November 28, 2018 / 1:07 PM / 19 days ago

EU-Kommission will CO2-Ausstoß in 30 Jahren auf Null senken

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die EU-Kommission will innerhalb von 30 Jahren den Ausstoß von Treibhausgasen möglichst auf Null drücken und wäre damit ehrgeiziger als Deutschland.

Steam billows from the cooling towers of Vattenfall's Jaenschwalde brown coal power station behind wind turbines near Cottbus, eastern Germany, in this December 2, 2009 file photo. So far, wind turbines are not Sputnik. But one day they could be. The global race to develop clean technology is not just about who can build the best solar parks or wind farms. It is also shaping up as a contest between Chinese-style capitalism and the more market-oriented approach fancied by the United States and Europe. To match special report DAVOS/GREEN REUTERS/Pawel Kopczynski/Files (GERMANY - Tags: ENERGY ENVIRONMENT BUSINESS)

“Es ist absolut möglich”, sagte Klima-Kommissar Miguel Arias Canete am Mittwoch in Brüssel, wenige Tage vor Beginn des Weltklimagipfels im polnischen Kattowitz. Es brauche aber große Anstrengungen. Deutschland will bis 2050 den CO2-Ausstoß in einer Spanne zwischen 80 und 95 Prozent reduzieren. Umweltministerin Svenja Schulze wertete Canetes Vorstoß als Unterstützung: “Die Strategie der EU-Kommission zeigt: Wir gehen in Deutschland keinen Sonderweg, sondern wir gehen den Weg in Richtung Klimaneutralität gemeinsam mit ganz Europa”, sagte die SPD-Politikerin. “Das ist nicht nur klimapolitisch erforderlich, es ist auch technisch machbar und für Europa die richtige ökonomische Strategie.”

In der Klimastrategie der Kommission sind acht Szenarien enthalten. In zweien wird eine klimaneutrale EU angepeilt. In den übrigen wird weiterhin ein Rest von CO2 produziert, wie es auch Deutschland vorsieht. “Sicher, es werden viele Investitionen nötig sein”, sagte Canete mit Blick auf das Null-Emissionsziel. Diese könnten bis zu 290 Milliarden Euro im Jahr betragen. Im Gegenzug würden aber Ausgaben etwa für Energie-Importe in fast gleicher Höhe unnötig werden. Auch Ausgaben für die Behandlungen etwa von Atemwegserkrankungen würden sinken.

Im Pariser Weltklima-Abkommen war vereinbart worden, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung zu halten. Allerdings stieg der jährliche Ausstoß an Treibhausgasen im vergangenen Jahr einer UN-Studie zufolge auf einen neuen Rekord. Die Staaten müssten daher ihre Anstrengungen verdreifachen, um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen, heißt es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms Unep.

Die Umweltorganisation WWF zeigte sich erfreut über Canetes Vorstoß: “Das ist ein großer Schritt nach vorne – wenngleich der WWF sich dieses Ziel schon für 2040 wünscht”, sagt Michael Schäfer vom WWF Deutschland.

Die Überlegungen Canetes gelten als besonders ambitioniert, da das EU-Ziel für 2030 bislang von einer Kürzung des Ausstoßes von 40 Prozent im Vergleich zu 1990 ausgeht. Innerhalb von 20 Jahren müsste dann also der komplette Ausstieg gelingen. Während Kohle- und Gaskraftwerke zwar langfristig durch erneuerbare Energien ersetzt werden könnten, ist dies für die Industrie deutlich schwieriger. Beispielsweise sind viele chemische Prozesse nur mit großem Aufwand umzustellen oder noch gar nicht entwickelt.

CHEMIE-VERBAND: RECHTZEITIG PFAD SKIZZIEREN

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) erklärte, es sei wichtig, dass die EU schon frühzeitig eine Pfad skizziere. “Wir sollten uns dabei auf ein gemeinsames EU-Ziel konzentrieren und nicht auf untergeordnete Ziele einzelner Mitgliedstaaten. Europa sollte sich auf ein Szenario einigen, das einen für alle Beteiligten machbaren Übergang zu einer treibhausgasneutralen Zukunft ermöglicht”, sagte Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lobte, die EU-Kommission habe erkannt, dass die Klimastrategie nur mit der Industrie Erfolg haben werde. “Die europäische Klimapolitik wird international nur ein Erfolg, wenn wirtschaftlich überzeugende Lösungen für den Klimaschutz gefunden werden, die international anschlussfähig sind”, sagte Vize-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. In einer eigenen Studie hatte der BDI einen weitgehenden Verzicht auf CO2 für möglich gehalten, aber ebenfalls auf die notwendigen Investitionen und Rahmenbedingungen verwies.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller äußerte sich zurückhaltend zu Canetes Plänen. Die EU solle auch den Blick über die Grenzen schweifen lassen, wo mit weniger Aufwand mehr für den Klimaschutz getan werden könne. “Herr Canete, gehen Sie voran”, sagte der CSU-Politiker.

Müller kündigte an, Deutschland werde seine Hilfen für den Weltklimafonds verdoppeln. Man werde 1,5 Milliarden Euro für die nächsten Jahre einzahlen, sagte er. “Ernährung und Klimaschutz sind die Überlebensfragen der Menschheit.” Der “Green Climate Fund” ist das zentrale Instrument für die internationale Klimafinanzierung. Er hilft Entwicklungs- und Schwellenländern, sowohl den Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren als auch sich an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels anzupassen.

Ab Montag beraten Vertreter aus rund 200 Staaten auf der Weltklimakonferenz in Kattowitz über Wege, die Erderwärmung unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten.

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