February 13, 2008 / 2:14 PM / 11 years ago

EU will bei Einreise von Ausländern Fingerabdrücke nehmen

Brüssel (Reuters) - Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen zwischen den meisten Ländern in Europa will die EU die Einreise von Ausländern strenger überwachen.

Nach einem Vorschlag von EU-Justizkommissar Franco Frattini sollen künftig alle Reisende aus Drittländern, die für weniger als drei Monate in den Schengen-Raum kommen, Fingerabdrücke abgeben und sich fotografieren lassen. Bisher galt das nur für Asylsuchende. In einem Ein- und Ausreiseregister sollen zudem Ort und Zeitpunkt der Ankunft sowie die Dauer des Aufenthaltes erfasst werden. Dem Schengener Abkommen, das den Wegfall von Grenzkontrollen vorsieht, gehören seit Dezember 24 europäische Länder an.

Die EU will vor allem die illegale Einwanderung bremsen. Dies sei ein sehr wirksames Mittel, um diejenigen aufzuspüren, die länger als erlaubt in der EU blieben, sagte Frattini. Nach Daten der EU-Kommission hielten sich 2006 acht Millionen illegale Einwanderer in der EU auf. Mehr als die Hälfte seien nach Ablauf ihres Visums nicht ausgereist. Die Reisenden würden mit der Fingerabdruck-Registrierung keineswegs wie Kriminelle behandelt, sagte Frattini. Schließlich werde das von den Europäern für einen neuen Reisepass inzwischen auch verlangt.

Eine raschere Abfertigung bei den Kontrollen soll Vielfliegern aus dem Ausland ermöglicht werden. Sie könnten sich zur Iriskontrolle registrieren lassen und dann an automatischen Schleusen mit einem Blick in das Gerät rasch passieren. Als erste Region weltweit wolle Europa damit den unbescholtenen Ausländern das Reisen erleichtern, sagte Frattini. Systeme zur Iriskontrolle würden bereits an den Flughäfen in Frankfurt, London, Amsterdam und Paris getestet.

Datenschützer kritisieren, die EU sammele eine zu große Menge persönlicher Daten, ohne die Bürger ausreichend vor einem Missbrauch der Daten zu schützen. “Sie wollen einfach das gleiche Spielzeug haben wie die Amerikaner”, sagte Gus Hosein von der Organisation “Privacy International”. In den USA wurde die Registrierung per Foto und Fingerabdruck an den Flughäfen bereits vor einigen Jahren als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 eingeführt.

Die Vorschläge, über die die Mitgliedsländer und das Europäische Parlament beraten müssen, sollen Frattini zufolge bis 2015 in Kraft treten. Der Schengen-Raum wurde kurz vor Weihnachten auf 22 der 27 EU-Länder erweitert. Auch Norwegen und Island gehören der Region an. Im November will die Schweiz beitreten. Die EU-Länder, die das Schengen-Abkommen noch nicht unterzeichnet haben, könnten die Regelungen freiwillig übernehmen, sagte Frattini. Dies gilt für Großbritannien, Irland, Zypern, Rumänien und Bulgarien.

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