

Athen/Brüssel/Paris/Berlin (Reuters) - Die Euro-Staaten haben sich nach Informationen aus EU-Kreisen auf eine Zinshöhe für mögliche Hilfskredite an Griechenland geeinigt.

Der Zins sei in etwa so hoch wie bei Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF), sagte ein mit den Beratungen Vertrauter der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag in Brüssel nach einem Treffen von Experten der Euro-Staaten. Nach Reuters-Berechnungen wäre das eine Rate von rund fünf Prozent, was zumindest gegenüber dem aktuellen Marktzins von über sieben Prozent eine Erleichterung wäre. Zuvor hatten die großen Euro-Länder Griechenland erneut demonstrativ den Rücken gestärkt, indem sie ihre Solidarität bekräftigten.

Der Euro>EUR=> legte um fast einen Cent zu auf Kurse bei 1,3480 Dollar, denn die Anleger sahen die Auszahlung von Hilfen an Griechenland nun näher rücken. Auch die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagentur Fitch auf die Note “BBB-“ konnte den Kursanstieg nur vorübergehend dämpfen. Die Agentur bewertete den Ausblick für das hochverschuldete Land zudem auf negativ, weil sich die Wirtschaftslage verschlechtere und die Zinslast wachse.

Der EU-Vertreter sagte, für Kredite bis zu drei Jahren Laufzeit werde der Zinssatz von Sonderziehungsrechten des IWF zuzüglich 300 Basispunkten und weiteren 50 Basispunkten Sonderaufschlag verlangt. Volumen und Laufzeiten von Krediten würden erst von der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission festgelegt, sobald Griechenland um Hilfe gebeten habe. Das war am Freitag nicht der Fall. Denn die Regierung in Athen will trotz der stark gestiegenen Marktzinsen auf ihre Staatsanleihen die Hilfskredite bisher nicht in Anspruch nehmen. “Wir haben gesagt, dass Griechenland keine Absicht hat, diesen Mechanismus zu nutzen”, erklärte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou in Athen.

Trotz aller politischen Vertrauensbekundungen waren die Risikoaufschläge auf griechische Staatsanleihen diese Woche mehrmals auf ein neues Rekordhoch geklettert. Angesichts des täglich wachsenden Drucks an den Märkten betonten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi nach einem Treffen in Paris, die Euro-Länder seien jederzeit zu der Ende März beschlossenen Hilfe bereit. “Ich rate niemandem, daran zu zweifeln, dass dieses Sicherheitsnetz auch bereitsteht und im Notfall auch kurzfristig angewandt wird”, sagte auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Der Zinsabsand griechischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen verringerte sich weiter, doch der Marktzins lag mit 7,1 Prozent noch immer fast 400 Basispunkte über dem der deutschen Staatspapiere. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte dem Österreichischen Rundfunk, die derzeit hohen Zinsen seien für Griechenland auf Dauer nicht zu bewältigen. Die griechische Schuldenagentur kündigte an, am Dienstag eine Auktion für Staatspapiere mit sechs und zwölf Monaten Laufzeit über insgesamt 1,2 Milliarden Euro auszuschreiben. Die Zuteilung wäre am Freitag, wenn die Gruppe der Euro-Finanzminister in Madrid zu ihrem informellen Treffen zusammenkommt.

Die Euro-Staaten hatten sich Ende März nach wochenlanger Blockade Deutschlands darauf geeinigt, dass Griechenland im äußersten Notfall auf ein Kreditpaket des IWF und der Euro-Staaten zurückgreifen kann. Nach der Einigung über die Zinshöhe bleiben andere wichtige Fragen offen. So ist unklar, unter welchen Umständen der Notfallplan greifen würde. Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums bekräftigte, es gebe keinen Handlungsbedarf. “Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass Griechenland die Refinanzierung seiner Schulden gelingen wird.”

In Griechenland bereitet die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes unterdessen einen weiteren Streiktag gegen das drakonische Sparprogramm vor. Die Kürzungen gingen zulasten der Armen und schonten diejenigen, die für die Krise verantwortlich seien, sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft Adedy, Ilias Iliopoulos. Konjunkturelle Bremsspuren des harten Sparkurses machten sich auch in der Industrie bemerkbar. Im Februar brach die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe um 9,2 Prozent ein. Die Firmen machten die Sparmaßnahmen wie etwa die höhere Mehrwertsteuer für die Geschäftseinbußen verantwortlich.

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