April 2, 2012 / 3:18 PM / 8 years ago

Trotz Atomausstiegs sinkt deutscher Treibhausgas-Ausstoß

Berlin (Reuters) - Trotz des Atomausstiegs haben Industrie und Energieversorger im vergangenen Jahr weniger Kohlendioxid (C02) in die Atmosphäre geblasen als 2010.

Der Ausstoß des Treibhausgases wurde auch nicht wie sonst üblich vom starken deutschen Wirtschaftswachstum getrieben, wie das Umweltbundesamt am Montag bestätigte. Stattdessen ging er in den vom EU-Emissionshandel erfassten Bereichen um rund ein Prozent auf 450 Millionen Tonnen zurück. “Dieser Trend stimmt hoffnungsvoll und belegt den Spielraum für eine mögliche Anpassung des europäischen Klimaziels”, sagte Umweltbundesamt-Präsident Jochen Flasbarth. In der EU läuft derzeit eine Debatte, die Klimaziele bis 2020 zu verschärfen und die Menge an zugeteilten CO2-Verschmutzungsrechten zu verknappen.

CO2-RECHTE-PREISRUTSCH REISST LOCH IN KASSE FÜR ENERGIEWENDE

Da auch in der gesamten EU der Ausstoß und damit der Bedarf an Rechten zurückging, stürzte der Preis für die Zertifikate an den Börsen um mehr als zehn Prozent auf ein Rekordtief ab: Mit knapp über sechs Euro pro Tonne CO2 wurde am Montagnachmittag der tiefste Preis seit Einführung des Handels mit Emissionsrechten im Jahr 2005 notiert. Dies bringt auch die Haushalte der Mitgliedsstaaten unter Druck, die von dem jährlichen Verkauf der Rechte an die Unternehmen profitieren wollten. Deutschland etwa hatte für 2012 mit einem Preis von 17 Euro, also fast des Dreifachen kalkuliert. Für 2013 hatte man die Erwartungen schon auf zehn Euro reduziert, also immer noch weit über dem jetzigen Preis. Aus den Einnahmen sollen zentrale Projekte wie der internationale Klimaschutz oder die Förderung der Elektromobilität finanziert werden. In dem dafür vorgesehen Klimafonds klafft schon jetzt ein Milliarden-Loch.

Industrie und Versorger bekommen jährlich einen bestimmten Anteil von nötigen CO2-Verschmutzungrechten zugeteilt. Produzieren sie weniger oder umweltfreundlicher, können sie überschüssige Rechte an der Börse verkaufen. Umgekehrt müssen Betriebe, die ihr Budget ausgeschöpft haben, zukaufen.

Da die Rechte zum CO2-Ausstoß ab 2013 zu großen Teilen von den Staaten verkauft und nicht mehr wie bisher teilweise verschenkt werden, bekommt der Zertifikate-Preis an der Börse noch eine größere Rolle für die Haushalte.

Umweltpolitiker beklagen, dass der niedrige CO2-Preis nun zudem keinen Anreiz zum Klimaschutz mehr biete. Offenkundig seien zu viele Zertifikate ausgegeben worden. Wirtschaftspolitiker warnten hingegen vor einer Verknappung und einem Preisanstieg, da dieser auf die Strompreise umgelegt und die Tarife nach oben treiben würde.

ATOMAUSSTIEG HAT KAUM EINFLUSS AUF KLIMABILANZ

Verfechter der weitgehend CO2-freien Atomkraft hatten argumentiert, dass ein Abschalten der AKW das Erreichen der Klimaziele erschweren werde, da mehr Kohlestrom benötigt werde. Zwar liefen diese Kraftwerke in der Tat länger. Aber höhere Energie-Effizienz in der Wirtschaft insgesamt glich dies mehr als aus.

Bereits jetzt ist klar, dass Deutschland als größter CO2-Produzent in der EU seinen Treibhausgasausstoß bis Ende 2012 deutlich stärker als vereinbart senken wird. Im Zuge des Kyoto-Vertrags hatte sich die Bundesregierung auf 21 Prozent Minderung im Vergleich zu 1990 verpflichtet. Auch die EU insgesamt wird ihr Ziel von acht Prozent erreichen. Hier sank 2011 der CO2-Ausstoß bei Industrie und Versorgern sogar um 2,4 Prozent, was vor allem auf die schwächere Wirtschaft in den anderen EU-Länder zurückzuführen ist.

Der Emissionshandel erfasst etwa gut die Hälfte des CO2-Ausstoßes. Der andere Teil sind vor allem Haushalte und Verkehr. Nach Angaben aus Regierungskreisen wird hier sogar mit einem noch stärkeren Rückgang von rund drei Prozent gerechnet. Dies sei zu einem auf die hohen Benzinpreise, zum anderen auf das vergleichsweise warme Wetter 2011 zurückzuführen.

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