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Wirtschaftsnachrichten

EU-Kommission schreibt schnelle Erholung von Corona-Krise ab

FILE PHOTO: European Union flags flutter outside the European Commission headquarters in Brussels, Belgium August 21, 2020. REUTERS/Yves Herman

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die EU-Kommission rechnet nicht mit einer schnellen Konjunkturerholung nach der Coronavirus-Krise.

Die zweite Welle an Neuinfektionen sorge derzeit für noch mehr Unsicherheit, sagte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis am Donnerstag in Brüssel. Das trübe die Hoffnung auf eine rasche Erholung. “Die Wirtschaftsleistung der EU wird das Vorkrisenniveau vor 2022 nicht wieder erreichen.”

In der jetzt vorgestellten Herbstprognose der Kommission wurden die Schätzungen für 2020 zum Teil deutlich angehoben, dafür für 2021 aber klar zurückgenommen. Konkret wird dieses Jahr in der EU mit einem historischen Einbruch der Wirtschaftsleistung in Höhe von 7,4 Prozent gerechnet. 2021 dürfte es dann um 4,1 Prozent nach oben gehen, 2022 um 3,0 Prozent. Für die Euro-Zone wird dieses Jahr mit einem Minus von 7,8 Prozent gerechnet, 2021 dann mit einem Plus von 4,2 Prozent und 2022 mit 3,0 Prozent.

Die Schwergewichte Frankreich, Italien und Spanien sind besonders stark von der Pandemie betroffen. Für Spanien sagt die Kommission dieses Jahr das größte Minus von 12,4 Prozent voraus. Deutschland dürfte sich vergleichsweise gut schlagen. Das Minus dürfte 2020 bei 5,6 Prozent liegen. Für 2021 und 2022 wird dann ein Wachstum von 3,5 beziehungsweise 2,6 Prozent geschätzt.

Die Prognosen basieren auch auf der Annahme, dass es 2021 kein Freihandelsabkommen mit Großbritannien geben wird. Darüber wird gerade in zähen Gesprächen verhandelt. Nach dem Brexit läuft Silvester die Übergangszeit aus, in der Großbritannien noch EU-Regeln anwendet. Viele Experten rechnen dann mit deutlichen Bremsspuren im Handel.

WIRTSCHAFT SCHRUMPFT ZUM JAHRESENDE WIEDER

In den letzten drei Monaten des Jahres dürfte die Wirtschaft der Euro-Zone wieder schrumpfen - und zwar um 0,1 Prozent gegenüber dem Sommer. Als Hauptgrund dafür macht die Kommission die neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens aus, um die zweite Welle zu brechen. Irland, Frankreich und Belgien dürften davon am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden. Deutschland wird dagegen wohl noch ein Plus von 0,6 Prozent schaffen.

Auf dem Arbeitsmarkt wird erst 2022 wieder mit einer Entspannung gerechnet. Lag die Erwerbslosenquote in der EU 2019 noch bei 6,7 Prozent werden nun für 2020 7,7 Prozent und für 2021 dann 8,6 Prozent vorhergesagt. 2022 dürfte sie dann auf 8,0 Prozent zurückgehen. Parallel wird mit einer sprunghaft steigenden Verschuldung gerechnet, weil dem Fiskus Steuereinnahmen wegbrechen und die Corona-Hilfen zu immensen Sonderausgaben führen. Nachdem das Haushaltsdefizit in der Euro-Zone 2019 noch bei 0,6 Prozent gelegen hat, werden es 2020 8,8 Prozent sein. 2021 und 2022 werden dann Rückgänge erwartet.

EZB-Vize Luis de Guindos sagte, die Europäische Zentralbank werde angesichts der zweiten Welle im Dezember wahrscheinlich ihre eigenen Konjunkturprognosen senken. “Ich gehe davon aus, dass sie nicht weit entfernt liegen werden von den Projektionen der Europäischen Kommission.” Die EZB rechnet für 2021 bislang mit einem Plus von 5,0 Prozent in der Euro-Zone - gegenüber den 4,2 Prozent der EU-Kommission. EZB-Chefin Christine Lagarde hatte zuletzt die Tür für ein neues Hilfspaket weit aufgestoßen. Dabei verwies sie unter anderem auf die eingetrübte Konjunkturentwicklung.

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