October 26, 2018 / 8:59 AM / 19 days ago

Uhr tickt für Zeitumstellung - EU-Länder uneins

A Seiko clock at the Hauptbahnhof main train station of Duesseldorf, Germany, February 2, 2017. REUTERS/Wolfgang Rattay

Brüssel (Reuters) - Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, springen die Uhren zwischen Lissabon und Helsinki am Sonntag ein letztes Mal auf Winterzeit.

Die Brüsseler Behörde will die halbjährliche Zeitumstellung abschaffen. Jetzt sollen die einzelnen Mitgliedsländer sich festlegen, ob sie in der Winter- oder Sommerzeit bleiben wollen - und zwar dauerhaft. Doch in den Hauptstädten ist man sich alles andere als einig. Auch die Bundesregierung hat noch nicht Position bezogen. Das letzte Stündlein für die Zeitumstellung hat wohl noch nicht geschlagen. “Es gibt noch viel Bedarf für Diskussionen”, sagt ein EU-Vertreter. Am Montag beraten die EU-Staaten erstmals über das Thema.

Bislang ist es ein Ritual für alle Europäer, die Uhren im März eine Stunde vor und Ende Oktober wieder eine Stunde zurückzudrehen. Eingeführt wurde der Wechsel, um das spärliche Tageslicht an Wintertagen besser auszunutzen und so Strom zu sparen. Der Nutzen wird bezweifelt, und stattdessen klagen einige EU-Bürger über körperliche Beschwerden nach der Umstellung.

Im August preschte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit der Idee vor, die Zeitumstellung abzuschaffen. Das EU-Parlament und die Mitgliedsländer sollen bis Ende des Jahres ihre Stellungnahmen abgeben. Bis April müssen sich die Staaten festlegen, ob sie stetig zur Sommer- oder Winterzeit wechseln. Im Oktober 2019 wäre dann die letzte Umstellung. Sicher ist das Ganze aber noch lange nicht, da Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten sich einig werden müssen. So etwas dauert bei vielen Gesetzen in der EU Jahre, weshalb Junckers Plan eng gesteckt ist. “Die Kommission drückt extrem aufs Tempo”, sagt der Brüsseler Vertreter eines Mitgliedstaats.

MITGLIEDSTAATEN BRAUCHEN NOCH ZEIT

Dabei sind viel wichtige Punkte noch unklar. In der deutschen Regierung ist die Absprache zwischen den Ministerien über die Konsequenzen nicht abgeschlossen. Zudem werden noch Firmen, die Bahn und Fluggesellschaften befragt. Insbesondere letztere erstellen weltweit getaktete Flugpläne, die durch eine schnelle Zeitumstellung durcheinander gerieten. Entschiedener Befürworter für ein Ende der Umstellung ist aber Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Als nächstes abgesteckt werden die Positionen bei einem Treffen der EU-Verkehrsminister am Montag und Dienstag in Graz. Wegen der unübersichtlichen Lage werde die österreichische Ratspräsidentschaft vorschlagen, sich mit der Entscheidung wesentlich länger Zeit zu lassen, sagt ein anderer EU-Vertreter. “Die Mitgliedstaaten brauchen noch, um sich eine Meinung über ihre einzelnen Positionen zu bilden.”

Fragen wirft auch die Rechtfertigung der Kommission für den Vorschlag auf: Eine Online-Befragung im Sommer, bei der 4,6 Millionen EU-Bürger antworteten. 84 Prozent sprachen sich gegen die Zeitumstellung aus, und 70 Prozent der Antworten kamen aus Deutschland. Walter Krämer, Statistikprofessor an der Technischen Universität Dortmund, kritisiert das Vorgehen. “Umfragen, die auf Freiwilligkeit beruhen, können keine validen Ergebnisse liefern.” Man spreche damit nur Leute an, die sich für das Thema interessieren.

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