October 30, 2018 / 10:15 AM / 16 days ago

Euro-Wirtschaft schwächelt - Italien und Autobauer belasten

European Union flags are seen outside the EU Commission headquarters in Brussels, prior to a meeting between Britain's Secretary of State for Exiting the EU Dominic Raab and EU's chief Brexit negotiator Michel Barnier, Belgium October 14, 2018. REUTERS/Francois Lenoir

Berlin/Brüssel (Reuters) - Auch wegen schwächelnder deutscher Autobauer ist die Wirtschaft in der Euro-Zone im Sommer so langsam gewachsen wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Juli und September nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, das Wachstum halbierte sich damit zum Frühjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Ökonomen hingegen hatten wie zuletzt ein Plus von 0,4 Prozent erwartet. “Die massiven Probleme der deutschen Autobauer dürften maßgeblich zu dem enttäuschenden Ergebnis beitragen haben”, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Während Frankreichs Wirtschaft ihr Wachstum auf 0,4 Prozent verdoppelte, stagnierte Italien unter der neuen populistischen Regierung sogar. Ökonomen erwarten, dass auch die deutsche Konjunktur auf der Stelle trat.

“Der Konjunkturmotor kommt spürbar ins Stottern”, sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein. Die Handelskonflikte sorgten für Sand im Getriebe, aber auch die Zertifizierung von Fahrzeugen nach dem neuen Abgasmessverfahren WLTP habe die Produktion in der für die Euro-Zone so wichtigen Automobilindustrie belastet. “Namentlich gehören dazu vor allem die deutschen Fahrzeugbauer - kein Wunder also, dass vor allem auch Deutschland die konjunkturelle Expansion in der Eurozone gebremst hat”, betonte Gitzel.

Ähnlich sieht es Commerzbank-Experte Christoph Weill: “Die Probleme in der Automobilindustrie mit WLTP haben insbesondere in Deutschland tiefe Bremsspuren hinterlassen.” So sei das “BIP-Wachstum im Sommer wohl zum Erliegen” gekommen. Die Daten werden am 14. November veröffentlicht. Der weltgrößte Autobauer Volkswagen verbuchte wegen der Kosten bei der Einführung des europäischen Abgasmessverfahrens im dritten Quartal einen Gewinnrückgang um fast ein Fünftel.

Die Probleme von Autobauern dürften nach Weills Worten auch dazu beigetragen haben, dass Italiens Wirtschaft im dritten Quartal nicht vom Fleck kam. Impulse kamen weder vom Außenhandel noch von der Binnennachfrage: So schwach präsentierte sich die Konjunktur seit Ende 2014 nicht mehr. Die seit Juni in Rom amtierende Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung will das Wachstum unter anderem mit Steuersenkungen und höheren Sozialausgaben ankurbeln und nimmt dafür deutlich höhere Schulden in Kauf. Dies stößt bei der EU-Kommission auf harsche Kritik.

Positive Signal kamen aus Frankreich. Die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft im Währungsraum profitierte von der Kauffreude der Verbraucher. Ökonomen gehen davon aus, dass der private Konsum auch wegen geplanter Steuererleichterungen bis Jahresende weiter spürbar wachsen und damit die gesamte Wirtschaft ankurbeln dürfte.

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