January 13, 2009 / 4:36 PM / 11 years ago

EU verbannt gefährliche Pestizide aus der Landwirtschaft

Brüssel (Reuters) - Die Verbraucher in der Europäischen Union werden künftig besser vor Pestiziden in Obst, Gemüse oder Getreide geschützt.

Das Europäische Parlament verschärfte nach der Einigung mit den EU-Mitgliedsstaaten die Vorschriften für Zulassung und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Stoffe, die Krebs erzeugen, das Erbgut schädigen oder die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen, werden ab 2011 verboten. Das betrifft 22 von insgesamt rund 400 gebräuchlichen Substanzen.

Die Europäische Union nehme damit weltweit eine Vorreiterrolle beim Gesundheitsschutz ein, erklärte die Grünen-Europaabgeordnete Hiltrud Breyer am Dienstag nach der Abstimmung in Straßburg. Die Vorschriften gälten auch für die Importe von Obst und Gemüse aus Drittländern. Umweltschützer kritisierten, die Regelungen seien nicht streng genug. Mindestens 100 weitere toxische Pestizide müssten vom Markt verschwinden, forderte Greenpeace. Bei einigen Mitteln dauere es bis 2020, ehe das Verbot wirksam werde.

Für die Genehmigung der Pestizide werden die 27 EU-Länder in drei Zonen mit vergleichbaren klimatischen Bedingungen eingeteilt. Ein Produkt würde dann von einem Land stellvertretend für alle anderen Länder der Zone zugelassen. Damit soll der illegale Handel mit Pflanzenschutzmitteln, der Folge der national unterschiedlichen Genehmigungen war, eingedämmt werden. Generell werden die Zulassungsregeln künftig dahingehend verschärft, dass gefährliche Stoffe auch nicht mehr unterhalb eines Grenzwertes verwendet werden dürfen.

Die Pflanzenschutzhersteller warnten, dass die Produktion neuer Wirkstoffe dadurch erschwert werde. Auch Wissenschaftler gaben zu bedenken, je weniger Pestizide eingesetzt würden, um so mehr könnten Schädlinge Resistenzen entwickeln. Für die Landwirte könnten sich in absehbarer Zeit einige schmerzhafte Lücken im Pflanzenschutz auftun, erklärte Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Agrar in Frankfurt. Gefährdet seien zum Beispiel wichtige Mittel gegen Schadpilze im Getreide. Auch die Agrarexpertin der FDP-Bundestagsfraktion Christel Happach-Kasan kritisierte die Belastungen für die Industrie. Pflanzenschutz sei unverzichtbar für qualitativ hochwertige Produkte. “Niemand will Blattläuse im Salat, schorfige Kartoffeln oder faule Erdbeeren essen.”

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below